Feldkreuze und Bildstöcke sind Kulturdenkmäler, die es gilt zu erhalten. Doch auch Erinnerungskreuze wie das Russenkreuz in Friedenweiler sind es wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Dieses Kreuz gegenüber dem Klosterweiher im Wald erinnert an ein Massensterben im Jahr 1813. Hunderte an Typhus erkrankte russische Soldaten starben an dieser Infektionskrankheit.

Diese Soldaten waren im Klostergebäude Friedenweiler im Dezember 1813 einquartiert worden, wie Hans Otto Mühleisen im Klosterführer aus dem Jahr 2004 beschreibt.

Das Kloster war zu diesem Zeitpunkt ein Spital. Es waren vor allem russische Soldaten, aber auch preußische Gardisten, welche hier untergebracht waren. Sie brachten die Seuche Typhus mit, welche sich auch schnell über den Ort und die Region ausbreitete. Hauptsächlich zogen Russen und Preußen durch den Südwesten, um – nach dem Vertrag von Kalisch 1813 – gegen Napoleon in den Befreiungskrieg zu ziehen. Während heute die Infektionskrankheit durch Antibiotika behandelt werden kann und nur noch in den Entwicklungsländern ein großes Problem darstellt, war die Situation im 19. Jahrhundert völlig anders. Im Südwesten war Typhus überdurchschnittlich stark verbreitet. Das Russenkreuz erinnert heute an Hunderte von Typhusopfern, die hier in einem Massengrab beerdigt wurden.

Schuld waren die miserablen hygienischen Verhältnisse. So gab es im Klosterspital auch viel zu wenig Stroh für die Betten. Das wenige Geld und die somit erforderlichen Sparmaßnahmen waren nicht gerade einer Gesundung zugetan. Ansteckung war vorprogrammiert.

Doch es waren nicht nur die Soldaten, auch das Arbeiterelend im 19. Jahrhundert begünstigte die Ausbreitung von Typhus und Cholera, die ganze Siedlungen hinwegrafften. So kann man bei Heimatforscher Emil Ketterer lesen, dass Muchen bei Unadingen letztmalig 1519 nach einer Pestepidemie von der Landkarte verschwand. Das Dorf Unadingen selbst zählte 1620 355 Leibeigene, 1652 war die Zahl auf 180 gesunken.