Das Jahr 2020 war für den Wald, auch im oberen Bregtal, ein absolutes Katastrophenjahr. Allein in Furtwangen, im Revier von Förster Richard Kugele, rissen die Winterstürme 2020 mit rund 32 000 Festmetern riesige Löcher in die Wälder.

Insgesamt wurden in den vom Forst im Landratsamt verwalteten Privat- und Gemeindewäldern im Schwarzwald-Baar-Kreis durch die Stürme Sabine und Bianca rund 200  000 Festmeter Holz geworfen oder geknickt. Damit nicht genug, folgten ein schon sehr warmer, trockener April und etliche Wochen mit tollem Wetter.

So klein ist der berüchtigte Borkenkäfer, auch Buchdrucker genannt – aber er schafft die dicksten Fichten.
So klein ist der berüchtigte Borkenkäfer, auch Buchdrucker genannt – aber er schafft die dicksten Fichten. | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Für den ohnehin höchst gestressten Wald bedeutete das allerdings nichts Gutes. Die Trockenheit mehrerer Vorjahre und das nun folgende ebenso trockene und vor allem warme Frühjahr waren die Ursache dafür, dass vor allem die Fichten unter extremem Stress lebten und infolgedessen leichte Beute für einen gefährlichen Feind wurden, den man kaum sieht – den Borkenkäfer.

Heimlich-unheimlicher Feind

Für den Fachmann sichtbar ist das Bohrmehl in den Rindenschuppen. Auf diesen Befall sollte man dann schnell reagieren, befallene Bäume fällen und entrinden. Doch bei den vielen befallenen Bäumen des zurückliegenden Sommers kam oft jede Hilfe zu spät: Nochmals rund 80  000 Festmeter im Bereich des Forstamts fielen diesem heimlich-unheimlichen Feind zum Opfer. Die Befürchtung vieler Forstleute war nun, dass die Folgejahre ebenso warm und trocken würden.

Hier ist der Borkenkäfer freilich noch in großen Mengen unter der Rinde zugange – alle hellbraunen Flecken sind Bohrlöcher.
Hier ist der Borkenkäfer freilich noch in großen Mengen unter der Rinde zugange – alle hellbraunen Flecken sind Bohrlöcher. | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Doch zumindest in diesem Jahr ist für den Wald Atemholen angesagt: Nachdem 2021 die Winterstürme vergleichsweise harmlos ausfielen, sah der ausgehende Winter, durchaus wieder als solcher wahrgenommen, zunächst einen recht warmen März, der so manchem Revierförster Sorgenfalten auf die Stirn trieb. Doch dann – es fühlte sich für die Forstleute fast schon wie ein Wunder an – folgte ein April, der so war, wie man ihn einschätzt: Wechselhaft, kühl, feucht.

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Und diese Witterung setzte sich auch im Wonnemonat Mai fort. Für den Normalbürger, auch den Landwirt, ein eher nicht so tolles Wetter, doch die Förster und Waldeigentümer freut es. „Seit langer Zeit waren zwei Monate, nämlich April und Mai, kälter als in den Vorjahren. Das Hundewetter der letzten Wochen war für die Menschen bedauerlich, ist für Bäume im Schwarzwald aber ein Segen“, berichtet auch Forstdirektor Frieder Dinkelaker. Erstmals seit vier Jahren seien wieder normale Verhältnisse eingetreten.

Endlich wieder Feuchtigkeit tief im Boden

Dies betreffe sowohl die Wasserversorgung im Oberboden als auch die Sättigung in tieferen Bodenschichten. So sei aktuell auf großen Flächen im Schwarzwald die Feuchtigkeit auch wieder bis in Tiefen von 1,80 Metern gelangt. Von diesem Zustand sind andere Teile Deutschlands immer noch weit entfernt. Und auch sonst war die Witterung gut für den Wald. Winterstürme entwurzelten oder brachen nur wenige Bäume.

Nur lokale Schneebruch-Schäden

Schäden durch Schneebruch traten zwar stellenweise heftig, aber nur lokal auf. Dennoch – für die Wasserversorgung der Bäume und des Bodens brachte erst der Mai die notwendige Entspannung, wie Richard Kugele und sein Chef Dinkelaker unisono feststellten. Gut und wichtig seien die Regenfälle auch für die Neuanpflanzungen gewesen, die adurch einen sehr guten Startbonus erhalten hätten d.