Wenn in diesen Tagen Bagger und andere Baumaschinen im Bereich der derzeitigen Renaturierungsstrecke durch die Breg fahren, werden voraussichtlich keine Fische zu Schaden kommen. Vor einem Eingriff in die Struktur des Flussbettes, wie es für die Breg geplant ist, steht nämlich die Bergung des Fischbestandes an. Für rund 30 Mitglieder der Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren als Pächter des Fischgewässers war deshalb ein Großeinsatz angesagt.

Weit über 10.000 Fische wurden geborgen, die genaue Zahl wird noch ermittelt. Sie füllen nun aber nicht irgendwelche Kochtöpfe oder Gefriertruhen, die meisten der Fische sind für den Verzehr nicht relevant. Denn es sind sogenannte Kleinfische, die größtenteils ganzjährig geschützt sind. Die Fischbergung erfolgt mit einem Elektro-Fischfanggerät, das nur nach einer entsprechenden Ausbildung bedient und benutzt werden darf. Und dafür braucht es auch eine behördliche Genehmigung des Regierungspräsidiums.

Große Fische suchen selbst das Weite

Die Breg wird im Bereich des Zusammenflusses wieder aus dem betonierten Bachbett in ein neues, mäandrierendes Bachbett umgeleitet. Große Fische suchen das Weite, wenn Baumaschinen näher kommen, die kleinen Fischarten jedoch sind relativ standorttreu und suchen in den Ritzen der Steine Schutz – was dann tödlich endet.

Ausgestattet mit Transportfahrzeugen und Behältern, machten sich die Angler auf den Weg vom Vereinsheim in Pfohren nach Donaueschingen. Werner Mattes und seine Helfer prüften die Geräte und die Schutzausrüstung. Dies sind unter anderem spezielle Handschuhe, die die Helfer im Wasser vor Strom schützen. Dieser Strom betäubte die Fische, die Angler bargen sie dann aus dem Wasser und verfrachteten sie in Transportbehälter. Im Bereich der Mündung wurde ein sogenanntes Wanderungshindernis aufgestellt, über das keine Zuwanderung von Kleinfischen möglich ist.

Die elektrisch betäubten und gefangenen Kleinfische werden in mit Wasser gefüllten Transportbehältern zwischengelagert. Dann setzen die Angler sie in der Donau wieder aus.
Die elektrisch betäubten und gefangenen Kleinfische werden in mit Wasser gefüllten Transportbehältern zwischengelagert. Dann setzen die Angler sie in der Donau wieder aus. | Bild: Paul Haug

Elf Stunden lang wurde dann gefischt. Drei bis vier Mann arbeiteten mit Wathosen in der Breg, einer führte die stromführende Anode. Ein anderer hatte am Ufer den sogenannten Totmannschalter in den Händen und beobachtete die Aktion genau. Wenn irgendetwas passiert wäre, hätte er sofort den Stromfluss unterbrochen. Die Fische wurden durch den Stromschlag betäubt, mit Keschern sofort aufgenommen, nach Größe und Art bestimmt und in die bereitgestellten Transportbehälter gebracht. Diese wurden laufend mit Sauerstoff versorgt.

Bei weiteren Aktionen wird der Bestand erhoben

Die Angler stellten zwölf Fischarten fest. Die Aktion reichte bis zur Eisenbahnbrücke. „Wir werden im Zuge der Baumaßnahme noch weitere solche Aktionen durchführen müssen“, betont der Vorsitzende der Anglervereinigung, Werner Mattes. In dieser Woche finden weitere Aktionen durch ein privates Unternehmen im Auftrag des Landes in der Brigach und Donau statt, dies sind aber Bestandserhebungen. Der Einsatz der Donaueschinger Angler war eine Bestandsbergung. Alle Fische wurden an anderer Stelle in der Donau wieder ausgesetzt.

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