Auch auf die Arbeit mit den krebskranken Kindern in der Rehaklinik Katharinenhöhe hat die Corona-Pandemie massive Auswirkungen. Die aktuelle Reha wird zwar noch bis zu diesem Wochenende zu Ende geführt, dann schließt aber die Klinik auf eigenen Wunsch.

Großes Risiko für geschwächte Kinder

Hauptgrund ist, dass das Risiko für die krebskranken und damit immungeschwächten Kinder zu groß wäre. Das Gebäude und vor allem auch das medizinische Personal der Klinik stehen aber auf Abruf auch für Unterstützung der regulären Kliniken bereit. Wie Klinikleiter Stephan Maier ausführte, habe man bereits bei der deutlichen Verschärfung der Lage beraten, ob man die aktuelle Reha abbrechen sollte.

Absprache mit den Eltern

Doch vor allem auch auf Wunsch der betroffenen Familien wird die Reha noch bis zu diesem Wochenende weitergeführt und dann regulär beendet. Die Eltern machten deutlich, dass sie sich in der Klinik wohl und sicher fühlen, gerade auch der Wald ringsumher biete eine schützende Atmosphäre. Dies sei allerdings, so Stephan Maier, eine trügerische Idylle. Schließlich hat die Katharinenhöhe dafür entschieden, nach diesem Wochenende die Rehaklinik vorsorglich zu schließen.

Mitarbeiter stehen hinter der Entscheidung

Dabei ist Klinikleiter Stephan Maier stolz darauf, dass auch das ganze Team hinter dieser Entscheidung stehe. Und dies, obwohl die 109 Mitarbeiter damit nun als Kurzarbeiter nur noch einen Teil ihres bisherigen Lohns erhalten. Die Klinikleitung hat versprochen, den Mitarbeitern in Problemfällen direkt zu helfen. Nicht zuletzt habe man sich hier ebenso entschieden wie auch zwei weitere der insgesamt vier Kliniken für familienorientierte Nachsorge bei chronischen Krankheiten. Denn auch die Syltklinik und die Klinik Bad Oexen schließen wegen Corona ihre Tore. Die Klinik in Tannheim hatte schon früher wegen eines Corona-Falls unter den Eltern ihren Betrieb eingestellt. Sie will ihren Betrieb nach Aussagen auf der Homepage der Klinik am 6. April wieder aufnehmen.

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Man müsse bedenken, dass gerade die krebskranken Kinder aufgrund ihrer Therapie massiv geschwächt und damit Virus besonders gefährdet sind.

Dabei besteht sowohl das Risiko, dass neue Patienten den Virus mitbringen, aber ebenso hätten jederzeit Mitarbeiter der Klinik den Virus von außen hinein bringen können. Bisher gab es zum Glück keinerlei Hinweise auf eine Infektion und schon gar keinen konkreten Fall, weshalb die Reha ohne Probleme jetzt bis zum Ende durchgeführt werden kann.

Patiententransport wird zum Problem

Ein weiteres großes Problem, das auch jetzt beim Ende der aktuellen Reha spürbar wird, ist die Frage, wie die Patienten nach der Reha nach Hause kommen und wie sie bei einer neuen Reha wieder nach Furtwangen gekommen wären. Denn unter den aktuellen Umständen wäre eine Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln allein aus Sicherheitsgründen den Patienten nicht zumutbar. Und so wurde auch jetzt zum Ende der Reha mit jeder Familie genau abgesprochen, wie die insgesamt 150 Patienten nun doch, zum Teil quer durch die ganze Republik, sicher nach Hause kommen können.

Viele Patienten sind mit dem eigenen Fahrzeug angereist und können so auch wieder problemlos nach Hause fahren. Es haben sich auch Fahrgemeinschaften gebildet, so dass von den abreisenden Familien weitere Familien mitgenommen und nach Hause gebracht werden.

Hilfe von der Berliner Charité

Daneben steht der Fahrdienst der Klinik zur Verfügung, gerade auch für Patienten aus der direkten Umgebung von Furtwangen. Weitere Möglichkeiten sind die Organisation eines Leihwagens oder Unterstützung von außerhalb. Selbst von der Charité in Berlin gab es hier direkte Hilfe.

Stephan Maier, Leiter der Reha-Klinik.
Stephan Maier, Leiter der Reha-Klinik. | Bild: Christa Hajek

Und ebenso besprochen wurde das Leben nach der Heimkehr. Beispielsweise wurde über Nachbarschaftshilfe am Heimatort dafür gesorgt, dass die Patienten bei ihrer Heimkehr schon einmal Verpflegung für die erste Tage vorfinden und nicht gleich einkaufen müssen. Denn sie müssen sich dessen bewusst sein, dass plötzlich Freunde und Verwandte als scheinbar gesunde Überträger für das kranke Kind gefährlich werden können.

Vor großen finanziellen Problemen

Auch wenn die Katharinenhöhe jetzt ihre Mitarbeiter und auch die Patienten teilweise sogar finanziell unterstützt, ist diese Schließung für die Klinik eigentlich ein finanzielles Fiasko. Nach der aktuellen Lage wird kein einzelner Cent an verlorenen Einnahmen von irgendjemand ersetzt, auch eine entsprechende Versicherung springt hier nicht ein. Vielleicht wirkt irgendwann der von der Regierung verkündete Rettungsschirm, aber darauf könne man sich auf keinen Fall verlassen.

Denn finanziell können die Katharinenhöhe und auch ihr Träger, die Arbeiterwohlfahrt als gemeinnützige Einrichtungen, keine Gewinne erwirtschaften und damit Rücklagen bilden. Im Gegenteil müssen die erwirtschafteten Gelder wieder verwendet werden.

Deswegen wird auch die Klinik nach dem Ende dieser Krise auf breite Unterstützung angewiesen sein. Die aktuelle Schließung bedeute eine existenzielle Bedrohung, deren Ende aktuell noch nicht absehbar sei. Trotz allem sind die Klinik und auch die Mitarbeiter bereit, sich bei dieser Pandemie helfend einzusetzen.

Die Landesregierung hatte erst vor Kurzem angekündigt, dass man im Kampf gegen Corona neben den regulären Kliniken im Land auch auf die Rehakliniken zurückgreifen wolle, um hier weniger schwer erkrankte Patienten unterzubringen und damit in den Kliniken Platz für Corona-Patienten zu schaffen. Auch auf der Katharinenhöhe wurde diese Möglichkeit diskutiert.

Personal steht für Einsatz bereit

Hier laufen bereits erste Gespräche, aktuell besteht aber scheinbar noch kein direkter Bedarf, so Klinikleiter Stephan Maier. Und genauso haben sich auch die Mitarbeiter aus dem medizinischen Bereich der Klinik erklärt, bei Bedarf das Personal an den Kliniken im Land zu verstärken. Noch gibt es keine konkrete Anfrage, so Stephan Maier, aber man sei bereit.