Wer oder was ist Erich und was ist passiert? Das Duo Blözinger aus dem österreichischen Linz bot unter diesem Titel eine clowneske durchinszenierte schräge Familiengeschichte in der Furtwanger Kulturfabrik.

Hohe Schauspielkunst und Bühnenpräsenz

Das Duo Robert Blöchl und Roland Penzinger – aus den beiden Namen generierten sie auch ihren Künstlernamen – bereichert seit 2004 die Kabarettszene mit Clownerie. Wenn außer zwei Stühlen keine Requisite auf der Bühne ist, heißt es hohe Schauspielkunst und Bühnenpräsenz aufzubieten und das können die beiden. Sie entwickeln im Laufe des Abends eine sehr abstruse Familiengeschichte mit vielen schrägen Vögeln. Diese beginnt vor der Kirche mit der Trauerfeier für das Familienoberhaupt Erich, der weder Testament noch Bargeld hinterlassen hat.

Ganze Familie und zwei Polizisten auf der Bühne

Die beiden Söhne Jakob und Simon könnten unterschiedlicher nicht sein und pflegen ihre Bruderfehde. Aber sie sind auch Tante Trude mit sozial-differenziertem Tourette-Syndrom und ihrem Lachyoga-Guru Ashanti und Onkel Alfons sowie die Polizisten Harry und Stefan bei der Verfolgungsjagd. Im zu kleinen Sarg ist keine Leiche, sondern eine Botschaft. Erich ist eingeäschert, seine Asche in der Keksdose bei den Vanillekipferl. Im Kofferraum neben vielen Kaugummis für die Autoreparatur eine Tasche voller Geld und einer Knarre von einem Raubüberfall.

Gestörter Polizeifunk

Auf der Flucht werden sie von den Polizisten Harry und Stefan verfolgt. Mit überbordender Fantasie stellen sie den gestörten Polizeifunk dar. Alle Figuren spielen die beiden im Minutentakt wechselnd, doch immer authentisch mit hohem Wiedererkennungseffekt. Die buddhistischen Weisheiten des Guru sind meist unpassend, aber lustig.

Die Geschichte wird immer absurder, die beiden Darsteller tragen mit ihrer Clownerie, hoher Schauspielkunst und Mimik, perfektem Timing und abgestimmten Stimmen dazu bei, dass bei den Zuschauern Kopfkino entsteht.

Mal albern, mal melancholisch

Sie albern herum, doch können sie auch melancholisch sein, dann wieder komisch, die schauspielerischen Wandlungen sind verblüffend. Autopannen, Verfolgungsjagd und Kugelhagel aber auch brüderliche Szenen treiben mit Höchstgeschwindigkeit auf das Ende zu. Das Geld aus dem Überfall wird geteilt und so können die zwei Brüder zusammen Pläne für eine Weltreise schmieden. Gut, dass Familie nicht immer so turbulent ist, doch ist sie stets Kitt, der zusammenhält.

Sehr unterhaltsamer Abend

Man denkt, man hat schon alle Arten von Kabarett gesehen, doch das Duo Blözinger kreierte eine neue Form, allein durch Schauspielkunst, Fantasie, Clownerie und Pantomime, Wortwitz und falsche Zitate. Im Hintergrund spielen gesellschaftliche Aspekte eine Rolle und übertragbare familiäre Eigenheiten. Diese temporeiche schräge Familiensaga bescherte dem Publikum einen sehr unterhaltsamen Abend.