Temporeiche Unterhaltung zwischen Schauspiel, Kabarett und Comedy präsentierte das Duo Fischer & Jung zum Start in das 29. Spieljahr der Kulturfabrik Furtwangen. Sie boten ein komisches Zwischenfazit zweier Männer im mittleren Alter.

Seit 2004 ist das Duo aus Björn Jung und Guido Fischer zusammen auf Bühnen unterwegs. Mit ihrem Programm „Innen 20 – außen ranzig“ war auch gleich die Thematik vorgegeben, der Männerkörper mit 50 gehorcht nur noch der Schwerkraft. 

Zwei ganz unterschiedliche Freunde

Mal war nicht die Frau-Mann-Thematik im Vordergrund, sondern zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein können. Der eine modisch und in allem bewandert, der andere ein modisches Desaster mit Glatze und Bauch. Das erzeugt ein gewolltes Spannungsfeld, eloquent sind jedoch beide.

Ganz schnell stellten sie den Kontakt zum Publikum her und spielen mit diesem, das kommt immer sehr gut an. Auf der Ü30-Party fühlen sie sich deplatziert und auch das ewige Brunchen geht ihnen auf den Keks.

Nachhilfe in Sachen Anmache

Den aktuellen Zeitgeist nehmen sie im temporeichen Dialog auf die Schippe. Ein Probeanruf sollte auf ein wirkliches Treffen mit der „Elite-Partnerin“ vorbereiten, was Jung Schweiß auf die Stirn trieb. Nachhilfe gibt es für Jung in Sachen Anmache und Opener-Sprüche, Schüttelreime eignen sich dafür eher bedingt. Das Küssen jedoch muss er sich per Tutorial auf Youtube selber beibringen.

Beide leiden sie unter der Fuchtel der Mutter und dem Ehrgeiz des Vaters, der aus allem einen Wettkampf macht. So sind mehr Personen als die beiden auf der Bühne, sie lassen ihre Figuren sehr lebendig werden. Schauspielkunst, Gestik und Mimik sind auf den Punkt, die Szenen perfekt inszeniert, von denen manche leicht albern und frivol waren. Ob Styling, Beziehungsprobleme, neue Kommunikationsformen, Vorsorge und Gesundheit, überall machten sie bei sich Schwachstellen aus.

Schnupperkurs im Pflegeheim

Um sich mit der Endlichkeit des Lebens zu beschäftigen, besucht Jung gerne mal Schnupperkurse in Pflegeheimen inklusive Waschen. Als kleiner Ausblick zeigten sie eine Szene ihres Programms in 40 Jahren, dann auch „innen ranzig“. Vorstellbar ist es, dass sie auf der Bühne bis zum Umfallen agieren. Die Frage, ob man für den Tod eine Übergangsjacke brauche, konnte jedenfalls nicht beantwortet werden.

Es gab für das Furtwanger Publikum viel zu lachen, viele schräge Szenen mit hoher Dialogdichte und brillant eingesetzter Situationskomik. Als Zugabe gaben die beiden Gäste ein kölsches Stimmungslied zum Besten.