Grund zum Feiern für das Deutsche Uhrenmuseum: vor 25 Jahren wurde die erweiterte Einrichtung dem Publikum erstmals präsentiert. Mit mehr Ausstellungsfläche und noch heute gültiger, moderner Architektur wurde vor 25 Jahren das umgestaltete Deutsche Uhrenmuseum der Öffentlichkeit präsentiert – Grund genug, an Geschichte und Zukunft zu denken und mit vielen Gästen zu feiern.

Musik ist immer visionär und „Salonlöwe“ Patrick Bebelaar am Steinway-Flügel gab dem Publikum eine Vorausschau: Verknüpfung vieler bekannter Elemente mit richtungsweisender, fantasievoller Energie, die mit Temperament gebündelt einen Weg in die Zukunft öffnet. Diesen Weg kündigte auch der Rektor der Hochschule Furtwangen University (HFU), Rolf Schofer, an. Er betonte, dass das Uhrenmuseum integraler Bestandteil der Hochschule sei, es aber „seinen eigenen Auftritt“ habe. Man sei stolz auf 166 Jahre Geschichte und werde die Zukunft gemeinsam meistern. Der Vorteil der Verbindung liege auf der Hand und immer wieder gebe es Begehrlichkeiten größerer Städte, nach den Schätzen des Museums zu greifen. Daher sei der Erhalt des Standortes wichtig. Die ursprüngliche Bedeutung der Uhr habe sich verändert, da es andere Möglichkeiten gibt, sich der Zeit zu vergewissern, aber man hoffe, auch künftige Generationen begeistern zu können. Dazu bedürfe es der Besucher und deren Eintrittsgelder. Realistisch betrachtete Schofer das veränderte Verhalten von Touristen und wünschte entsprechendes Reagieren mit weiteren Veränderungen des Gebäudes, Aktivierung neuer Gruppen bei guter Zusammenarbeit.

Museumsleiter Eduard Saluz sah das Uhrenmuseum im Wandel der Zeiten, es sei „ein kleines Wunder – ein Museum zum Süchtigmachen“. Sein Blick reichte zum 29. August 1852 zurück, als Robert Gerwig in dem Artikel „Alte Schwarzwälder-Uhren“ zur Sammlung von Exponaten aufrief. Kapitale Stücke wie das Planetarium von Philipp Matthäus Hahn oder die geografisch-astronomische Uhr von Pater Rinderle wurden erworben. In Furtwangen erkannte man den historischen Wert der Objekte. Forschung sorgte, dass die älteste bekannten Holzräderuhr hierher gelangte. Die 1850 gegründete Uhrmacherschule wurde nach 13 Jahren geschlossen, aber die Uhrensammlung existierte weiter. Eine neu gegründete Uhrmacherschule mit Schnitzereiabteilung setzte die Tradition im Stil des Historismus fort und das auf handwerklich hohem Niveau.

Der Untergang des Großherzogtums brachte Veränderungen, die historische Uhrenschau entwickelte sich weiter – über Zweiten Weltkrieg und französische Besatzung hinaus. Nach 1945 entstand die Ingenieurschule. Die Uhrensammlung erhielt 1959 daneben einen Pavillon. Richard Mühe wurde zur prägenden Person, die seit 1965 das Museum zum Besuchermagneten machte. Ein Coup gelang dem Physik-Professor 1975 mit der Integration der Kienzle-Sammlung, um Deutsches Uhrenmuseum zu werden. Die zahlreichen Uhren verlangten mehr Platz und der Furtwanger Architekt Gregor Kuner entwarf einen geschickten Plan, der allerdings endgültig erst 1992 verwirklicht wurde. Ein Jahr später wurde mit dem Einrichtungskonzept von Martin Schwer das Uhrenmuseum wieder eröffnet.

Mühes Nachfolger wurde der Historiker Jakob Messerli, der für Sonderausstellungen, Veranstaltungen, Werkstatt, Depot und Nachrüstung der Haustechnik sorgte. Nach einiger Vakanz, die durch den stellvertretenden Museumsleiter Johannes Graf überbrückt wurde, wurde Eduard Saluz 2003 neuer Leiter, der sich um die Erneuerung der Dauerausstellung kümmerte. Ministerpräsident Erwin Teufel bekundete damals, das Museum solle technik-historisches Zentrum mit Auswirkung auf die industrielle Entwicklung und das gesellschaftliche Leben sein. Neu wurden Ausstellung, Konservierung und Restaurierung angegangen. Dank der Hochschule konnte eine hochwertige Objekt- und Bilddatenbank und ein innovatives digitales Angebot geschaffen werden.

Die Verantwortlichen sehen Zukunftsgefahren und hoffen, „die Ministerialbürokratie“ zu überzeugen. Sie bauen ferner auf die Hilfe des Vereins zur Förderung des Deutschen Uhrenmuseums (VFDU). Dessen Vorsitzender Adalbert Mayer wies auf die Gründung des Vereins vor 25 Jahren hin, der bisher 159 000 Euro finanziell beisteuerte. Er lobte das Museum als Aushängeschild der Region und der Uhrenfabrikation. Auch er sah den latenten Wandel, setzte aber entgegen: „Zukunft braucht Herkunft“. Symbolhaft habe der VFDU den Ausstellungstitel „Rasselbande“ für seinen diesjährigen Kalender übernommen.