Zentral gelegen im Forstbezirk liegt der westliche Teil des Revieres „Wagnerstal-Hammerwald“ im Bereich Hexenloch. „Mit Michael Rombach, einem lokalen Urgestein, ist das Revier passend besetzt“, sagt Philipp Weiner, stellvertretender Leiter des neu gegründeten Forstbezirkes Hochschwarzwald.

Schon Michael Rombachs Großvater war Förster im Hexenloch und bewohnte das ehemalige Forsthaus Behahof. Hier hat inzwischen auch Michael Rombach Wurzeln geschlagen und ist seit Jahreswechsel für die umliegenden Wälder zuständig. „Nach über 19 Jahren intensiver Tätigkeit im Privatwald wollte ich noch einmal etwas Neues wagen“, schildert Rombach.

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Das tut er nun in einem Gebiet, das geprägt ist durch steile, felsige Hänge, in die sich gelegentlich sogar eine Gams verirrt. „Der Bereich ist nicht nur naturschutzfachlich, sondern auch historisch von Interesse“, weiß Philipp Weiner. So lag hier der Königshof, der 1844 von einer Lawine verschüttet wurde, 16 Menschen starben. Einst war das Wagnerstal dicht besiedelt, Bauernhöfe und Uhrmacherhäuschen standen in jedem Dobel.

Von den Besitzern aufgegeben und aufgeforstet, erinnern nur noch vereinzelt Grundmauern oder die stehengebliebene ehemalige Kapelle des Kajetanshofes an die einstigen Bewohner. Auch den Balzer Herrgott, ein in eine mächtige Buche eingewachsenes steinernes Kruzifix, kann man auf einer Anhöhe über der „wilden Gutach“ sehen. Nach Osten, weit entfernt im unteren Bregtal, gehören noch zwei Enklaven zum Revier von Förster Michael Rombach, eben der Hammerwald mit der Ruine der Burg Neufürstenberg nahe Vöhrenbach und vor den Toren Donaueschingens der Weißwald.

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Das scheint ihm wie auf den Leib geschnitten: In Gütenbach aufgewachsen, war er schon als Kind in den hiesigen Wäldern unterwegs. Auch danach ließ ihn die Region nicht los. Er beschäftigt sich gerne mit der lokalen Historie, etwa mit der Namensherkunft des Wagnerstals: Da aufgrund des Schnees an den steilen Hängen die Bäume häufig Säbelwuchs aufwiesen, war Holz aus dem Tal für die Berufsgruppe der Wagner besonders interessant. Man mag es beim diesjährigen Winter kaum glauben, doch das Schicksal des Königshofes zeigt, wie schneereich es hier vor Zeiten des Klimawandels war.

„Klimawandel, ein gutes Stichwort“, sagt Rombach, als er auf die Schwerpunkte seiner diesjährigen Arbeit zu sprechen kommt. Seit dem Extremsommer 2018 sind die Wälder hier besonders stark vom Borkenkäfer befallen. „Das Gebiet von St. Märgen bis hier ins Wagnerstal ist einer unserer Brandherde im Forstbezirk.“

Soweit möglich wird versucht die befallen Fichten einzuschlagen und schnell aus dem Wald zu bringen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. „Trotzdem, der Wald hier wird sich verändern.“ Statt Fichten wird zukünftig ein Bergmischwald die Region prägen. Tanne, Buche, Fichte und Bergahorn stehen aus Naturverjüngung bereit. „Resultat angepasster Wildbestände“, meint Rombach, selbst passionierter Jäger. Diese werden zur Förderung klimastabiler, gemischter Wälder immer wichtiger.

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„Ich bin ja froh, dass mein Revier nur eine Zeitzone umfasst“, scherzt Rombach in Anspielung auf seine zwei weit im unteren Bregtal liegenden Waldstücke, eben den Hammerwald, benannt nach den früher hier beheimateten fürstlichen Hammerwerken, in denen das Eisenbacher Eisenerz verarbeitet wurde. „Der Hammerwald ist ein ganz besonderes Waldgebiet.“

Qualitativ beste Hölzer

Ein 600 Hektar großes Waldstück umgeben von Wald des Fürsten und der Stadt Villingen-Schwenningen. „Zum einen wachsen hier im Baar-Schwarzwald qualitativ beste Hölzer, zum anderen finden wir den Charaktervogel des Schwarzwaldes, das Auerwild.“ Im Westen seines Revieres komme dieses leider nicht mehr vor. „Mit verschiedenen Maßnahmen stützen wir den Bestand der Raufußhühner“, so werden Lücken geschlagen und lichte Waldstrukturen gefördert, um den Vögeln passendes Habitat zu schaffen.

Noch weiter nach Osten ändert sich das Waldbild. Gologisch und erdgeschichtlich wird es jünger. Kurz vor dem Weißwald betritt man den Muschelkalk, ein knapp 250 Millionen Jahre altes Ablagerungsgestein. „Was das mit dem Wald zu tun hat? Sprichwörtlich bildet das Ausgangsgestein die Grundlage für die Böden und somit für die darauf stockenden Wälder“, erklärt Rombach. „Wenn man die Bodenvegetation betrachtet, ist diese hier deutlich artenreicher als in Bereichen mit Granit oder Buntsandstein.“ Die Fichte, noch dominierend, wird hier früher oder später einem Laubbaummischwald mit Tanne weichen. Waldumbau wird eine Aufgabe der kommenden Jahrzehnte sein.

An Aufgaben mangelt es nicht, nur an Mitarbeitern. Eine neu zusammengestellte Forstwirtgruppe wird ab Sommer zum Team gehören, freut sich Rombach. Diese wird dann mit ihm die Herausforderungen im neuen Revier meistern.

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