Unter „Neu – aber nicht neu genug!“ stellt im Juni das Deutsche Uhrenmuseum den Marinechronometer „Chronostat“ von L. Leroy & Cie., Paris, aus. Das Instrument entstand um 1960 und fand auch im französischen Unterseeboot SM Doris Platz.

„Seefahrt ist not!“ hieß ein fesselnder Abenteuer- und Jugendroman von Gorch Fock. Der Schriftsteller mit bürgerlichem Namen Johann Wilhelm Kinau wurde 1880 in Finkenwerder geboren und kam in der Schlacht am Skagerrak am 31. Mai 1916 ums Leben.

Chronometer zur genauen Positionsbestimmung

Zu Seefahrt und Schiffen gehört natürlich die nötige technische Ausrüstung, um auch bei tobendem Wind und riesigen Wellen genau steuern zu können. Eines der Teile sind Marinechronometer, wie der jetzt im Uhrenmuseum ausgestellte, um die geografische Länge und somit die Position zu bestimmen. Die Fertigung erforderte einfallsreiche und technisch versierte Uhrmacher, um in der Königsdisziplin mitspielen zu können. Das Spielchen war mit dem Zweiten Weltkrieg vorbei, die Produktion lag brach, die Technik war überholt.

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Uhrmacherkönnen und Halbleiterelektronik

Doch der Forschergeist keimte wieder auf, und 1960 berichtete das französische Hydrografische Institut stolz über einen neuen Marinechronometer. Das Uhrenmuseum schreibt in seinem Flyer „Der Chronostat kombinierte klassisches Uhrmacherkönnen, eine Bimetall-Kompensationsunruh, mit aktueller Halbleiterelektronik. In Schwung gesetzt wurde die Unruh elektromagnetisch, und zur Ansteuerung der Magnetspule diente ein Transistor. Der Chronostat bewährte sich zwar gut, wurde aber schon bald von den noch präziseren, rein elektronischen Quarzuhren abgelöst.“

Richtungsweisende Pionierarbeit

Im 18. Jahrhundert leisteten die Engländer John Harrison und John Arnold oder der Schweizer Pierre Berthoud richtungsweisende Pionierarbeit, um präzise „Schiffsuhren“ zu entwickeln, die auch noch 1930 nahezu baugleich existierten. Die schwingende Unruh, die Verwendung von Messing und Stahl und Ausgleichsgewichte kompensierten Erwärmung und Temperaturschwankungen.

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Elektronik hält Einzug

Im Zweiten Weltkrieg wurden Radar und UKW-Technologie entwickelt, und nach 1945 setzte die Halbleitertechnik durch Transistoren ein. Ingenieurwissen war gefragt, und Längenuhren mit elektronischer Transistorsteuerung kamen auf den Markt, wie der „Chronostat“, der präzise und zuverlässig funktionierte.

Sehr teure Investition

Die Genfer Uhrenfabrik Patek-Philippe bot danach seinen „Chronotome“ in einem Metallgehäuse an, in dem statt der Unruh ein Quarz in einem Glaskolben vibrierte. Das Signal steuerte einen Synchronmotor, der das Zeigerwerk antrieb. Garantiert war eine Gangabweichung von höchstens 0,03 Sekunden. Die Präzision jedoch musste berappt werden, und ein Chronotome machte 8800 Franken reine Selbstkosten. Zum Vergleich: einen VW-Käfer bekam man seinerzeit für 6675 Franken.

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