Gewerbeflächen sind aufgrund der topographischen Gegebenheiten rar im oberen Bregtal. Ein besonderes Highlight ist hier das Gewerbegebiet Neueck mit seinen großen Gewerbeflächen. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte die Gemeinde Gütenbach hier bereits ein Gewerbegebiet „Ob der Eck“ eingerichtet, das schnell immer größer wurde. Dann entstand die außergewöhnliche Idee, hier ein interkommunales Gewerbegebiet zu errichten. Denn anschließend an das bestehende Gewerbegebiet gab es sowohl auf Gütenbacher Gemarkung wie auf der direkt anschließenden Furtwanger Gemarkung Flächen, die ebenfalls für ein Gewerbegebiet geeignet waren. Das Besondere dabei: dieses Gewerbegebiet ist in sich eine Einheit, liegt aber verteilt auf den Gemarkungen von Furtwangen (Gemarkung Neukirch) und Gütenbach.

2011 wurde der Beschluss gefasst, ein solches gemeinsames Gewerbegebiet zu erstellen, ein Zweckverband wurde durch die beiden Kommunen ins Leben gerufen, der nun dieses interkommunale Gewerbegebiet verwaltet. Nach sieben Jahren war es endlich so weit: 2018 konnten Bürgermeisterin Lisa Wolber (Gütenbach) und Bürgermeister Josef Herdner (Furtwangen) nach dem Abschluss der Erschließungsmaßnahmen das Gewerbegebiet offiziell seiner Bestimmung übergeben. Und sofort begannen hier die Bauarbeiten für die ersten Unternehmen. Bei der großen Nachfrage nach Gewerbeflächen müsse man sich eigentlich schon sofort wieder Gedanken machen, wo man wieder ein ähnliches Projekt realisieren könnte, meinte Bürgermeister Herdner bei dieser Gelegenheit.

Im ursprünglichen Gütenbacher Gewerbegebiet sind es fünf Betriebe, die hier schon seit vielen Jahren aktiv sind. Im interkommunalen Gewerbegebiet kamen sieben weitere Gewerbe-Grundstücke dazu. Davon ist aktuell nur noch eines zu verkaufen. Vier dieser Grundstücke sind bereits bebaut oder der Bau ist kurz vor der Fertigstellung. Besonders erfreulich für die Gemeinden ist, dass sie mit diesem Gewerbegebiet der heimischen Wirtschaft Möglichkeiten zur Expansion bieten, denn alle neuen Grundstücke im Gewerbegebiet wurden von Firmen aus Furtwangen und Gütenbach erworben.

Größter Investor ist aktuell hier die Firma Pumpen Scher-zinger aus Furtwangen. Flaggschiff des ganzen Gewerbegebietes ist aber auf jeden Fall die Rena GmbH. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet und hat seither seinen Hauptsitz im Gütenbacher Gewerbegebiet Neueck. Rena ist ein internationales Unternehmen im Maschinenbau, das Anlagen für die nasschemische Oberflächenbehandlung in der Halbleiter-, Medizin-, Solar- und Glasindustrie produziert. Dieses große Unternehmen hat natürlich wirtschaftlich für Gütenbach eine besondere Bedeutung. Weltweit zählt es rund 1200 Mitarbeiter, am Standort Gütenbach, der Firmenzentrale, 444. Beeindruckend ist hier nicht zuletzt auch das neue und mit seiner besonderen Fassade weithin sichtbare Firmengebäude, das 2014 errichtet wurde. Neben Rena und Pumpen Scherzinger gibt es aber auch noch eine ganze Reihe anderer Unternehmen sowohl im Gütenbacher Teil wie im interkommunalen Gewerbegebiet. Hier findet man beispielsweise eine CNC-Produktion, eine Bauunternehmung oder einen Reifenhandel mit Werkstatt.

Dynamisches Industriezentrum am Hochrhein

Wehr – Wehr zählt zu den dynamischen Industriezentren am Hochrhein. Die Stadt ist Standort zahlreicher Wirtschaftsbetriebe. Der Branchen-Mix reicht von der pharmazeutisch-chemischen Industrie über den Maschinenbau bis hin zur Papier- und Kunstofffabrikation. Dabei sind die meisten Firmen global ausgerichtet und auf dem Weltmarkt präsent. Gut vertreten am Wirtschaftsstandort Wehr sind auch das Handwerk und die Dienstleister. „Wir sind gut und breit aufgestellt“ sagt Sabrina Muñoz-Gerteis, zuständig für das Grundstücksmanagement der Stadt zum Branchenmix und zum Wirtschaftsstandort Wehr insgesamt.

Ein Großteil der Betriebe konzentriert sich südlich der Kernstadt zwischen Wehr und Öflingen in den dort befindlichen Gewerbe- und Industriegebieten. Aber auch im Norden und Süden der Stadt sind bedeutende Gewerbegebiet ausgewiesen.

Das Gewerbegebiet Hemmet gibt es seit 1973. Es umfasst eine Fläche von rund sechs Hektar. Ganz im Süden ist seit langem die Firma Kownatzki Premium Gears ansässig. Auch die IGS Aerosols und die Schlosserei Döbele haben hier ihren Standort. Das nördliche Ende des Gewerbegebiets Hemmet markiert die Kessler Baumschule.

Gegenüber dem Gewerbegbiet Hemmet – auf den westlich der B¦518 gelegenen Flächen – befindet sich das Gewerbegebiet Kreuzmatt/Hemmet-West. Es wurde im Jahr 2000 erschlossen und 2007 erweitert und ist heute rund sieben Hektar groß. Hier haben zum Beispiel die Firmen Rota Verpackungstechnik, Henkel, Kaiser Brennstoffe und Wenz Kunststoffperipherietechnik ihren Sitz. Weiter westlich von Kreuzmatt Richtung Wehra gibt es noch das Gewerbegebiet Finsterbach. Es ist eines der ältesten in Wehr und wurde ebenfalls in den 70er-Jahren ausgewiesen und 2004 erweitert. Hier sind beispielsweise die Firmen Mattes mit Gerüstbau, Gipser und Fliesenleger und die Firmen Tekuwa und Bigema ansässig. Am Eingang zur Kernstadt befinden sich das große Gewerbegebiet Bündtenfeld mit der Firma Novartis und das neue Gewerbegebiet Rossmatt mit der Firma Sewec Ozon.

Auf dem Brennet-Areal in der Innenstadt von Wehr entstehen nach dem Abbruch der ehemaligen Hallen ein neuer Schmidt’s Markt, ein Drogerie-Markt, ein Discounter sowie ein kommunales Ärztehaus und ein Wohn- und Geschäftsgebäude der Brennet.

„Wir unterstützen die Unternehmen, wo immer es geht“

<p>Sabrina Muñoz-Gerteis</p><p><em>Bild: Frank Linke</em></p>

Sabrina Muñoz-Gerteis

Bild: Frank Linke

Welche Bedeutung haben die in Wehr ansässigen Unternehmen, und damit die Gewerbe- und Industriegebiete für die Stadt?

Sabrina Muñoz-Gerteis: Ein gut funktionierendes Gewerbe vor Ort ist sehr wichtig. Die Unternehmen schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze. Auch muss das Leben in der Stadt mit seinen vielen freiwilligen Angeboten wie Frei- und Hallenbad oder Mediathek finanziert werden. Wenn die Gewerbesteuereinnahmen aus dem Wirken unserer Unternehmen stimmen, geht es auch der Stadt und ihrer Bevölkerung gut. Wie sich eine Stadt weiterentwickeln kann, das hängt somit auch von den Betrieben und der Gewerbesteuer ab.

Was macht Wehr für Gewerbe, Industrie, Handwerk und Dienstleister attraktiv?

Die verkehrstechnisch gute Lage im Dreiländereck, die Nähe zur Schweiz und zu Frankreich sowie die Anbindung an das Hochrheintal und das Wiesental. Und die Autobahn ist nicht weit. Außerdem sind die Grundstückspreise vergleichsweise günstig. Argumente für die Unternehmen bei der Anwerbung von Arbeitskräften sind die hervorragende Infrastruktur, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung, und die hohe Lebensqualität der Stadt als südliches Tor zum Naturpark Südschwarzwald. Wir als Stadtverwaltung unterstützen die hier ansässigen Unternehmen natürlich auch wo immer es geht.

Gibt es noch freie Gewerbegrundstücke?

Es gibt derzeit vereinzelt freie Flächen in verschiedenen Gewerbegebieten, wir bemühen uns auch um die Erweiterung unserer Gewerbeflächen. Manche größere Flächen befinden sich im Privatbesitz, in einem solchen Fall verbinden wir Interessenten mit den Eigentümern. Es lohnt sich jedenfalls immer, bei einer Standortsuche bei uns anzufragen.

Fragen: Frank Linke

Zur Person

Gabriele Muñoz-Gerteis (41) ist bei der Stadt Wehr zuständig für das Grundstücksmanagement. Kontakt: sabrina.munoz-gerteis@wehr.de, Tel: 07762/80 82 03.