Furtwangens Gemeinderäte sehen die Zukunft der Tourismusvermarktung mit einem neuen großen Partner. Sie beschlossen am Dienstagabend die Aufnahme von Verhandlungen mit der Hochschwarzwald Tourismus GmbH.

Am Ende hoben alle am Ratstisch die rechte Hand. Einstimmigkeit herrschte in der Frage, wie sich Furtwangen künftig touristisch vermarkten soll. Bislang geschah das mit dem Ferienland Schwarzwald, einem Zusammenschluss von Schonach, Schönwald, St. Georgen und Furtwangen. Darin wurden unter anderem die Tourist-Informationen in einer GmbH gebündelt.

Sollte das Ferienland bestehen bleiben, könnte das Deutsche Uhrenmuseum zum Info-Punkt für Touristen werden. Bild: Archiv
Sollte das Ferienland bestehen bleiben, könnte das Deutsche Uhrenmuseum zum Info-Punkt für Touristen werden. Bild: Archiv

Doch das Ferienland befindet sich in der Krise. Nachdem das Gründungsmitglied Triberg mit seinem Zugpferd Wasserfall eigene Wege geht und nachdem auch Unterkirnach nach einem dreijährigen Intermezzo wieder ausgestiegen ist, wird seit längerem eine Reform diskutiert. Vor allem Kosten sollen gespart, aber auch die Zugkraft erhöht werden.

Einen weiteren Schlag erhielt die Tourismusgemeinschaft durch die Nachricht, dass Geschäftsführer Julian Schmitz zum Jahresende seine Tätigkeit nach über fünf Jahren beendet.

Nach zwei Klausurtagungen, so berichtete Bürgermeister Josef Herdner, kristallisierten sich zwei Möglichkeiten heraus. Eine Möglichkeit wäre, das Ferienland 2.0 zu schaffen, in der man sich wieder auf seine ureigensten Aufgaben wie Marketing, Vertrieb und Imageverbeserung konzentrieren wolle.

Die andere Alternative ist der Einstieg in die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG). Ihr gehören derzeit 16 Gemeinden mit 20 Tourist-Infos an (siehe Erklärtext unten).

„Wir müssen was machen und im Hinblick auf die Kosten Strukturen ändern“, so Herdner. Sollte das Ferienland als 2.0 bestehen bleiben, seien Personalreduzierungen in den Tourist-Infos vorgesehen. Dafür solle ein Info-Punkt im Uhrenmuseum eingerichtet werden. Einmal in der Woche soll es auch einen Beratungstermin für Vermieter und Gäste geben.

„Finanziell halten sich die HTG als auch die neue Organisationsstruktur des Ferienlandes 2.0 die Waage“, so Herdner. Aufgrund der Größe und finanziellen Ausstattung liege der Vorteil der HTG allerdings darin, dass eine „viel stärkere Marktdurchdringung“ gegeben sei und damit ein größerer Personenkreis auf die Region aufmerksam gemacht wird. Außerdem erfolge eine klare Verortung der Marke Hochschwarzwald im Gegensatz zur Marke Ferienland.

„Wenn wir im Ferienland bleiben, müssen wir uns klar sein, dass nur noch vier Kommunen übrig sind, von denen eine wackelt“, erklärte Axel Weber im Namen der CDU-Fraktion. Christan Wörpel, Bürgermeister in Schönwald, hatte erst vor wenigen Tagen gesagt, er tendiere ebenfalls zur HTG. Auf der anderen Seite bestehe in seiner Fraktion auch die Sorge, dass Furtwangen in der weitaus größeren HTG untergeht.

„Mit der HTG würden wir endlich weg vom Begriff 'Ferienland' kommen“, sagte FW-Fraktionssprecher Rainer Jung. Dieser Begriff sage wenig aus. Jung störte sich daran, dass von rund 500 stimmberechtigten Mitgliedern des Ferienland-Vereins bei der Hauptversammlung nur rund ein Sechstel anwesend war. „Damit sind wir ziemlich frei in unserer Entscheidung“, so Jung.

„Auf uns hat die Vorstellung der HTG bei der Versammlung einen professionellen Eindruck gemacht“, sagte Heinz Guhl (SPD). Vom Titel Ferienland halte er nicht viel, „das kann auch in der Lüneburger Heide sein. Die HTG bringt uns dagegen mehr Verortung“.

Ulrich Mescheder (UL) berichtete, dass sich seine Fraktion die Frage gestellt habe, was bei der HTG die Kosten für die Vermarktung wie den Bike-Marathon seien. „Diese Details müssten dann ausgehandelt werden“, erwiderte Josef Herdner.

Wie der Bike-Marathon künftig vermarktet wird, müsste noch verhandelt werden.
Wie der Bike-Marathon künftig vermarktet wird, müsste noch verhandelt werden. | Bild: Michael Kienzler

Der Schultes formulierte den Beschlussvorschlag. In dem heißt es, dass der Gemeinderat Verhandlungen mit der HTG aufnehmen soll. Ziel soll die Kooperation sein. Die Vertragsdauer solle vorerst fünf Jahre betrage. Der Gemeinderat werde über den Stand der Verhandlungen informiert und schlußendlich auch die Entscheidung treffen. Das fand einmütige Zustimmung.

20 Tourist-Informationen, 16 Kommunen, rund 100 Mitarbeiter

  • Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH wurde am 2. Oktober 2008 als Zusammenschluss der zehn Orte Breitnau, Eisenbach, Feldberg, Friedenweiler, Hinterzarten, Lenzkirch, Löffingen, Schluchsee, St. Märgen und Titisee-Neustadt gegründet.
  • Entstanden ist die Gesellschaft aus einem Zweckverband, der anlässlich des Baus des Badeparadieses Schwarzwald in Titisee-Neustadt ins Leben gerufen wurde.
  • In den folgenden Jahren wurde das Gebiet um die Orte St. Peter, St. Blasien, Häusern, Rothauser Land (bestehend aus den Gemeinden Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf), die Bergwelt Todtnau und Todtmoos erweitert. Damit umfasst das Unternehmen heute 16 Orte mit rund 62 000 Einwohnern.
  • Insgesamt gehören 20 Tourist-Informationen zur Hochschwarzwald Tourismus GmbH, die rund 100 Mitarbeiter beschäftigt und ihren Sitz in Hinterzarten hat.
  • Geographisch gesehen erstreckt sich das Gebiet der Hochschwarzwald Tourismus GmbH über eine Fläche von rund 810 Quadratkilometern. Damit ist das Gebiet flächenmäßig größer als die Stadt Hamburg.
  • Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH als zentrale Tourismusorganisation ist gleichzeitig Träger der kooperativen Aufgaben der Destination Hochschwarzwald. Sie fasst die Gastgeber und Leistungsträger der Region zusammen und profiliert sie unter der gemeinsamen Marke Hochschwarzwald auf nationalem und internationalem Markt.