Auch wenn Hundehalter ihre Tiere in der Regel im Griff haben und sie zurückrufen können im Notfall, gibt es auch Ausnahmen. Eine schlechte Erfahrung mit einem Hund und vor allem mit dessen Halter machte jüngst ein Radfahrer aus Furtwangen.

Wie der 77-jährige Radfahrer aus Furtwangen berichtete, sei er Mitte November, also vor dem Wintereinbruch, auf Tour gewesen. Dabei sei er auch im Außenbereich von Gütenbach geradelt, wo er einem Mann mit zwei Hunden begegnet sei. Die zwei Tiere seien bellend auf ihn zugelaufen.

„Ich hatte selber Hunde“

„Ich hatte selber Hunde und habe keine Angst vor ihnen, aber Respekt“, erklärt der Radler gegenüber dem SÜDKURIER. Er sei also ruhig weitergefahren. Aber einer der Hunde habe ihn weiter verfolgt und dabei aggressiv angebellt. Dabei sei das Tier beängstigend nahe gekommen, „so dass ich instinktiv eine Fuß-Abwehr-Bewegung machte“, erinnert sich der 77-Jährige. „Der Hundehalter schimpfte lauthals, nicht mit den unartigen Hunden, sondern mit mir und rannte mir nach.“

Der Radler fuhr zügig weiter, auch weil er es nicht auf eine Konfrontation ankommen lassen wollte. Doch der Hundehalter habe ihn weiter verfolgt „mit lauten wüsten Beschimpfungen und danach mit einem großvolumigen schwarzen Auto“. Die Situation spitzte sich zu. „Auf dem danach unbefestigten Weg hat die Person mit dem genannten Fahrzeug mich bedrängt, so dass ich beinahe den Abhang abrutschte“, beschreibt der Radler das Geschehen.

Hundhalter stellt Biker zur Rede

„Als er vorbei war, gab er Vollgas, so dass mir die Steine des unbefestigten Weges entgegen schlugen. Nach circa 30 Metern an der Wegbiegung hielt er an und stellte mich. Dabei hielt er mich am Kragen, bedrohte mich mit der Faust und beschuldigte mich der Tierquälerei“, schildert der 77-Jährige seine weiteren Erfahrungen.

Hundehalter spricht von Tierquälerei

„Ich habe mich zurückgehalten, da ich mich in meinem Alter auf ein Gerangel nicht einlassen wollte. Ich sollte ihm meinen Ausweis vorlegen, damit er mich wegen Tierquälerei anzeigen kann, da ich nach seinem Hund getreten habe.“ Wobei er anmerkte, dass er nicht genau wisse, ob er den Hund mit seinem Fußtritt tatsächlich erreicht habe. Es sei eine Abwehrbewegung gewesen.

Er habe dem Hundehalter seinen Namen gesagt und nach dessen Namen gefragt. Diesen habe er mitgeteilt. Darauf trennten sich die beiden. „Anschließend ging ich mit dem Fahrrad ein paar Schritte, musste mich aber dann an den Wegrand setzen, da mir die Aufregung Übelkeit hervorrief.“

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ein paar Tage später erstattete der 77-Jährige Anzeige gegen den Hundehalter. Mittlerweile befasst sich die Staatsanwaltschaft mit dem Vorgang. Wie vom Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, Andreas Mathy, zu erfahren ist, werde wegen des Verdachts der Nötigung und Beleidigung gegen den Hundehalter ermittelt. Es stünden noch Zeugenvernehmungen aus.

Unliebsame Begegnungen mit dem Hundehalter und seinen Vierbeinern hatten offensichtlich auch schon andere Passanten. Gütenbachs Bürgermeisterin Lisa Hengstler wurde daraufhin schon angesprochen. Entsprechende Beschwerden zu diesem Fall gebe es schon mindestens so lange sie hier arbeite, also seit fünf Jahren.

Bürgermeisterin ist informiert

Bislang sei aber nach ihrem Kenntnisstand kein Mensch oder eine Sache zu Schaden gekommen. Sie selber sei dem Halter und seinen Hunden auch schon begegnet, sei da aber nicht in eine gefährliche Situation geraten. Allgemein sei sie sehr vorsichtig gegenüber Hunden, nachdem sie schon von einem anderen Hund mal gebissen worden sei. Sie könne gut nachvollziehen, wie man sich fühle, wenn man als Wanderer oder Radfahrer Angst habe, von einem Hund verfolgt zu werden.

In Gütenbach bestehe zwar innerorts Leinenpflicht, nicht aber im Außenbereich. Die Verwaltung habe im Gemeindeblatt mal angedroht, eine allgemeine Leinenpflicht zu erlassen, also auch für den Außenbereich. Aber das betreffe ja dann alle Hundehalter, auch diejenigen, über die es keine Beschwerden gebe. Deshalb habe man so etwas bislang nicht umgesetzt.

Wenn ein Hund als gefährlich eingestuft werde, gebe es auch die Möglichkeit, speziell für diesen Hund eine Leinenpflicht anzuordnen, erklärte Hengstler weiter. Aus ihrer beruflichen Praxis sei ihr ein solcher Fall bekannt. Hengstler möchte nach den jüngsten Vorfällen noch einmal das Gespräch mit dem Hundehalter suchen.