Es gab Zeiten, da wurde der Donaueschinger Wald als kommunale Sparkasse bezeichnet. Schließlich gehen Einnahmen aus dem Forst eins zu eins in die Stadtkasse. Doch mit den Einnahmen ist das so eine Sache, wenn der Wald leidet. Trockenheit und der Borkenkäfer machen ihm zu schaffen und wenn dann noch zwei Stürme wie Sabine und Bianca über den Wald hinwegfegen, dann macht es die Sache für Virginia Lorek, Leiterin der Betriebsstelle Baar, und ihrem Kollegen Michael Mayer zu einer noch größeren Herausforderung.

Denn in solchen Situationen funktioniert nichts mehr nach Plan. Beispielsweise sollen jährlich 18.500 Festmeter Holz geschlagen werden. Das passiert eigentlich nicht ohne vorherige Überlegungen: Wo ist es sinnvoll? Wo muss der Wald gepflegt werden? Welches Holz eignet sich für den Verkauf? Wenn allerdings in einem Jahr schon 17.000 Festmeter Sturmholz, dessen Aufarbeitung schwierig und vor allem auch gefährlich ist, anfallen, dann bleibt nicht mehr viel Spielraum, um die Pläne umzusetzen. Und wenn man auf den Kreis schaut, ist es noch schlimmer: „Der Schwarzwald-Baar-Kreis hat insgesamt 350.000 Festmeter Sturmholz. Das ist 1,5 mal so viel, wie als Jahreseinschlag geplant war“, sagt Lorek und fügt hinzu: „Das sind enorm große Sturmholzmengen, die auf uns eingeprasselt sind.“

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Hinzu kommt das Käferholz: 5000 Festmeter sind es bislang und die Förster sind zum Teil schon auf ihrer dritten Runde durch den Wal. „Der Borkenkäfer – er fliegt und er beschäftigt uns“, sagt Lorek. Wo er als nächstes auftaucht, könne man nie sagen. Mal sind es ganz neue Flächen, mal dort, wo er schon bekämpft wurde.

Und dann ist da noch die Trockenheit

„Wir brauchen Regen, Regen, Regen und weniger Hitze“, sagt Lorek und ihre Kollege Mayer fügt hinzu: „Alle Baumarten leiden am trockenen Wetter, auch die Buche auf der Länge.“ Das Ziel, um den Donaueschinger Wald gegen den Klimawandel beständig zu machen? „Wir arbeiten auf einen Tante-Emma-Laden hin, dass wir alle Baumarten in unserem Forst finden.“ Doch so einfach wie bei einem Unternehmen, dessen Produkt nicht mehr funktioniert, ist es beim Forst nicht. Während ein Betrieb seine Produktion einfach umstellen kann, wird im Forst in Jahrhunderten gedacht. Schließlich müssen kleine Setzlinge erst wachsen, bis sie zu großen, starken Bäumen werden.

Neue Pflanzungen gehen ohne Wasser ein

Doch die Umwandlung in Mischbestände, die forciert wird, um den Wald klimafest zu machen, wird bereits durch das aktuelle Klima behindert. „Bei so einer Dürre, wie wir sie in den vergangenen drei Jahren hatten, brauchen wir darüber nicht reden“, erklärt Mayer. Ja, es wird gepflanzt. Aber jeder kenne es aus seinem Garten: Nicht alles, was eingegraben wird, gedeiht auch anschließend wie geplant. „Die Pflanzungen sind zwar gut angewachsen, aber wenn es noch lange trocken bleibt, fallen die uns noch aus.“ Es schmerzt das Herz von Mayer, wenn erst gepflanzt wird, und er dann sieht, wie die Pflanzen kaputt gehen.

„Nun können wir rechnen wie wir wollen, es gibt keine schwarzen Zahlen.“
Severin Graf, Bürgermeister

Bürgermeister Severin Graf sieht das auch so: „Die Lage im Wald ist so ernst, wie schon lange nicht mehr.“ Doch es wären äußere Faktoren, die die Stadt nicht beeinflussen könne – weder Wetter noch Käfer. „Es hat ein Ausmaß erreicht, das wir in den vergangenen Jahren nicht erlebt haben“, sagt Graf und fügt hinzu: „Früher waren wir gewohnt, aus dem Wald Geld rauszuholen. Nun können wir rechnen wie wir wollen, es gibt keine schwarzen Zahlen.“

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