Mit der Entwicklung der alt-katholischen Kirche in Furtwangen und Gütenbach von 1870 bis 1910 beschäftigte sich Pfarrer Lutz Bauer in einem Referat. Dieses ist nun in einem Buch mit dem Titel „Reformation und Ökumene“ veröffentlicht worden, das die Vorträge aus einem Symposium zum gleichen Thema im Jubiläumsjahr der Reformation 2017 zusammenfasst.

Buchautor Lutz Bauer. Der evangelische Pfarrer berichtet über den „Dissens“ der drei Furtwanger Konfessionen.
Buchautor Lutz Bauer. Der evangelische Pfarrer berichtet über den „Dissens“ der drei Furtwanger Konfessionen. | Bild: Stefan Heimpel

Zu den zehn Referenten gehörte damals auch Pfarrer Lutz Bauer, dessen Referat über die Entwicklung der alt-katholischen Kirche in Furtwangen und Gütenbach natürlich vor allem für die hiesige Region von großem Interesse ist.

Gemeindeleben ein Spannungsfeld

Er stellte sein Referat unter den Titel „Konfessionelle Dissenserfahrungen in Furtwangen und Gütenbach – Das Spannungsfeld von römisch-katholischem, evangelischem und alt-katholischem Gemeindeleben von 1872 bis 1911“. Im Zentrum stehen die katholische und alt-katholische Gemeinde, nachdem die evangelische Kirchengemeinde sich in dieser Zeit erst entwickelte.

Schuljubiläum die Initialzündung

Die Initialzündung für Pfarrer Bauer war ein Erlebnis beim Jubiläum der Furtwanger Friedrichschule 2011. Der Rektor der Schule, Adalbert Oehler, stellt damals fest, dass er bei den Jubiläumsvorbereitungen vergeblich nach einem Bericht über eine Segnung des Schulhauses gesucht habe. Ein Grund sei vielleicht gewesen, dass es damals Konflikte zwischen den drei Konfessionen gab.

Flugblätter an der Gütenbacher Pfarrhaustür

So beleuchtet nun Pfarrer Lutz Bauer die wechselhafte Geschichte der beiden Kirchengemeinden. Er beginnt mit der längeren Vorgeschichte der Entwicklung, die beispielsweise in Flugblättern gipfelt, die anonym an die Tür des Pfarrhauses in Gütenbach geheftet wurden. 1872 wurde in Gütenbach ein „liberaler Verein“ gegründet von 97 katholischen Bürgern. In der Folge wurde der Antrag an die Landesregierung in Karlsruhe gestellt, als alt-katholische Gemeinde anerkannt zu werden. Und auch in Furtwangen war ein Verein von Alt-Katholiken gegründet worden.

Neue Kirchengebäude sind notwendig

Probleme in Furtwangen und Gütenbach ergaben sich im Folgenden daraus, dass das Inventar der Kirchen auf die beiden Konfessionen verteilt wurde. Zum anderen war den römisch-katholischen Gemeinden von Rom aus untersagt, in der gleichen Kirche die Messe zu feiern wie die Alt-Katholiken. Das führte in Furtwangen und Gütenbach zum Bau von römisch-katholischen Notkirchen: in Furtwangen bei der Gewerbehalle auf dem heutigen Robert-Gerwig-Platz, und in Gütenbach etwas weiter oberhalb der ursprünglichen Pfarrkirche am Berg. Nach einigen Jahren wurden diese Kirchen wieder an die römisch-katholischen Gemeinden zurückgegeben.

In Gütenbach wechselte die alt-katholische Gemeinde einfach in die bisherige römisch-katholische Notkirche. Bis heute dient diese Kirche als Pfarrkirche der alt-katholischen Gemeinde.

Eigene Kirche für Altkatholiken am Ilben

In Furtwangen gab es nach der Rückgabe für die Alt-Katholiken verschiedene Stationen über die Notkirche und die evangelische Pfarrkirche, bis 1959 die eigene Kirche am Ilben eingeweiht werden konnte. Ausführlich schildert Bauer auch die verschiedenen Entwicklungen und Auseinandersetzungen der verschiedenen Gruppierungen, wobei hier gerade die Furtwanger Industriellen eine wichtige Rolle spielten.

Im Lauf der Jahre gab es zwischen diesen beiden Konfessionen viel Dissens, aber auch viel Konsens. Nicht zuletzt zollten sich auch die jeweiligen Pfarrer immer wieder einmal gegenseitiger Hochachtung und unterstrichen damit das Miteinander. In seinem Fazit betont Pfarrer Bauer, dass noch viele Einzelheiten in den Archiven zu recherchieren seien.