Einen Gottesdienst unter freiem Himmel zu Christi Himmelfahrt bei herrlichem Sonnenschein feierten evangelische Christen zusammen mit Angehörigen anderer Konfessionen vor der Melanchthon-Kirche. Begrüßt wurden die Gläubigen durch den Kirchenältesten Peter Baake, seine Amtskollegin Hannelore Frank machte die Schriftlesung. Trotz außergewöhnlicher Situation fehlte es nicht an Altar und Osterkerze. Die Gemeindegesänge begleitete Ilse Stöckl am Keyboard und eine besondere Note brachten die erfahrenen Musiker Andrea Klausmann (Gesang), Rolf Langenbach (Gitarre/Gesang) und Hans Bausch (Saxofon) ein. Sie interpretierten sensitiv „Tears in Heaven“ von Eric Clapton, „Imagine“ von John Lennon und „Knocking on Heaven‘s Door“ von Bob Dylan, die die Brücke zu den Betrachtungen von Pfarrer Lutz Bauer schlugen.

Keine Tränen mehr

Der Prediger verband damit vor allem die Vokabel Himmel, die im englischen Sprachgebrauch einerseits „sky“ als Raum, in dem Flugzeuge fliegen, und „heaven“ als Ort, wo Liebe und Gott wohnen, bedeuten. „Im göttlichen Himmel wird es keine Tränen mehr geben und die unerklärlichen Abschiede im Leben finden letzte Antwort“, so Bauer.

Eine Welt ohne Gier

Der Aussage Lennons konnte Bauer voll zustimmen: die Vorstellung einer Welt ohne Gier, ein Leben im friedlichen Hier und Jetzt – eine Menschheit in brüderlicher Verbundenheit, so wie sie der Evangelist Johannes in zeitlosen Worten umschrieb. Pfarrer Lutz Bauer meinte: „In Jesu Liebe sollen wir bleiben, Jesu und damit Gottes große Menschenliebe auf Erden verbreiten – das heißt den Himmel auf Erden holen“. Sinnbildlich zeigte dies das Liedblatt mit einer Himmelfahrtsabbildung aus dem 6. Jahrhundert, das Jesus Christus in einer Mandorla, begleitet von Engeln, in himmlischer Sphäre zeigt, darunter Maria umgeben von Heiligen, eine Verkörperung der Kirche und Symbol des Einsseins in der Liebe Gottes.

Hoffnungsvoll an der Himmelstür

Das Ablegen von Waffen umschrieb Bob Dylan. Man habe genug Grund, hoffnungsvoll an die Himmelstür zu klopfen. Man könne damit Ungewissheit, Angst, Krankheit oder Furcht vor Verlusten widerstehen – Hoffnung leben und weiterverbreiten. Sichtlich angetan waren die Besucher der Morgenfeier, die unter den Segen Gottes gestellt wurden.