Weithin sichtbar thront auf dem oberen Bühl über Furtwangen die Fatimakapelle. Sie ist ein weithin sichtbares Zeichen des Dankes der Furtwanger Bürger dafür, dass entgegen jeder Erwartung vor 75 Jahren die Stadt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges verschont wurde.

Denn in einem Gelübde hatten sich die Bürger dazu verpflichtet, diese Kapelle bei Verschonung der Stadt zu errichten. Im Kriegsjahr 1944 betete die Gemeinde in „gedrängt vollem Gotteshaus“ um Frieden und um den Erhalt der Heimat. Ein interessantes Dokument zu der damaligen Situation ist eine „Urkunde an die Nachwelt“, die anlässlich der Errichtung der Kapelle 1947 zur Grundsteinlegung verfasst wurde.

Die Gefahr rückt immer näher

Darin wird die Situation kurz vor Ende des Krieges geschildert: „Jahrelang schon wütete der Krieg, Städte sanken in Trümmer, Menschen starben in Massen und Friede war aussichtslos. Unheildrohend zogen die Bombengeschwader über unseren Ort — und Pfarrer Simon betete um Hilfe zur Heiligen Gertrud. Von Westen her dröhnte der Kanonendonner immer lauter, die Gefahr rückte unerbittlich näher, bis zu achtmal am Tage gingen die Luftalarmsirenen — Furtwangen stand schutzlos. Da gab Pfarrer Simon den Gedanken aus, der Gottesmutter von Fatima ein Heiligtum zu versprechen, wenn sie uns vor den Verwüstungen des Krieges bewahre.“ Zwei Männer legten dies in einem Schriftstück nieder.

Bild aus früheren Jahren. Auffallend das große Kruzifix, das sich heute an anderer Stelle befindet, sowie der kleinere Turmhelm.
Bild aus früheren Jahren. Auffallend das große Kruzifix, das sich heute an anderer Stelle befindet, sowie der kleinere Turmhelm. | Bild: Repro Stefan Heimpel

Gottesmutter Fatima wird angerufen

Am Feste der Ewigen Anbetung, am 24. September 1944, wurde im gedrängt vollen Gotteshaus die Gottesmutter von Fatima angerufen, dass sie „uns der Heimat und die Heimat uns erhalte und wir zum Danke ein Heiligtum errichten wollen“. Es war ein mutiger Schritt von Pfarrer Simon und der Gemeinde, wenige Wochen nach dem Attentat auf Hitler öffentlich ein solches Gelöbnis abzulegen.

Doch die Situation wurde im April 1945 noch wesentlich bedrohlicher, wie in diesem Dokument geschildert wird: „Die Fronten rückten näher. Die deutschen Truppen fluteten zurück, etwa 30 000 Mann waren in Furtwangen und anschließendem Bregtal zum letzten Kampf versammelt. Rings um unseren Ort wurden Geschütze eingegraben; Furtwangen sollte verteidigt werden. Völlige Vernichtung stand uns bevor. Ernste Männer rüsteten zu einer Selbsthilfe. Die Lage war aussichtslos – und Furtwangen betete.“

Sämtliche Truppen ziehen ab

In der Nacht vom 24. auf 25. April 1945 zogen sämtliche Truppen unerwartet ab. Am 25. April 1945 in der Frühe war Furtwangen frei von Militär, und am Mittag 13 Uhr wurde der Ort den schon einrückenden Franzosen kampflos übergeben. „Furtwangen war gerettet, kein Haus vernichtet, kein Furtwanger verlor das Leben. Plötzliche Entspannung. Ein Ereignis, unerwartet und bestaunt von Allen – ausnahmslos von Allen.“

Bei der Grundsteinlegung. Von links die zelebrierenden Priester Kaplan Reichelt, Stadtpfarrer Blattmann und Vikar Schneider, dahinter vom Stiftungsrat Schmied Franz Josef Hug, Alfons Kuner, Dachdecker Karl Schuler, Franz Schmalz, August Hettich, Karl Ganter, Bürgermeister Ludwig Zier und Egon Hettich.
Bei der Grundsteinlegung. Von links die zelebrierenden Priester Kaplan Reichelt, Stadtpfarrer Blattmann und Vikar Schneider, dahinter vom Stiftungsrat Schmied Franz Josef Hug, Alfons Kuner, Dachdecker Karl Schuler, Franz Schmalz, August Hettich, Karl Ganter, Bürgermeister Ludwig Zier und Egon Hettich. | Bild: Repro Stefan Heimpel

1947 wurde begonnen, das Gelübde zu realisieren, und der Grundstein für die Kapelle gelegt. „Nun, Gottesmutter, wollen wir mit dieser Kapelle den versprochenen Dank abstatten und bitten Dich, lass sie eine Gnadenstätte werden“, so die Formulierung auf dem Dokument im Grundstein.

Viele Spenden und Arbeitsleistungen

Viele freiwillige Spenden und Arbeitsleistung in dieser schweren Zeit nach dem Krieg ermöglichten den Bau. Am 15. August 1948 wurde die Kapelle der Gottesmutter von Fatima geweiht. Seither ist sie ein Mahnmal als Erinnerung an das Ende des Krieges in Furtwangen. Jedes Jahr zum Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August rückt die Kapelle ganz besonders in den Fokus. Dann feiert die Pfarrgemeinde einen Gottesdienst zu Ehren der Gottesmutter. Pfarrer Paul Demmelmair hat diese einige Jahre eingeschlafene Tradition wieder aufleben lassen.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.