Furtwangen ehrt damit den „Spitzweg des Schwarzwaldes“. Noch nie war der Andrang bei einer Vernissage zu einer Sonderausstellung so groß.

Alle Festredner gingen auf den malenden Sohn der Quellenstadt ein und dankten allen Beteiligten für das Zustandekommen der Ausstellung. Direktor Eduard Saluz hieß das riesige Auditorium willkommen und bekannte seine spontane Bereitschaft, die Räumlichkeiten der umfangreichen Sammlung bereitzustellen.

Günter Besenfelder als Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins wies auf die Entwicklung des Künstlers hin, der über die Uhrenschildmalerei zum Künstlerberuf kam und dessen Genrebilder nicht wegzudenken seien. Besenfelder dankte Landrat Sven Hinterseh für die Übernahme der Schirmherrschaft und der Familie Staeb für die Exponate aus ihrem Fundus.

Bürgermeister Josef Herdner bekundete Stolz und Dankbarkeit dem Sohn der Stadt, der, obwohl auswärts tätig, die Wurzeln nicht vergaß. Landrat Sven Hinterseh freute sich über das schöne Ereignis, das das Wirken vom Schustersohn bis zum badischen Hofmaler dokumentiere. Die einstige Uhrenschild- und Dekorationsmaler sei gefördert worden und man könne Parallelen zur Gegenwart ziehen, wo es im Kreisgebiet Förderung zur erfolgreichen Berufstätigkeit gebe.

Die Familie Staeb, verwandte Nachkommen des Künstlers, war durch Guido Staeb vertreten, der maßgeblich an der Ausstellung und an dem durch die Sparkasse geförderten Katalog beteiligt war. Er wies auf die äußeren Umstände von badischer Staatsgründung, Hungersnot und Pest sowie die Schmerzen, die den Künstler lebenslang quälten, hin. Angetan im biedermeierlichen Gehrock beglückte Klauspeter Staeb das Publikum unkompliziert mit Gassenhauern des Romantikers Franz Schubert am familieneigenen Klavier.

Hauptreferentin war die Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin des Freiburger Augustinermuseums, Mona Djabbarpour. Die Expertin ging auf Leben und Werk Kirners ein. Geprägt durch Motive des Schwarzwaldes, Anregungen in Rom und Kenntnis von Landschaften war er im Zeitgeist des Biedermeiers verhaftet, verfügte über einen sachlichen Blick, arbeitete hart und widmete sich der Genremalerei, die ausdrücklich der Philosoph Arthur Schopenhauer hervorhob und die die Online-Enzyklopädie Wikipedia knapp als „gemalte Abbildung einer Alltagsszene“ umschreibt.

Der Stil war im niederländischen Barock vertreten und Kirner ist in Münchner oder Karlsruher Sammlungen damit in Berührung gekommen. Er verlegte sich auf einfache Darstellung mit bürgerlicher Sehnsucht von Geborgenheit nach den Napoleonischen Kriegen unter Ausklammerung von Industrialisierung und Verstädterung. Volksszenen sind maßgebend, Ferne wird in den häuslichen Bereich hinein genommen, Unterhaltung sollte nicht zu kurz kommen.

„Der Schweizer Grenadier“ bedeutet für Kirner den Durchbruch. Er griff italienisches Flair auf, wurde mit Preisen ausgezeichnet und zum badischen Hofmaler ernannt. In seiner letzten Schaffensphase kehrte er zur intimen Darstellung zurück und malte die „Eltern in der Stube“. Am 19. November 1866 hauchte er in Furtwangen sein Leben aus.

Die Ausstellung ist bis zum 29. Januar täglich von 10 bis 17 Uhr im Deutschen Uhrenmuseum zu sehen.