Der Stichtag ist immer der 1. September. Gewiss noch im Zeichen der Krise wird das Ausbildungsjahr beginnen. Doch Krise muss nicht Sorge heißen: Bei den Firmen steht der Fachkräftenachwuchs hoch im Kurs. Und Weitsicht hat Konjunktur. Wie bei Bromberger Packungen. Die Verträge für den Ausbildungsstart 2020 sind abgeschlossen, zwei junge Leute verstärken das Team.

Blick geht schon ins nächste Jahr

Aber der Blick gehe schon aufs nächste Jahr, sagt der Kaufmännische Geschäftsführer Joachim Werner. „Wir sind immer an qualitativem Nachwuchs interessiert.“ Das gelinge am besten, indem man selbst ausbilde. Das bedeutet, dass im nächsten Jahr in allen Bereichen Azubis kommen werden; im kaufmännischen Sektor ebenso als Medien- und Packmitteltechnologe.

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„Wir finden keine Auszubildenden mehr“, bedauert Martina Holwegler. Die Chefin muss lange überlegen, wann bei der Metzgerei Holwegler der letzte Metzgerlehrling ausgebildet wurde. „Das ist schon ein paar Jahre her.“ Besser laufe es beim weiblichen Nachwuchs im Verkauf. Das Fleischerhandwerk habe nicht das beste Image, zudem gebe es ohnehin wenig Azubis fürs Handwerk.

Das Handwerk werde verkannt

„Es ist eben so, dass das Handwerk als solches verkannt wird.“ Junge Leute gingen lieber auf eine weiterführende Schule. Dabei sei die Ausbildung ja nicht „Endstation“ und der Beruf abwechslungsreich und krisensicher. Vielleicht, so die Überlegung Holweglers, werde diese Krisensicherheit eine Rolle spielen und dem Handwerk Nachwuchs zuführen, wenn sich die Jobperspektiven in der Industrie verschlechtern.

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„Vielleicht denken die Leute demnächst wieder mehr in Richtung Handwerk“, meint auch Peter Meister. Der Personalleiter bei Mall Umweltsysteme sähe das Handwerk auch dann wieder konkurrenzfähiger, wenn beim Übergang ins Erwerbsleben beim Bewerber wieder die reine Arbeit im Mittelpunkt stünde und nicht weitere Vergünstigungen.

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Bei Mall werden, Studenten eingeschlossen, derzeit rund 20 junge Menschen ausgebildet. „Und zu nahezu 100 Prozent werden sie nach der Ausbildung übernommen.“ Auch bei Mall gibt es Berufsfelder mit unterschiedlicher Wirkung auf mögliche Bewerber. „Im Herbst fangen zwei Industriekaufleute an“, sagt Meister. Schwieriger ist es, Lehrstellen für angehende Beton- und Stahlbetonbauer zu besetzen. Zwei oder drei könnten anfangen, doch die Arbeit ist hart und der Beruf „nicht sexy“.

Wie es sich für Elektriker gehört, ziehen die Auszubildenden der Firma Elektro-Sibold gemeinsam an einem Kabel (von links): Sioe Niklas Nägele, Cem Nokay, Sajar Ceesay, Aminkhan Ahmadzai, Abdul Ahmadzai, Tim Kiebele.
Wie es sich für Elektriker gehört, ziehen die Auszubildenden der Firma Elektro-Sibold gemeinsam an einem Kabel (von links): Sioe Niklas Nägele, Cem Nokay, Sajar Ceesay, Aminkhan Ahmadzai, Abdul Ahmadzai, Tim Kiebele. | Bild: Elektro-Sibold GmbH

Zwei Azubis stellt Elektro-Sibold im September ein. „Das ist Standard, sagt Meister und Ko-Ausbilder Tobias Engesser. Mittelfristig setzte die Firma auf einen qualifizierten Mitarbeiterpool, aber auch auf ein Umdenken bei jungen Menschen, was die Jobsicherheit im Handwerk anlangt. Eine aktuelle Krise wie Corona habe mit diesen Entscheidungen nicht zu tun. Aber sie füllt das Auftragsbuch. „Wir haben gerade viele Anfragen im privaten Bereich.“

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Potenzielle Azubis und ihre Fertigkeiten kennenzulernen, sei ohne Schulpraktika und Ausbildungsforum gegenwärtig schwierig, räumt Jürgen Kessler von Kessler Heiztechnik ein. Seine Firma kann auf die Bekanntheit vor Ort setzen. In diesem Jahr beginnt wieder ein Lehrling neu. Der Vertrag steht, der jährliche Turnus wird wenn möglich eingehalten.

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Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg erwartet eine unverändert hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Wolf-Dieter Bauer, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Qualifizierung, geht trotz Corona von einer ausgeglichenen Ausbildungsbilanz an: „Wir hoffen für das nächste Jahr auf eine konjunkturelle Erholung verbunden mit einem konstant hohen Ausbildungsniveau.“

Industrie hat kaum Probleme

Die Industrie dürfte laut Bauer ihre freien Ausbildungsstellen leicht besetzt bekommen. Freie Lehrstellen gebe es vor allem noch im Einzelhandel, bei Spedition und Logistik sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe, die als Branchen aber auch besonders von der Coronakrise betroffen sind.

Lebensmittelhandwerk tut sich schwer

Die Handwerkskammer Konstanz sieht einen erneuten Boom bei Kfz-Mechantronikern oder Friseurinnen. Auch Bauberufe, Anlagenmechaniker oder Elektroniker dürfte gefragt sein. „Dagegen tut sich das Lebensmittelhandwerk immer schwerer, noch genügend Bewerber zu finden“, meint Ute Dinort, die den Fachbereich Prüfung leitet.

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Die Zahl der Ausbildungsverträge ist im Kammerbezirk rückläufig. Bis Ende Mai waren es gegenüber dem Vorjahr zehn Prozent weniger. Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk werde gegenwärtig wegen der wirtschaftlichen Ungewissheit gebremst. Kennenlernen und Bewerben seien erschwert, weil Schulpraktika und Ausbildungsmessen ausgefallen sind.