Das Ziel des Roller-Ausflugs war die Donauquelle. Deren Besuch habe sich auch gelohnt, erzählt der Schweizer Rollerfahrer Peter B. (voller Name der Redaktion bekannt). Doch mehr als der Quelltopf wird ihm die Fahrt dorthin im Gedächtnis haften bleiben – denn beinahe wäre er beim Abbiegen von der Stadion- in die Fürstenbergstraße gestürzt. Der 66-Jährige konnte seinen Roller gerade noch abfangen. Als der frühere Kaufmann dem SÜDKURIER die Beinahe-Unfallstelle zeigt, biegt gerade ein deutscher Motorradfahrer in Schritttempo in Richtung Fürstenschloss ab, seine mit schweren Motorradstiefeln geschützten Füße hat er schon von den Rasten genommen, um sich im Fall des Falles schnell abstützen zu können. Was der Biker in diesem Moment wohl darüber denkt, wie die Stadt Donaueschingen ihre Straßen ausbessert? Sicher nichts Gutes.

Viele Hinweise: Rund 15 Meter vor der Gefahrenstelle warnt ein Schild vor Rollsplitt.
Viele Hinweise: Rund 15 Meter vor der Gefahrenstelle warnt ein Schild vor Rollsplitt. | Bild: Niederberger, Holger

Das Rathaus teilt auf Nachfrage mit, dass Mitarbeiter der Technischen Dienste – wo das „technisch vertretbar und vom Umfang her abbildbar“ ist – selbst die Donaueschingen Straßen- und Wegschäden ausbessern. Es sei nicht nur in Donaueschingen Usus, dass bei solchen Sanierungsmaßnahmen ein bituminöses Trägermaterial mit Stützkorn zum Einsatz komme. Bei hohen Umgebungstemperaturen sei dieses Material weich, weshalb in einer Kurve mit besonderer Vorsicht gefahren werden müsse. Ihrer Straßensicherungspflicht sei die Stadt „durch das Stellen des Hinweisschildes nachgekommen“. Zudem müsse im innerstädtischen Bereich besonders vorsichtig und bremsbereit gefahren werden. Nach zwei bis drei Tagen werde der übrige Splitt mi einer Kehrmaschine wieder von der Straße entfernt.

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Allerdings: Laut dem Institut für Zweiradsicherheit (iFZ) mit Sitz in Essen werde empfohlen, Bitumen nur für lokal begrenzte Schäden wie Risse oder Fugen einzusetzen. Trotzdem werden Ausbesserungen mit Bitumen auch großflächig vorgenommen, wie das Beispiel an der Donaueschinger Stadteinfahrt zeigt. Der Bitumenstreifen ist hier rund fünf Meter lang und erstreckt sich über die komplette Straßenbreite. Obendrein verläuft er in Fahrtrichtung. Für Autofahrer ist es völlig ungefährlich, über ihn zu fahren, für Biker gilt aber Warnstufe eins. Denn Bitumen, so das IFZ, habe in der Regel einen deutlich niedrigeren Reibungskoeffizienten als eine Asphaltoberfläche. Deshalb könne es gerade bei Nässe zu einem plötzlichen Reibwert-Sprung kommen, sobald die Reifen vom Asphalt auf die Bitumenfläche wechseln. Das sei für einspurige Fahrzeuge wie Motorräder sehr problematisch, wie Untersuchungen auf Fahrbahnen mit Bitumenausbesserungen ergaben. Hingegen seien schmale Bitumenstreifen in Querrichtung – wegen der kurzen Verweildauer auf diesen – harmlos und zumeist ungefährlich.

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Außerdem erzeugten hohe Temperaturen ein ähnliches Problem wie die Witterungsbedingung Nässe, betonen die Experten aus dem Ruhrgebiet. Schon bei 23 Grad Celsius bestünde eine leichte Verformbarkeit des Materials bei nur geringem Kraftaufwand. Aufgrund des geringen Reibungskoeffizienten spreche man hier vom sogenannten „Glatteis im Sommer“.

Auch in der Sennhofstraße haben Mitarbeiter der Technischen Dienste die Fahrbahn ausgebessert. Daniel Winkler spritzt gerade Rollsplitt auf das zuvor aufgebrachte Bitumen.
Auch in der Sennhofstraße haben Mitarbeiter der Technischen Dienste die Fahrbahn ausgebessert. Daniel Winkler spritzt gerade Rollsplitt auf das zuvor aufgebrachte Bitumen. | Bild: Niederberger, Holger

Es empfiehlt sich für Motorradfahrer auch nicht, die Kurve weiter außen zu nehmen. Denn dorthin wird der Rollsplitt von Autos geschleudert, der von der zuvor aufgebrachten Bitumenschicht nicht aufgenommen wurde. Rollsplitt vermindert die Bodenhaftung des Reifens, wodurch dieser leicht ins Schlittern geraten kann. Wenn dann noch verkehrsbedingt gebremst werden muss, lässt sich ein Sturz auch vom geübtesten Biker nur schwer vermeiden.

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In dieser Woche werden die Belagarbeiten mit Bitumen und Rollsplitt im Stadtgebiet fortgesetzt. Die Mitarbeiter der Technischen Dienste setzen dabei einen geliehenen „Asphalt Patcher“ ein, mit dem auch größere Straßenabschnitte bearbeitet werden können. Das stadteigene Fahrzeug hat dafür einen zu kleinen Bitumen-Tank.

In Internet-Foren regen sich Motorradfahrer immer wieder über den in ihren Augen viel zu gefährlichen Rollsplitt auf. Ein Diskussionsteilnehmer gab dabei einen (hoffentlich nicht ganz erst gemeinten) Tipp: „Nach der ausgebesserten Stelle sofort auf Tempo 200 beschleunigen, damit sich ja alle Steinchen aus dem Reifenprofil lösen.“ Und was meint der Donauquellen-Besucher und Rollerfahrer Peter B.? In der Schweiz gebe es solche Fallen für Zweiradfahrer nicht.