Emotionen sind keine Seltenheit, auch nicht im Donaueschinger Gemeinderat. Da wird gescherzt, gelacht und auch mal gestritten – natürlich nur in der Sache und sehr selten persönlich. Tränen sind eine Rarität. Aber spätestens als Michael Blaurock die Stimme brach, hatten selbst hart gesottene Kommunalpolitiker einen Kloß im Hals.

Es war auch eine schwere Aufgabe für den Grünen-Fraktionssprecher: Er musste nach Jahrzehnten seinen Stellvertreter, Fraktionskollegen und vor allem Weggefährten verabschieden: denn Christian Kaiser hört nach 28 Jahren als Stadtrat auf. Und obwohl Kaiser darum gebeten hatte, nicht zu viel Aufhebens um sein Ausscheiden zu machen und schon gar keine großes Lobeshymnen anzustimmen, wurde es doch ein ganz großer Abschied.

Nicht, dass Michael Blaurock oder OB Erik Pauly endlos die Leistungen und das Engagement von Kaiser aufgezählt hätten. Nein, sie respektierten den Wunsch des Grünen-Urgesteins, das mit der Politik seiner Partei nichts mehr anfangen kann. Sie würdigten Kaiser als Mensch.

So kennen die Donaueschinger Christian Kaiser: Der Grünen-Stadtrat ist oft mit dem Fahrrad unterwegs.
So kennen die Donaueschinger Christian Kaiser: Der Grünen-Stadtrat ist oft mit dem Fahrrad unterwegs. | Bild: Jakober, Stephanie

„Es ist ein wirklicher Verlust, Donaueschingen verliert einen klaren Kopf“, sagte OB Erik Pauly. Kaiser sei kein Ideologe, sondern immer seinem Gewissen gefolgt. Klar, kritisch und konstruktiv. Und mit einem kühlen Kopf. „Er hat uns mit seiner Erfahrung oft den richtigen Weg aufgezeigt.“ Kaiser habe sich von guten Argumenten überzeugen lassen, er habe aber auch immer gute Argumente gehabt, um andere zu überzeugen.

Für die Grünen-Fraktion habe sich das Ausscheiden von Kaiser schon lange abgezeichnet „Aber keiner in der Fraktion hat geglaubt, dass es die Landes- und Bundespolitik schafft, bei ihm so viel Verdruss zu erzeugen und ihn so zu bedrücken, dass er alle Ämter aufgibt“, sagte Blaurock.

„Es ist Christian Kaiser zu verdanken, dass aus dem Dagegen ein Dafür wurde.“
Michael Blaurock, Grünen-Fraktionssprecher

Der Fraktionssprecher dachte an die Anfänge der Partei zurück, als die Grünen „mehr dagegen, als dafür“ waren. So habe es beispielsweise für viel Verdruss in der Verwaltung gesorgt, wenn die Fraktion den Haushalt abgelehnt hatte. „Es ist Christian Kaiser zu verdanken, dass aus dem Dagegen ein Dafür wurde.“

Das Herz von Christian Kaiser schlug immer für die Kommunalpolitik, Stuttgart und Berlin haben ihn nie gereizt. „Kommunalpolitik ist direkt, hat einen Bezug, ist bodenständig und man bekommt eine Rückmeldung, was man beschlossen hat“, sagt Kaiser.

„Es war nie meine Vorstellung, dass wir von einem Sieg zum anderen laufen.“
Christian Kaiser, Stadt- und Kreisrat

In all der Zeit habe es viele Hürden und Tiefen gegeben. „Es war nicht immer einfach: für das Gesamtgremium nicht, aber für uns als grüne Fraktion auch nicht.“ Für ihn sei das nie ein Problem gewesen: „Man muss auch Niederlagen hinnehmen und manchmal brauchte es lange Diskussionen. Es war nie meine Vorstellung, dass wir von einem Sieg zum anderen laufen.“ Aber verlieren sei leichter, wenn der Weg dorthin fair war und die anderen die besseren Argumente gehabt haben.

Und auch, wenn Ideologien nie seins gewesen seien und er immer den Fokus auf die Kommunalpolitik gelegt habe, die Landes-, Bundes- und Europapolitik spiele auch für Parteimitglieder immer eine Rolle. Lange habe er die Grünen-Politik mittragen können, doch in der vergangenen Jahren sei es zu einer Entfremdung gekommen. Zuerst waren da nur einzelne Themen, wo er nicht einverstanden war. Doch diese einzelnen Themen wurden zu ganzen Themenbereichen. „Ich habe immer weniger verstanden, warum einzelne Sachen so laufen, wie sie laufen.“

Der Frieden ist für Kaiser das Wichtigste

Die Rechtfertigung, dass er ja nur Kommunalpolitik mache und das beste für die Menschen in Donaueschingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis wolle, habe irgendwann nicht mehr gereicht. Die Arbeit, die vielen Sitzungen und das Engagement hätte er nicht gescheut, aber die Rahmenbedingungen würden einfach nicht mehr passen. „Das Wichtigste ist: Der innere und äußere Frieden müssen erhalten bleiben, sonst sieht es ganz schlimm aus.“

Und so ging Christian Kaiser ein letztes Mal zu seinem Platz zurück, auf dem er so lange gesessen hat. Eine lange Umarmung mit Michael Blaurock und dann nahm er seinen Rucksack und gleichzeitig Abschied von der Politik.

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