Schlechte und gute Nachrichten für diejenigen, die auf einen Breitbandanschluss hoffen. Voraussichtlich um ein Jahr verzögert sich der Ausbau, dafür steigt die Wahrscheinlichkeit, dass möglichst viele Häuser ans Glasfasernetz kommen.

Rainer Jung ist der Kümmerer

Da sitzt er nun im Büro von Bürgermeister Josef Herdner und studiert mit ihm die Trassen des künftigen Glasfasernetzes: Rainer Jung ist der neue Breitband-Manager von Furtwangen. Der „Kümmerer“, wie er gerne scherzhaft genannt wird, hat nun offiziell seine Arbeit aufgenommen, nachdem die Kommunalaufsicht bestätigt hat, dass der Vertrag zwischen der Stadt und Jung rechtmäßig ist. Denn Jung ist auch Gemeinderat und als Ortvorsteher von Neukirch Teil der Gemeindeverwaltung. Kein Problem – so die Aufsichtsbehörde.

Zuschüsse sind der Dreh- und Angelpunkt

Deutschland muss dringend digitalisiert werden und hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Das hat nun auch die Bundesregierung erkannt und ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt. Speziell die „weißen Flecken“ im Bundesgebiet sollen damit beseitigt werden. Bot die Landesregierung bisher Zuschüsse für den Netzausbau bis zu 40 Prozent, schießt der Bund 50 Prozent der förderfähigen Kosten zu. Im Idealfall kommen Kommunen dann auf einen Eigenanteil von lediglich zehn Prozent. Unabhängig von der Ausbauförderung können Planungs- und Beratungskosten vom Bund zu 100 Prozent und bis zu einem Betrag von maximal 50 000 Euro gefördert werden.

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Aufwand ist beträchtlich

Höchst lukrativ also für die Gemeinden. Allerdings müssen aufgrund geänderter Rahmenbedingungen Verzögerungen eingeplant werden. Da das neue Förderprogramm vor allem unterversorgten Gebieten helfen soll, muss dieser Bedarf auch jeweils nachgewiesen werden. Das alles bedeutet Aufwand. Bürgermeister Josef Herdner schätzte bei einem Pressegespräch im Rathaus, dass die Verzögerung mindestens neun Monate beträgt: „Wenn der Winter dann rum ist, ist es ein Jahr, bis die Arbeiten aufgenommen werden können.“

Gute Erfahrungen in Neukirch

Auf die Stadtverwaltung sind durch das Breitbandprojekt hohe zusätzliche zeitliche Belastungen zugekommen. Um das ehrgeizige Großprojekt besser und schneller koordinier zu können, hat sie nun Rainer Jung als Breitbandmanager eingestellt. Jung ist seit 15 Jahren mit seiner Firma Jubera als selbstständiger Wirtschaftsberater unterwegs. Als Ortsvorsteher von Neukirch hat er sich maßgeblich für den Breitband-Ausbau dort eingesetzt und verweist stolz auf eine Haussanschlussquote von 95 Prozent.

Überzeugungsarbeit steht an

Um auch die Hauseigentümer in den anderen Ausbaugebieten vom Nutzen eines Breitbandanschlusses zu überzeugen, wird er einige Überzeugungsarbeit leisten müssen. Er selbst sieht sich als Drehscheibe und Bindeglied zwischen den Bürgern, Firmen und Behörden, er kennt die Materie, die Ansprechpartner und natürlich die Örtlichkeiten.

Der neue Kümmerer ist bereits im Einsatz, ein „Fulltime-Job“, wie er selbst sagt. Sorgen machen ihm und Herdner weniger die weißen als vielmehr die gelben Flecken im offiziellen Breitbandatlas. So gebe es in Furtwangen Straßen, in denen offiziell Breitbandkabel von kommerziellen Anbietern liegen, aber für manche kaum nutzbar seien. Die Behörden zu überzeugen, dass auch in diesen Gegenden Zuschussbedarf besteht, ist eine der Aufgaben, denen sich Jung stellen will.