Etwas über 175 Jahre ist es her, als eine Lawine im engen Wagnerstal bei Neukirch den Königenhof vernichtete. 16 Menschen fanden in dieser Februarnacht den Tod. Das Unglück fasziniert die Menschen bis heute. Die Schriftstellerin Julia Heinecke hat den Stoff für einen historischen Roman verwendet, der nun erschienen ist.

Beim Kartenspiel von Lawine überrascht

Sechs Männer sitzen an einem Winterabend im Jahr 1844 in der Stube beisammen und spielen Karten. Die Frauen und Kinder sind schon zu Bett gegangen. Draußen stürmt es. Tauwetter. Gegen 23 Uhr vernimmt die Nachbarin ein „Schausen“, doch denkt sie sich nicht viel dabei. Als sie am nächsten Morgen sieht, dass ihre Söhne vom Kartenspielen nicht zurückgekehrt sind, macht sie eine grausige Entdeckung: Der Königenhof ist verschwunden, von einer Lawine verschüttet. Wo sind seine Bewohner? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Lawinenunglück im kollektiven Bewusstsein verankert

Der Untergang des Königenhofs ist bis zum heutigen Tage im kollektiven Bewusstsein der Schwarzwälder verankert. An den Jahrestagen erscheinen Artikel in Tageszeitungen und Publikationen der Geschichtsvereine. Sogar ein Theaterstück gibt es, dass zuletzt im Dezember 2019 von den Sportfreunden Neukirch aufgeführt wurde.

Eine Lithographie des Künstlers Casimir Stegerer aus Vöhrenbach zeigt die Zerstörung des Königenhofs. Ein neuer Roman erinnert nun an das größte Lawinenunglück des Schwarzwalds vor über 175 Jahren.
Eine Lithographie des Künstlers Casimir Stegerer aus Vöhrenbach zeigt die Zerstörung des Königenhofs. Ein neuer Roman erinnert nun an das größte Lawinenunglück des Schwarzwalds vor über 175 Jahren. | Bild: Archiv

Roman schildert die letzten Tage und Stunden vor der Katastrophe

Neu ist nun der historische Roman, den Julia Heinecke verfasst hat. Er schildert die letzten Tage und Stunden vor der Katastrophe und danach aus der Sicht der Bewohner. Aber auch die Vorgeschichte des Hofes und seiner Bewohner wird beschrieben, der erste Teil des Buches beginnt mit dem Jahr 1833.

Keine wissenschaftliche Dokumentation

Auch wenn die Autorin viele Fakten zur Hilfe zieht und sich um Authentizität bemüht, so ist es natürlich ein Spiel mit dem Fiktiven. Es ist bewusst keine wissenschaftliche Dokumentation, von denen es zahlreiche gibt, sondern ein Roman mit lebenden Figuren, mit deren Gedanken, Gefühlen. Dabei nimmt sich Julia Heinecke die künstlerische Freiheit, um ihren Akteuren Leben einzuhauchen.

Die Unglücksstelle heute. An der Position des Hofes befindet sich eine Hütte des Forstamtes mit Grillstelle. Eine Gedenktafel erinnert dort an den einstigen Königenhof.
Die Unglücksstelle heute. An der Position des Hofes befindet sich eine Hütte des Forstamtes mit Grillstelle. Eine Gedenktafel erinnert dort an den einstigen Königenhof. | Bild: Jürgen Liebau

Gesichert ist, wer damals zu Tode kam und wer das Unglück überlebte. Sicher ist auch, dass Bauer Martin Tritschler seinen Wald am Steilhang im großem Stil abgeholzt hat, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein.

„Doch war er wirklich gierig, herzlos und unwirsch, wie es die Quellen gerne nahelegen?“ fragt Julia Heinecke im Nachwort ihres Buches. Oder wollte Tritschler nur das Beste für seine große Familie?

Autorin aus Schleswig-Holstein

Julia Heinecke wurde in Berlin geboren, wuchs in Schleswig-Holstein auf und ist seit über einem Vierteljahrhundert in Südbaden zu Hause. Sie absolvierte eine Übersetzer-/Dolmetscherausbildung und studierte anschließend Kulturwissenschaften.

Heute lebt und arbeitet Julia Heinecke als freiberufliche Übersetzerin, Lektorin, Texterin und Autorin in Freiburg. In mehreren Publikationen hat sie sich sowohl auf Sachebene als auch in Romanform mit der Kulturgeschichte des Schwarzwaldes auseinandergesetzt.

„Schneesturz“, Roman von Julia Heinecke, erschienen im Verlag Gmeiner, 251 Seiten, Preis: 14 Euro, ISBN 978-3-8392-2855-5