Äußerst interessant ist das Objekt des Monats August im Uhrenmuseum: eine Taschenuhr mit Monatsdatum. Jacob Degen konstruierte den Zeitmesser 1813 in Wien. 200 Jahre später erwarb ihn das Deutsche Uhrenmuseum. Damit verbunden ist auch ein Teil Luftfahrtgeschichte.

Auf die Verknüpfung von Uhrmacherei und Erfindung von Flugobjekten ist der Museumspädagoge Robert Werner gestoßen. Er macht dies an Otto Lilienthal fest, dessen 125. Todestag am 10. August dieses Jahres gedacht werden konnte. Ein vergessener Flugpionier war eben jener Jacob Degen, geboren am 27. Februar 1760 im schweizerischen Liedertswil. Er starb am 28. August 1848. Im gleichen Jahr wurde Lilienthal geboren.

Zusammen mit der Degen-Uhr wird ein zeitgenössischer Kupferstich von Jacob Degens Flugmaschine als Objekt des Monats August gezeigt. Bild: Siegfried Kouba
Zusammen mit der Degen-Uhr wird ein zeitgenössischer Kupferstich von Jacob Degens Flugmaschine als Objekt des Monats August gezeigt. Bild: Siegfried Kouba | Bild: Sb

Jacob Degens protestantische Familie wanderte um 1770 nach Wien aus. Der aufgeschlossene Mann wurde Bandweber und Uhrmacher. Er gilt als einer der erfolgreichsten Erfinder von Flugmaschinen, die bereits 1807 vorgestellt wurden. Er führte 1808 nachweislich den ersten gesteuerten Flug der Geschichte durch. Drei Jahre später folgten Vorführungen vor Kaiser und Adligen in Wien, wobei er vier Stunden lang in verschiedene Richtungen flog. Auch in Paris fanden seine Flugobjekte große Beachtung. Mit Schwingen wie von Vögeln wurde sein erster Flugapparat per Muskelkraft in Bewegung gehalten. Daher könnte man den Tüftler als modernen Ikarus der Industriegeschichte bezeichnen.

1816 konstruierte Degen eine Luftschraube mit Uhrwerkantrieb, die unbemannt im Wiener Prater auf 160 Meter stieg. Später wurde es ruhig um ihn. Sein „Omithopter“ wird als Zeichnung bei der Objektpräsentation des hiesigen Museums gezeigt.

Dass Degen Beachtung in Fachkreisen findet, beweist ein Modell seines Koaxial-Hubschraubers, das im Bückeburger Hubschraubermuseum zu sehen ist. Ein wertvolles Stück stellt daneben die ausgestellte Taschenuhr dar, die als einzig bekanntes Werk gilt. Österreich ehrte den Flugzeugpionier zu seinem 250. Geburtstag mit einer Briefmarke. Zwar geriet Jacob Degen in Vergessenheit, doch seine unbestritten erfolgreichen Flugmodelle fügen sich ein in eine Epoche experimentierfreudiger Aufbruchstimmung des 18. und 19. Jahrhunderts.

1783 gelang den Gebrüdern Montgolfier der Start eines Heißluftballons. 1784 veröffentlichte der badische Architekt Carl Friedrich Meerwein Entwürfe und Berechnungen für eine Flugapparat auf Basis des Vogelfluges. Über 20 Jahre später schrieb sich Degen in die Geschichte der Flugmaschinen ein. Danach sorgte Otto Lilienthal (1848-1896) mit seinen Gleitflügen für Furore, und in Amerika glänzte Orvill Wright (1871-1948) mit seinem Flugzeugbau. Die Liste könnte über Graf von Zeppelin, Wernher von Braun oder Andrei N. Tupolew bis in die modernen Entwicklungszentren Toulouse oder Chicago fortgeführt werden.