Furtwangen – Einmal mehr stand die Windkraft im Mittelpunkt der Sitzung des Furtwanger Gemeinderats. Und wie meist bei diesem Thema war auch die Zahl der Zuhörer in dieser Sitzung besonders groß. An diesem Abend wurden die Einwände besprochen, die nach der Offenlegung des geplanten Flächennutzungsplanes für die Standorte Linacher Höhe und Rappeneck eingegangen waren.

Das Büro von Gottfried Hage hatte die Stellungnahmen zusammengefasst: insgesamt waren es 407 Seiten an Anregungen. Gottfried Hage erhielt viel Lob von den Gemeinderäten, da er diese Auflistung sehr übersichtlich und anschaulich aufbereitet hatte. Die Gemeinderäte hatten sich im Vorfeld sehr gut über die verschiedenen Gesichtspunkte informieren können. Gottfried Hage machte in der Sitzung deutlich, dass bei den Vertretern der öffentlichen Belange vor allem zwei Themen im Vordergrund stehen: der Artenschutz und das Landschaftsbild.

Die Themen bei den Anmerkungen aus der Öffentlichkeit dagegen sind breiter gestreut und unterschiedlich gewichtet. Insgesamt wurden allein 88 private Einwendungen zum Teil zu mehreren Punkten eingereicht. Eines wurde in dieser Sitzung noch einmal deutlich: Mit dem Flächennutzungsplan will man vor allem verhindern, dass die Landschaft mit Windkraftanlagen übersät wird. Nur mit einem solchen Plan können konkrete Standorte vorgegeben werden. Wenn kein Flächennutzungsplan existiert, müssen Windkraftanlagen an allen Standorten, die den entsprechenden Vorgaben wie Lärmschutz entsprechen, genehmigt werden.

Mit dem Flächennutzungsplan werden diese Anlagen für Furtwangen auf zwei Standorte konzentriert. Stadtrat Wolfgang Kern kritisierte in einem längeren Diskussionsbeitrag unter anderem, dass die Bürgerbeteiligung hier zwar gefordert wäre, nach den aber jetzt vorliegenden Bewertungen der Einwände scheinbar doch nicht gehört werde. Die Errichtung der Windkraftanlagen würde auch von öffentlicher Seite mit aller Kraft durchgezogen.

Gottfried Hage zeigte, dass viele Einwände beim Flächennutzungsplan keine Auswirkung haben können. Denn sie richten sich beispielsweise gegen konkrete Beeinträchtigungen. Diese kann man aber nur im Blick auf eine einzelne, ganz konkrete Anlage beurteilen. Daher seien solche Gesichtspunkte erst beim Bauantrag und nicht beim Flächennutzungsplan zu berücksichtigen.

Ulrich Hättich (SPD) machte deutlich, dass seine Fraktion für die Realisierung sei. In einer technischen Welt gebe es immer gewisse Beeinträchtigungen durch neue Anlagen, das gelte genauso für Maschinen in der Industrie und beim Straßenbau. Ganz wesentlich ist für die SPD die Einrichtung von Konzentrationszonen. Lediglich der Artenschutz sei entsprechend zu berücksichtigen.

Bürgermeister Josef Herdner ergänzte, dass aktuell sowohl für die Linacher Höhe als auch die Rappeneck neue Untersuchungen zum Artenschutz laufen, die dann beim zweiten Termin der Anhörung im Juli vorgelegt werden.

Ulrich Mescheder von der UL zeigte sich beeindruckt, dass sich viele Bürger sehr ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben. Offensichtlich werde beim Thema Windkraft eine hohe Emotionalität und Betroffenheit hervorgerufen, ein Bürger habe dies beispielsweise als Störung des sozialen Friedens und Zerstörung der Lebensqualität formuliert.