In Rohrbach hat sich eine Bürgerinitiative gegründet mit dem Ziel, den Breitbandausbau im Dorf voranzutreiben. Ortsvorsteher Karl Wehrle wurde in der Ortschaftsrat-Sitzung eine Unterschriftenliste übergeben. 254 Einwohner über 16 Jahren haben unterschrieben.

Rohrbachs Ortsvorsteher Karl Wehrle hat auf unserem Bild soeben in öffentlicher Sitzung die Unterschriftenliste aus der Hand der Ortschaftsrätin Michaela Duffner erhalten. Auch er befürwortet den baldigen Anschluss des Furtwanger Ortsteiles an das Glasfasernetz, will aber erst noch die Grundstücksverhandlungen für den Radweg abschließen.
Rohrbachs Ortsvorsteher Karl Wehrle hat auf unserem Bild soeben in öffentlicher Sitzung die Unterschriftenliste aus der Hand der Ortschaftsrätin Michaela Duffner erhalten. Auch er befürwortet den baldigen Anschluss des Furtwanger Ortsteiles an das Glasfasernetz, will aber erst noch die Grundstücksverhandlungen für den Radweg abschließen. | Bild: Jürgen Liebau

In Furtwangens zweitgrößtem Ortsteil gibt es dringenden Bedarf an Breitband. Ursprünglich ist geplant, das Glasfaserkabel von Schönenbach nach Rohrbach unter einem noch zu bauenden Radweg zu verlegen. Doch das kann sich unter Umständen noch viele Jahre hinziehen. Denn während der Landkreis dem Radweg in seinem Radverkehrsplan mit der Priorität „hoch“ einstuft und die Furtwanger Stadtverwaltung bereits einen Antrag auf Bau gestellt hat, sehen das Land und damit das zuständige Regierungspräsidium in Freiburg keinen Grund zur Eile.

Die Landesstraße zwischen Rohrbach und Schönenbach ist Eigentum des Landes. Wie das Regierungspräsidium im Juli auf Anfrage mitteilte, sei die Behörde angehalten, vorrangig diejenigen Radverbindungen zu bauen oder auszubauen, die im Radwegeplan des Landes verzeichnet sind. Rohrbach wird in diesem im Jahr 2016 erstellten Verzeichnis mit Namen „Radnetz“ allerdings nirgendwo erwähnt. Und da dieser Radwegeplan so wörtlich „alle Handlungsfelder und Maßnahmen für die kommenden zehn Jahre zusammenfasst“, ist davon auszugehen, dass das Regierungspräsidium vor dem Jahr 2026 den Radweg nicht verwirklichen wird.

Viele Rohrbacher wollen das nicht hinnehmen und fordern einen baldigen Breitbandanschluss, unabhängig vom Radwege-Bau. Die Ortschaftsrätin Michaela Duffner sowie die beiden Bürger Michael Woelki und Arnd Müller haben deshalb eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen. In einem Rundschreiben an die Einwohner kündigten sie eine Unterschriftenaktion an. „Es kann nicht sein, dass Rohrbach wieder einmal das Schlusslicht bildet“, heißt es in dem Schreiben: „Wir benötigen dringend ein schnelles, zuverlässiges und vor allem leistungsfähiges Internet“. Es gehe dabei „um die Vermarktung des Neubaugebietes Reibschenberg, um den Bestand des größten Arbeitgebers, unsere Gewerbebetriebe und das Verhindern von Abwanderung unserer Bevölkerung und insbesondere unserer jungen Familien“.

Zuvor wurden alle Ortschaftsräte und Ortsvorsteher Karl Wehrle informiert, danach wurden Unterschriften für das Ansinnen gesammelt. Jeder Rohrbacher, der über 16 Jahre alt war, konnte mitmachen. 254 Unterschriften waren es schließlich, die Michaela Duffner Karl Wehrle übereichte. Die Sitzung war außergewöhnlich gut von Zuschauern besucht, sodass noch zusätzliche Stühle in den Sitzungsraum gebracht werden mussten.

Grundsätzlich unterstütze er die Initiative und habe auch mit unterschrieben, sagte Karl Wehrle in der Sitzung. Allerdings teilen er und Bürgermeister Josef Herdner die Ansicht, zunächst zu prüfen, ob der Bau des Radweges und damit die Verlegung des Glasfaserkabels in absehbarer Zeit möglich sei. Dazu finden jetzt Verhandlungen mit den betroffenen Grundstücksbesitzern statt. Mit einem positiven Ergebnis könnte, so auch die Meinung von Bürgermeister Herdner gegenüber unserer Zeitung, das Regierungspräsidium besser überzeugt werden, das Verfahren zu beschleunigen.

Diese Verhandlungen gestalten sich aber, so Wehrle, teilweise als „verdammt schwierig“. „Alles, was den Radweg angeht, ist abhängig vom Wohlwollen der Anlieger“, sagte der Ortsvorsteher. Und da treffe er nicht nur auf Wohlwollen. Anders sei das beim reinen Verlegen des Glasfaserkabels: „Bei Telekommunikationsleitungen müssen wir nur das Bauvorhaben bei den Eigentümern anzeigen.“

Skeptisch zeigte sich Wehrle gegenüber dem Vorschlag von Bürgern, das Glasfaserkabel durch den Abwasserkanal von Schönenbach nach Rohrbach zu legen. Es gibt Fachfirmen, die das ausführen, was im Vergleich zu Erdarbeiten bedeutend billiger und schneller ist. Das habe Vor-, aber auch Nachteile, sagte Wehrle. Das möge bei einem neuen Kanal funktionieren, aber der bestehende Abwasserkanal sei dafür nur schlecht geeignet.

Wehrle und die anderen Räte waren sich aber einig, den Breitbandausbau voranzutreiben, falls nötig auch unabhängig vom Radweg. So stellen sie im Rahmen der Finanzplanung für 2020/21 den Antrag, über den städtischen Eigenbetrieb „Breitband“ Geld für den Anschluss in den Haushalt einzustellen. Wörtlich heißt es im Antrag: „Auf Wunsch von Teilen der Bevölkerung und unserer Industrie- und Handwerksbetriebe soll dies schnellstmöglich angegangen werden. Falls im Zeitrahmen kombinierbar mit dem Radweg, ansonsten unabhängig in erster Priorität“.

Die Entscheidung über die Bereitstellung der Gelder liegt nun beim Gemeinderat der Stadt Furtwangen.