Ein soziales Projekt starteten die hiesigen christlichen Kirchen. Ein Tafelladen oder eine adäquate Alternative soll auch in Furtwangen entstehen.

Auch Furtwangen ist nicht nur heile Welt, denn es gibt trotz Sozialstaates Menschen, die am Existenzminimum leben, allein oder einsam sind. Positiv wirken wollen die alt-katholische Gemeinde, die City-Church, die evangelische Kirchengemeinde, die freie evangelische Gemeinde, die neuapostolische Kirche und die katholische Seelsorgeeinheit. Angedacht ist ein Tafelladen oder eine andere Lösung.

Treff im Rettungszentrum

Um Möglichkeiten auszuloten, trafen sich offizielle Vertreter und Interessenten im Rettungszentrum, begrüßt durch Bezirksevangelist Hans-Dieter Zöphel, der christliche Hilfe in den Vordergrund stellte. Eine Ideensammlung sollte her. Zur Meinungsbildung referierten Soziologie-Professor Stefan Selke, die kirchliche Mitarbeiterin Selma Zähringer und Pastor Kevin Hintzen.

Eine beachtliche Interessentenschar findet sich im Rettungszentrum ein, um das Projekt Tafelladen zu besprechen. Vorn sind Pfarrer Lutz Bauer (von links) und die Referenten Stefan Selke, Selma Zähringer und Kevin Hintzen zu sehen.
Eine beachtliche Interessentenschar findet sich im Rettungszentrum ein, um das Projekt Tafelladen zu besprechen. Vorn sind Pfarrer Lutz Bauer (von links) und die Referenten Stefan Selke, Selma Zähringer und Kevin Hintzen zu sehen. | Bild: Siegfried Kouba

Selke, dessen Mutter ebenfalls in einem Tafelladen arbeitet, übte keine Kritik an den Tafelläden, wohl aber an der Gesellschaftspolitik, die im juristisch einwandfreien und ethisch vertretbarem Rahmen tätig werden müsse. Umkehreffekte durch Profiteure müssten vermieden, Konkurrenzdenken der Tafeln oder Scham-Kultur und Abhängigkeiten verhindert werden.

Menschenrecht auf Nahrung

Ferner gehöre das „Menschenrecht auf Nahrung“ verwirklicht. Eine Lösung könne auch das Prinzip des „Geldverteilers vom Mirabellplatz“ in Salzburg sein.

Selma Zähringer ging auf die Armutsquote von 15 Prozent in Deutschland ein. Armutsgefährdet sei, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient. Die beste Form der Armutsbekämpfung seien die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und einhergehende Bildung. Zu den Armen gehörten auch Menschen, die Mitleid auf sich ziehen, krank sind, Tote zu beklagen haben oder nicht schreiben und lesen können. Hilfe komme von ehrenamtlich Tätigen, die rund ein Drittel der Deutschen ausmachen. Der Sozialstaat sei für soziale Gerechtigkeit verantwortlich. Staatliche Unterstützung und ehrenamtlicher Einsatz sollten sich die Waage halten.

Hilfe aus biblischer Sicht

Hilfe aus biblischer Sicht nach dem Matthäus-Evangelium propagierte Kevin Hintzen. Christliches Dasein und diakonisches Handeln würden zusammen gehören. Schamgefühle träten bei Reichen und Armen zutage. Nächstenliebe sei Prüffeld mit Blick auf Christus.

In einer Diskussionsrunde wurden Pro und Contra zwischen Stefan Selke und Helgina Zimmermann vom Förderverein„Mach mit aus Villingen-Schwenningen beleuchtet. Zimmermann betonte, dass die Tafel-Arbeit von vielen Helfern gemacht werde und das bedingungslos. Scham mache sie traurig, nur jeder Achte von Millionen Betroffenen gehe zur Tafel. Die Ehrenamtlichen seien meist über 60 Jahre alt, jeder könne helfen.

16 Personen direkt betroffen

Schließlich wurde in kleinen Gruppen ein Meinungsbild erstellt. Groß sei das Engagement in Furtwangen, aber ein Tafelladen wurde eher nicht gewünscht, da hier höchsten 16 Personen direkt betroffen seien. Wohl aber sei eine Begegnungsstätte mit Budgetberatung und Aussprache nötig. Denkbar sei ein Ausbau des anderen Ladens, die Unterstützung der Bürgerstiftung oder Sprachcafé und christliche Akut-Hilfe. Auch die Forderung nach Druck auf die Politik vom Rathaus bis Berlin wurde artikuliert. Wie es weitergeht, soll noch entschieden werden.