Ein festliches Neujahrskonzert mit Musik für Orgel und Bläserquintett wurde in der StadtpfarrkircheSt. Cyriak geboten. Barocke bis aktuelle Werke waren ideenreicher Hintergrund des Programms. Der hiesige Kantor und Organist Frank Rieger und das Ensemble Neobrass schienen bestens vorbereitet, um Originale und Bearbeitungen mit einigen heiteren und ernsten Akzenten zu bieten.

Eine Weinprobe zelebrierte Rieger an der Klais-Orgel: die „CaliforniaWine Suite“ des Organisten und Carillon-Spielers Hans Uwe Hielscher, inspiriert durch einem Kalifornienaufenthalt. Der Komponist verlieh dem Rebensaft musikalischen Inhalt, der aus hervorragender Registrierung des Interpreten lebte. Fantasievoll kam der fröhliche, amerikanisch-jazzig gefärbte, mit leichtem Torkeln in chromatischen Linien versehene „Cabernet Sauvignon“ mit rundem Abgang herüber. Ein kräftiger Roter wurde mit „Napa Gamay“ in französischer Stimmung und nasalen Registern serviert, aus tiefem Keller belebend emporsteigend. Bei Musette-Klang wurde wiegend der „Zinfandel“ kredenzt, und eine neue Sorte kam mit dem „Petit Sirah“ auf den Tisch, ein scherzhafter, dahineilender Gnomenreigen, wie ein Perpetuum Mobile auf dem Kirmesplatz.

Ein gelungenes Konzert geben Orgel und Neobrass. Das Foto zeigt (von links) Markus Pfundstein (Tuba), Finn Müller (Trompete), die Hornistin Takako Yamanoi, Frank Rieger (Orgel), Rainer Benner (Trompete) und Andreas Spiegelhalder (Posaune).
Ein gelungenes Konzert geben Orgel und Neobrass. Das Foto zeigt (von links) Markus Pfundstein (Tuba), Finn Müller (Trompete), die Hornistin Takako Yamanoi, Frank Rieger (Orgel), Rainer Benner (Trompete) und Andreas Spiegelhalder (Posaune). | Bild: Siegfried Kouba

Gravitätisch in Form des alten Tanzes Pavane war der „Chardonnay“ gehalten; lieblich, opulent, golden funkelnd im Glas. An Widors Toccata erinnerte der „CaliforniaChampagne“, akkordreich, rassig, vollmundig-prickelnd, die ganze Geschmacks- und Orgelskala genießend. Bachs Matthäuspassion erinnert mit „O Haupt voll Blut und Wunden“ an die andere Seite des Lebens. So wurde auch Guy Bovets „Hamburger Totentanz“ zum Gegenstück. Von Improvisationscharakter geprägt, erklang das Werk des Schweizers. Man hörte mit geistigem Ohr diffusen Tanz, Knochengeklapper, Totenglöckchen, letztes Ringen und abrupten Schluss des Spuks. Ferner war von Enrico Pasini ein Cantabile mit liedhaftem Hauptmotiv zu hören.

Ein Arrangement David Hickmans war die „Sonata Saint Mark“ von Albinoni. Neobrass gelang eine herausragende Interpretation mit den königlichen Instrumenten Trompete (Finn Müller und Rainer Benner), der singenden Posaune (Andreas Spiegelhalder), dem wohlklingendem Horn (Takako Yamanoi) sowie der sonor und weich tönenden Tuba (Markus Pfundstein). Erhaben wurde das Grave gestaltet, Zeichen setzte die erste Trompete beim flotten Allegro, festliche Stimmung verbreitete das Andante und mit Energie wurde das lebendige Vivace wiedergegeben. Gegenpol: „Schau dir die armen Leute an“ hieß es mit dem Beatle-Song „Eleanor Rigby“, der weit vom Original entfernt arrangiert wurde, aber mit Jazzparade der Posaune glänzte. Ferner wurde der kesse Banditen-Galopp (Johann Strauß Sohn) mit Knalleffekt musiziert, wobei Geschwindigkeit keine Hexerei war.

Ein lustiger Vogel und Gegner der Romantik war der Franzose Erik Satie. Von ihm erklang die „Gnossienne I“, leicht schelmisch bei arabesker, dunkler Haltung und eleganter, gestopfter Piccolotrompete. Orgel und Neobrass gestalteten Barock pur mit Händels „Alexanderfest“ und überzeugten mit der variationsreichen Fantasie über „Tochter Zion“ und „The Highland Cathedral“ als Zugabe.

Organist Frank Rieger freute sich über das Publikum und wünschte ein gesegnetes Neues Jahr und dankte dem Lions-Club für die Unterstützung. Dessen Vizepräsident Robert Höhnl wies auf die Gründung von 1917 des weltweit agierenden Vereins mit 46 Millionen Mitgliedern hin. Der Club Triberg-Schwarzwald mit seinen 22 Mitgliedern unterstütze finanziell und auch ideell besonders die Bereiche Sehhilfe, sauberes Wasser, Jugend und Kultur.