Sorgte der Sommer für so etwas wie Unbeschwertheit, ist diese spätestens seit November und Dezember wieder verflogen. Konnten Händler in den warmen Monaten fast so etwas wie Normalität feststellen, sorgt der abermalige Lockdown nun wieder für Flaute in den Kassen. Vorerst bis Ende Januar sollen die Geschäfte geschlossen bleiben; Abholungen sind jedoch wieder möglich.

Wie geht es in dieser außergewöhnlichen Situation den Donaueschinger Händlern? Je nach Branche ergeben sich aus der Natur der Sache nämlich durchaus unterschiedliche Schwierigkeiten. Können die einen weiter ihren Geschäften einigermaßen nachgehen, sieht es für andere düster aus.

Inhaberin Sarah Breinlinger vom Juweliergeschäft Mardorf. Hier wird wieder repariert.
Inhaberin Sarah Breinlinger vom Juweliergeschäft Mardorf. Hier wird wieder repariert. | Bild: Wursthorn, Jens

Reparatur-Service läuft wieder

Beim Juwelier Mardorf wird gerade Inventur gemacht. Eine Sache, die eigentlich mal neben dem üblichen Geschäft erledigt werden muss, weiß Inhaberin Sarah Breinlinger: „Das bietet sich gerade an. Wir haben Zeit.“ Das Geschäft musste auch Kurzarbeit anmelden: „Das geht gar nicht anders“, sagt Breinlinger. Sie ist froh, dass schon bald wieder der Reparatur-Service für die Kunden angeboten werden kann. „Es ist für uns sehr wichtig, dass der Kunde wieder zu uns kommen kann. Das macht uns aus und sorgt auch für eine Abgrenzung vom Internet. So einen Service kann man dort nicht bieten“, erklärt die Inhaberin. Immer donnerstags von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr können Kunden sich wieder über eine Funkklingel am Geschäft bemerkbar machen. „Die Abholung findet dann trotzdem weiter außerhalb der Räumlichkeiten statt. Der Kunde darf nicht ins Geschäft.“ In den Flur wird ein Tisch mit Plexiglasscheibe gestellt, sodass alle geschützt sind. Dort ist dann der Abholpunkt.

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Bestellung funktionierte elektronisch

Bislang wurde der Bestellvorgang auf elektronischem Wege geregelt: „Kunden haben sich die Ware im Fenster angeschaut oder mir per E-Mail ein Bild zukommen lassen, daraufhin wurde die entsprechende Ware verschickt.“ Aber hat das ausgereicht, um den eigentlich großen Gewinn-Batzen über die Weihnachtsfeiertage auszugleichen? „Das wiegt das nicht auf“, sagt Breinlinger. Aber ob es sich aus finanzieller Sicht gelohnt habe oder nicht: „Wir machen das für unsere Kunden. Die Bindung zu ihnen ist wichtig. Wir müssen uns jene erhalten, die extra zu uns kommen.“

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Das Überbrückungsgeld

Und wie sieht es mit den staatlichen Überbrückungsgeldern aus, die zur Hilfe überwiesen werden sollen? „Beim ersten Lockdown war sehr schnell Hilfe da. Als es gebraucht wurde, war es da. Mit Stand heute werde ich es wieder beantragen“, so Breinlinger. Sie habe schon zuvor damit gerechnet, dass nicht alles am 11. Januar wieder sofort öffnen werden darf, „aber ein kleines Fünkchen Hoffnung war halt doch da.“

Weihnachten wurde genommen

Eine „total schwierige Situation“ sieht Patrick Schmoll. Der Vorsitzende des Donaueschinger Gewerbevereins hatte im ersten Lockdown sechs Wochen keine Umsätze. Im Spätsommer zeichnete sich wieder ein Weg in die Normalität ab, dann fuhr im November wieder alles runter. „Das komplette Weihnachtsgeschäft wurde uns genommen“, sagt der Geschäftsführer von Herrenmode Schmoll in der Karlstraße. Lieferungen, wie in anderen Branchen, seien in der Mode nur schwer machbar: „Ein Hemd zu bestellen ist nun mal schwieriger, als ein Buch zu bestellen. Das ist ein spezielles Problem der Herrenmode.“ Wie fällt das Hemd von der Größe aus? Passt es? Fühlt es sich bequem an? Viele Fragen, die schwer über eine Bestellung zu lösen seien. „Der Seeräuber-Legokasten ist da eben einfacher.“ Per Bestellung den Einkauf zu regeln sei für das Geschäft hauptsächlich, „um sich zu zeigen.“

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Es wird erst noch richtig schwierig

Die wirklichen Probleme sieht Schmoll erst noch kommen: „Die gibt es mit den Warenlagern. Der Handel sitzt auf Warenbergen.“ Die neuen Kollektionen werden schon Monate zuvor bestellt. Durch den brachliegenden Verkauf sind die Lager gefüllt. Das Geld für die Bezahlung der kommenden Kollektion fehlt: „Es wurde gar nicht generiert, um die Waren zu bezahlen.“ Die Wintersaison zu verkraften, das werde dauern. Schmoll selbst habe ein Darlehen aufgenommen, um die Frühjahrskollektion stemmen zu können. „Die Politik muss sich was einfallen lassen. Wir brauchen eine ähnliche Hilfe wie die Gastronomie.“ Hier fühlt Schmoll sich allein gelassen: „Die Dezember-Hilfe habe ich beantragt, gekommen ist noch nichts.“

„Es muss etwas geschehen“

Die Situation koste den Betrieb richtig Energie: „Es muss etwas geschehen, sonst gibt es in der Bundesrepublik eine große Katastrophe.“ Hatte man im Sommer noch Glück mit den Touristen, sei auch dieses Geschäft später komplett weggefallen. So etwa die Schweizer, die üblicherweise kommen. Auch der Verkauf von Anzügen sei komplett weggebrochen: „Es gibt keine Messen, keine Abibälle, keine Tänze und runde Geburtstagsfeiern. Komplette Warenchargen gehen den Bach hinab.“

Schnell wieder Normalität

Das Problem sieht Schmoll nicht nur auf seine Geschäfte bezogen, sondern auch aus der Sicht eines Bürgers der Stadt: „Ich will eine funktionierende Stadt. Aber die Landschaft verändert sich ganz brutal. Das Wasser steht ganz oben. Zwar profitieren manche Branchen, aber in Summe bringt es jede Stadt in Schwierigkeiten, wenn ein Drittel der Geschäfte weg ist. Das ist furchtbar.“ Der Geschäftsführer hofft, dass schnell wieder Normalität einkehrt.

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Bei Intersport Denzer werden Bestellungen ausgeliefert. Geschäftsführerin Katja Denzer-Krause begrüßt jedoch die Möglichkeit von Abholungen: „Das ist sinnvoll und für unseren Ablauf besser. Momentan fährt mein Vater vorbei und bringt die Ware“, erklärt sie. Da die Menschen vielen Wintersportarten im Lockdown nachgehen können, gibt es damit auch ein gewisses Geschäft: „Im Bereich der Langlauf-Ski ist das so.“ Nachfragen seien da, die Umstände, in denen alles abgewickelt werde, jedoch anders. Denzer-Krause hat die Hoffnung, dass sich die aktuellen Umstände im Januar wieder ins Positive verändern. Den Warenstau bekommt auch sie zu spüren: „In unserem Modebereich in Hüfingen ist alles voll mit Winterware. Bald kommt die Frühjahrsware und muss bezahlt werden.“