Das Werk stammt aus dem französischen Hause Léon Hatot, einem berühmten Uhrenhersteller. Datiert wird die ATO um 1955. Mit ihr ist eine Station der Uhrenentwicklung verbunden, die unter dem Motto „Klein aber oho – der Transistor“ vorgestellt wird.

Léon Hatot (1883-1953) studierte an der Uhrmacherschule in Besancon. 1905 eröffnete er ein Fachgeschäft für Uhrengehäuse aus Edelmetallen. 1911 kaufte er die Pariser Firma Bredillard auf und beschäftigte sich mit der Herstellung batteriebetriebener Uhren. Maßgeblich war sein Beitrag zur Produktion selbstaufziehender Armbanduhren und kleiner elektrischer Uhren. Elektromagnetisch angetriebene Pendeluhren gab es zwar schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie führten aber ein Schattendasein.

Präziser erschienen Anfang der 1950er-Jahre neuartige Transistoren. 1953 konnte Hatots Firma ein Patent für rein elektronisch gesteuerte Uhren anmelden. Ein Resultat ist die ausgestellte Wanduhr ATO mit elektromagnetischem Antrieb. Die Forschung des Museumsdirektors Eduard C. Saluz ergab, dass in den 1940er-Jahren in den USA der Transistor erfunden wurde und damit den technischen Wandel revolutionierte mit Einzug in die Radio- oder Computertechnik und Herstellung von Zeitmessern.

Eine solche Wanduhr mit elektromagnetischem Antrieb ist das Objekt des Monats.
Eine solche Wanduhr mit elektromagnetischem Antrieb ist das Objekt des Monats. | Bild: Deutsches Uhrenmuseum

Auf den Plan wurden die Ingenieure Marius Lavet und Jacques Dietsch der Firma Hatot gerufen, die mehrere elektromagnetische Uhren mit Transistorsteuerung beim Patentamt anmeldeten. Neben Pendeluhren wurden auch Unruh-Werke mit dieser Erfindung ausgestattet. Die Firma Hatot verlegte sich aber mehr auf Vergabe von Lizenzen, die auch von deutschen Fabriken, wie Junghans, gekauft wurden. Hatot existiert noch als Teil der Swatch Group.

Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg schritt weiter voran und so entwarf der französische Uhrenhersteller Leroy einen Marinechronometer mit elektromagnetischem Antrieb und Transistorsteuerung und erhielt von Hatot die Lizenz dazu.

„Der Chronostat“, schreibt das Museum, „kombinierte traditionelles Uhrmacherkönnen mit Elektronik. Eine herkömmliche Bimetall-Präzisionsunruh mit Ausgleichsgewichten wurde durch elektromagnetische Impulse angetrieben. Neben dem Transistor für die Ansteuerung der Antriebsspule gab es noch einen zweiten, der ein Steuersignal für externe Verwendung erzeugte.“

Der Chronostat konnte als Hauptuhr eingesetzt werden. Auch in Deutschland baute die Firma Junghans bereits in den 1930er-Jahren unter der Hatot-Lizenz ATO-Uhren. 1961 glänzten die Schramberger mit dem elektromagnetischen Armbanduhrwerk J100 mit Transistorsteuerung. Das hat sich am Handgelenk aber offenbar nicht bewährt, obwohl es als Modell des Raumfahrt-Zeitalters gepriesen wurde.

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