Im Arbeitsleben ankommen, neue Kollegen kennenlernen, viel Lernstoff und Praxiserfahrung aufnehmen: Vor zirka einem Monat, am 1. September, hat für viele Jugendliche im Städtedreieck ein neuer Lebensabschnitt begonnen, denn sie haben ein Berufsausbildung angefangen.

Doch wie sieht es auf dem örtlichen Ausbildungsmarkt aus – konnten alle Lehrstellen besetzt werden? Gibt es noch Chancen für Nachzügler? Und sind die Vorurteile von sogenannten Männer- und Frauenberufen wirklich wahr? Hier kommt der aktuelle Stand in verschiedenen Ausbildungsbetrieben rund um Donaueschingen.

IMS Gear

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind 37 junge Menschen bei IMS Gear ins Berufsleben durchgestartet. „Im Ausbildungsjahr 2021 konnten wir 29 neue Azubis und Studenten bei uns begrüßen, 2020 waren es 38“, erklärt Claudia Abele, Leiterin Personalentwicklung bei IMS Gear.

„Trotz Faktoren wie der demographischen Entwicklung und Corona konnten wir ursprünglich auch dieses Jahr, ebenso wie in den Vorjahren, alle Ausbildungs- und Studienplätze mit geeigneten Bewerbern besetzen“, sagt Abele.

Leider seien dem Standort in Donaueschingen buchstäblich in letzter Sekunde zwei angehende Azubis abgesprungen. Letztlich blieben daher jeweils eine Ausbildungsstelle für Verfahrensmechaniker sowie Maschinen- und Anlagenführer unbesetzt. Doch IMS Gear werde die sehr kurzfristig frei gewordenen Ausbildungsplätze nicht mehr besetzen.

„Insgesamt bildet IMS Gear im kaufmännischen und insbesondere technischen Bereich derzeit rund 200 Jugendliche in zwölf ...
„Insgesamt bildet IMS Gear im kaufmännischen und insbesondere technischen Bereich derzeit rund 200 Jugendliche in zwölf Ausbildungsberufen und Studiengängen aus, rund 60 davon an unseren internationalen Standorten in den USA, Mexiko und China“, sagt Claudia Abele, Leiterin Personalentwicklung bei IMS Gear. | Bild: IMS Gear

Die Corona-Situation habe übrigens kaum noch Auswirkungen auf die Ausbildung selbst, erläutert Abele.

„Allerdings hat sich im Bereich der beruflichen Orientierung ein Corona-bedingter Engpass bis in die erste Jahreshälfte 2022 hinein sehr deutlich ausgeprägt: Informationsangebote wie Praktika und Firmenbesuche, die auf den persönlichen Austausch setzen und Jugendlichen authentische Einblicke in die Unternehmenspraxis vermitteln, kamen zwangsläufig zu kurz“, erklärt Abele.

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Energiedienst

„Es haben vier männliche Auszubildende am 1. September in Donaueschingen angefangen“, sagt Melinda Fiechter, Pressesprecherin des Energiedienstes. Im Vorjahr hatten dort zwei Azubis im September die Ausbildung begonnen.

„Die meisten Azubis in technischen Ausbildungen bei uns in Donaueschingen sind männlich. Es gibt aber auch immer wieder junge Frauen, die ihre technische Ausbildung bei uns absolvieren“, erklärt Fiechter.

Für 2022 seien beim Energiedienst alle offenen Ausbildungsstellen besetzt. „Auch für nächstes Jahr sind in Donaueschingen keine Ausbildungsstellen mehr frei.“ In den vergangenen 15 Jahren habe kein Auszubildender in Donaueschingen die Lehre abgebrochen, sagt sie.

Mall GmbH

„Bei uns haben drei Auszubildende begonnen – zwei Industriekaufleute sowie ein Beton- und Stahlbetonbauer“, sagt Christiane Scheib, Pressesprecherin der Firma Mall aus Pfohren. Die Zahlen seien mit den vergangenen Jahren vergleichbar.

„Bei den Beton- und Stahlbetonbauern ist es so, dass wir sehr gerne mehr Nachwuchskräfte einstellen würden“, so Scheib. Ein bis zwei Auszubildende zum Beton- und Stahlbetonbauer würde das Unternehmen deshalb gerne noch nehmen.

Ob das Klischee stimmt, dass in Technik und Industrie vermehrt Männer ihre Ausbildung beginnen? „Betrachtet man die Ausbildungsberufe, die wir anbieten, dann ist es eine Tatsache, denn tatsächlich hatten wir in den technischen Ausbildungsberufen bisher bis auf eine Ausnahme nur männliche Kollegen.“

Doch in den anderen Berufen sehe dies ganz anders aus. Schließlich gebe ja ganz unterschiedliche Aufgabengebiete, sagt Scheib.

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Pflege-Fachschule

Für die Pflegeberufe wird es auch ernst: In der Pflege-Fachschule Donaueschingen ist der Ausbildungsstart jeweils am 1. Oktober eines Jahres. „Dort werden rund 30 Auszubildende im Kurs Pflegefachmann und 25 Altenpflegehelfer starten“, erklärt Thomas Meier, Pressesprecher des Caritasverbandes der Erzdiözese Freiburg.

Und beginnen hier mehr Frauen, wie allgemein angenommen? „Da handelt es sich nicht um ein Vorurteil, sondern um eine statistische Realität: 85 Prozent der Auszubildenden in der Pflege sind weiblich.“

In der Donaueschinger Fachschule seien alle Schulplätze vergeben. „Dabei liegt die Abbruchquote zwischen zehn und fünfzehn Prozent“, so Meier weiter. Und das, obwohl viele der Auszubildenden bereits ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht haben, um das Arbeitsfeld kennenzulernen.

„Die Anerkennung und Wertschätzung durch die Pflegebedürftigen und deren Angehörigen ist hoch, der Beruf wird als sinnstiftend erlebt“, weiß Meier von der Motivation der Auszubildenden.

Die exzellente Arbeitsmarktlage für Pflegekräfte und vielfältigen Aufstiegschancen über Weiterbildungen seien weitere wichtige Parameter, die den laut Meier den Beruf attraktiv machen. Zudem sei der Beruf anspruchsvoll und abwechslungsreich, die komplexen Pflegesituationen habe wenig mit den landläufigen Vorurteilen von „Wickeln und Füttern“ zu tun, erklärt der Pressesprecher.

Schwarzwald-Augenklinik

Und dann gibt es unter den Berufen auch sehr spezifische, die landläufig auch eher weniger bekannt sind. Für solch einen hat sich Dilara Gagliardi entschieden. Sie hat im September mit der Ausbildung als Medizinische Fachangestellte in der Schwarzwald-Augenklinik begonnen.

Die Hüfingerin Dilara Gagliardi hat im September ihre Ausbildung im medizinischen Bereich begonnen.
Die Hüfingerin Dilara Gagliardi hat im September ihre Ausbildung im medizinischen Bereich begonnen. | Bild: Hannah Schedler

„Ich interessiere mich sehr für den medizinischen Beruf“, erklärt die 17-Jährige. Ihre Tante arbeite ebenfalls im medizinischen Bereich. So sei die Entscheidung schnell getroffen gewesen, sagt die Hüfingerin.

Sie habe sich für eine Spezialisierung im Augen-Bereich entschieden, da sie dieses sehr interessant findet: „Das Auge spielt eine wichtige Rolle im Leben.“ Von ihrer dreijährigen Ausbildung erhofft sie sich, dass sie mehr über Menschen lerne und diesen ebenfalls helfen könne.