Raschen Aufstieg und Niedergang sowie schnell verdientes Geld gab es bereits vor über 100 Jahren. Ein Beispiel hierfür ist die Union Clock Company – im Volksmund „‘s Fellheimers Fabrik“. Forscher stießen jüngst auf Spuren des Unternehmens.

Forscherin fasziniert von Fellheimers Fabrik

Das Deutsche Uhrenmuseum hatte das Thema im Buch „Made in Furtwangen – Vom Hausgewerbe zur Uhrenindustrie“ aufgegriffen. Über das Schicksal des Unternehmens hatte sich die Leiterin der Projektgruppe, Simone von der Geest, informiert und ihre Erkenntnisse unter „‘s Fellheimers Fabrik“ veröffentlicht.

Start mit Wasserkraft

Die Geschichte reichte ins Jahr 1871 zurück. Augustin Weisser errichtete im hinteren Schützenbach ein Wasserwerk zum Betreiben seiner Uhrenkastenschreinerei. 1880 übernahmen Joseph Villing und Rudolf Fehrenbach das „Geschäftlein mit Wasserkraft“. Als Gesellschafter stieg später Felix Trenkle ein. Der Firmenname lautete dann Villing & Trenkle. Die Uhrenfabrik führte Villing ab 1883. Schon zwei Jahre später wurde der Betrieb zur Union Clock Company, die sich im Besitz der Londoner Handelsgesellschaft Merzbach, Lang & Fellheimer befand.

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Der wohl berufsfremde Kaufmann Jakob Fellheimer leitete das Unternehmen nach dem neuen „amerikanischen System“. Es musste rasch produziert werden. Einzelteile wurden seriell gefertigt und neue Formen und Schauseiten von Uhren wurden dem modernen Anspruch angeglichen, um preiswert konkurrieren zu können. Es entstanden die „Amerikaneruhren“, die als schlichte Tischuhren, Wecker und „Regulateurwerke“ besonders in England Absatz fanden. Heute sind diese Billiguhren kaum noch zu finden. Das Furtwanger Uhrenmuseum verfügt jedoch über mehr als zehn Exemplare.

Ein ausgefallenes Modell ist dieser Wecker der Firma Union Clock Company: The Barber.
Ein ausgefallenes Modell ist dieser Wecker der Firma Union Clock Company: The Barber. | Bild: Deutsches Uhrenmuseum

Das Unternehmen entwickelte sich explosionsartig. Eine Turbinenanlage sorgte für Strom, doch technische und bauliche Missstände wirkten sich aus. Die Gebäude waren nicht korrekt untermauert und glichen eher Baracken. Die Folge: Ein Rohbau wurde von einem Sturm zerstört, die Gebäude waren mit Maschinen, Waren und Menschen überfrachtet, die Wasserkraftanlage sorgte für Probleme mit der Straßenmeisterei, der Baupolizei und der Fabrikinspektion. Fehlende Absaugvorrichtungen verursachten Luft „zum Schneiden“ – die Luft war „mit Staub geschwängert“ und beeinträchtigte die Gesundheit der Mitarbeiter.

Tödlicher Absturz

Ein Schicksalsschlag war der Tod Joseph Villings am 16. August 1887. Villing kam von einer Radtour und lehnte sich an ein Geländer beim Gasthaus „Eiche“. Dieses gab nach, er stürzte ab und ein Randstein fiel auf Villing. Die ärztliche Hilfe kam für ihn zu spät. Der Fabrikant starb im Alter von 30 Jahren.

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Die Union Clock glänzte damit, dass sie mit über 300 Mitarbeitern der größte Furtwanger Uhrenhersteller war und daneben den größten Industriebetrieb darstellte. Sogar eine Werkskapelle mit Arbeitnehmern des Unternehmens gab es. Der Niedergang war dennoch unvermeidlich.

Das Ende

1908 musste ein Teil der Schreinerei nach Donaueschingen verlegt werden. Bauliche Verbesserungen in Furtwangen erfolgten nicht. Die Chefs ahnten wohl, dass sich der Betrieb nicht mehr lange halten würde. Furtwangen galt als verkehrstechnisch ungünstiger Standort. Niederlassungen in Donaueschingen und Straßburg glichen den wirtschaftlichen Rückstand nicht aus. Im November 1908 erfolgte die Liquidation der Gesellschaft.

Auf dem Gelände sind heute die Firma Fliesen Dilger und IEF Werner angesiedelt. Von der Union Clock ist nichts erhalten.
Auf dem Gelände sind heute die Firma Fliesen Dilger und IEF Werner angesiedelt. Von der Union Clock ist nichts erhalten. | Bild: Deutsches Uhrenmuseum

Was mit einem Wasserrad 40 Jahre zuvor gestartet war, endete am 23. Januar 1911 mit einer Versteigerung. Die Firmenbauten befanden sich auf dem Gelände des Spitzberger Hofs. Jahrelang zeugten noch zwei große Steinblöcke von Fellheimers Fabrik. Auf ihnen waren vermutlich Dampfmaschinen der Union Clock installiert. Heute sind dort die Firmen Fliesen Dilger und IEF Werner angesiedelt.