Furtwangen – Auf große Resonanz ist das Deutsche Uhrenmuseum mit seiner Sonderausstellung „100 Jahre Sommerzeit“ gestoßen. Offensichtlich ein Thema, dass die Menschen in besonderer Weise bewegt.

Am morgigen Sonntag ist es wieder soweit. Dann werden die Uhren eine Stunde zurückgedreht auf die normale mitteleuropäische Zeit. Diese währt bis Ende März nächsten Jahres, dann ist wieder Sommerzeit angesagt, und die Tagesabläufe müssen wieder eine Stunde nach vorne verlegt werden. Das jährliche Hin und Her regt ein Großteil der Bevölkerung auf. Das zeigt sich auch bei der jetzt zu Ende gehenden Sonderausstellung in Furtwangen. Gleich zu Beginn können sich die Besucher zwischen zwei Zugängen zur Sonderausstellung entscheiden, die gegensätzlich betitelt sind: „Prima Sache“ oder „Völliger Unsinn“. Drei Viertel der Leute sympathisieren beim Thema Sommerzeit mit letzterem, „völliger Unsinn“.

Ihrem Ärger oder auch ihrer Freude über den Zeitenwechsel können Besucher der Ausstellung auf einer großen Tafel Luft machen und dort Karten mit ihren Wertungen anheften. Da findet sich viel Kritik wie „Sommerzeit ist Bevormundung und Körperverletzung“. Vor allem Tiere und Kinder litten darunter, „unbedingt unterlassen“, fordert eine Person. Aber auch Befürworter melden sich zu Wort: „Ich genieße nach der Arbeit die langen Abende.“

Mehr Befürworter gab es in Deutschland mit der erneuten Einführung der Sommerzeit im Jahr 1980, weiß Johannes Graf, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Uhrenmuseum. Damals seien drei Viertel der Bevölkerung noch für die Zeitumstellung gewesen. Häufig sei damals argumentiert worden, die Sommerzeit spare Stromkosten, weil weniger Licht benötigt werde. Aber dieses Argument sei nicht stichhaltig. Untersuchungen hätten belegt, dass die Energieeinsparungen minimal seien und den Aufwand in keiner Weise rechtfertigten.

Vielmehr drängte sich für Deutschland im Zuge der Europäisierung und nachdem auch die damalige DDR auf Sommerzeit umgeschwenkt war, eine Anpassung an den allgemeinen Zeitenwechsel auf. Graf hält es angesichts des europäischen Binnenmarktes für schwierig, die Sommerzeit wieder zu verlassen. Denn dem müssten idealerweise dann alle europäischen Länder zustimmen. Und Europa habe derzeit dringlichere Probleme als das.

So bleibt den Deutschen die Sommerzeit und damit ein Diskussionsthema wohl noch lange erhalten. Die informative und anschauliche Sonderausstellung hierzu endet jedoch am Sonntag im Uhrenmuseum. Um 14 Uhr wird noch einmal eine kostenfreie Führung angeboten. Parallel zur Führung können Gäste ab sechs Jahren eine Sonnenuhr bauen, auf der sich sowohl Sommer- als auch Winterzeit ablesen lassen. Hierfür wird ein kleiner Kostenbeitrag verlangt.

Wer sich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei das in diesem Jahr erschienene Buch von Johannes Graf und Claire Hölig empfohlen: „Wer hat an der Uhr gedreht? Die Geschichte der Sommerzeit“.

Informationen im Internet:www.deutsches-uhrenmuseum.de

80 Uhren umstellen

Im Deutschen Uhrenmuseum tickt es fast an jeder Ecke. Von den insgesamt 8000 Uhren befinden sich rund 1300 in der Ausstellung. Viele von ihnen sind nicht in Betrieb, was deren Zustand schont und den dauerhaften Erhalt für die Nachwelt fördert. Doch zumindest 80 von ihnen ticken mehr oder weniger im Takt und müssen nun zum Ende der Sommerzeit am Wochenende um eine Stunde zurückgestellt werden. Hier kommt Uhrmachermeister Matthias Beck ins Spiel, informiert Johannes Graf, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Uhrenmuseum. Beck werde aber sicherlich nicht zur amtlichen Umstellung um 3 Uhr Sonntagfrüh die Zeiger drehen, sondern das am heute Abend oder Sonntagvormittag erledigen.