Es war letztlich alles andere als ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich Enrico Becker und Christine Teuerblut bei der Nominierungsversammlung der SPD-Kreisverbände Schwarzwald-Baar und Tuttlingen lieferten. Die beiden hatten sich als Erstkandidaten der SPD im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen für die Landtagswahl 2021 beworben. Bei den 27 stimmberechtigten Delegierten der beiden Kreisverbände, die sich am Samstag zur Nominierungsversammlung in der Alten Hofbibliothek Donaueschingen eingefunden hatten, lag es, ihre Wahl zu treffen. Und deren Ergebnis fiel sehr deutlich aus: Gleich im ersten Wahlgang setzte sich Christine Teuerblut mit der absoluten Mehrheit von 20 Stimmen sehr deutlich gegen Enrico Becker durch, den die Delegierten mit sieben Stimmen bedachten.

Deutliches Ergebnis

Beide Bewerber hatten sich zuvor mit kurzen Ansprachen und im Zuge einer Aussprache den Delegierten präsentiert und dabei als nahe liegenden Orientierungsrahmen die traditionellen SPD-Werte Gerechtigkeit, Chancengleichheit und sozialer Ausgleich gewählt. Dabei war Christine Teuerblut leicht gehandicapt: Sie konnte der Delegiertenversammlung nicht persönlich beiwohnen, sondern war per Video online zugeschaltet, das sie kurzfristig Corona-bedingt in häusliche Quarantäne beordert worden war. „Eine Schülerin ist positiv auf das Virus getestet worden. Deshalb muss ich vorsichtshalber, bis mein Testergebnis vorliegt, in Quarantäne bleiben“, erklärte die 53-jährige Lehrerin aus Tuttlingen.

Lehrerin derzeit in Quarantäne

Enrico Becker, der 2014 zur SPD gestoßen und Vorsitzender des Ortsvereins Spaichingen-Heuberg sowie des Kreisverbands Tuttlingen ist, rückte die Digitalisierung in den Vordergrund. „Es ist Zeit für ein Update“, meinte der 40-jährige IT-Systemkaufmann aus Spaichingen und erläuterte anhand der Politikfelder Arbeit und Soziales, Bildung, Gesundheit und Klimaschutz, welche Chancen und Herausforderungen die Digitalisierung bietet. Christine Teuerblut skizzierte anhand der Politikbereiche Bildung, Verkehr, Infrastruktur, Energie und Wohnen wo und wie sie sozialdemokratische Duftmarken in der Landespolitik setzen will. Dem seit längerem herrschenden akuten Lehrermangel an den Schulen im Land müsse endlich entgegengewirkt werden, führte Teuerblut beispielhaft an.

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Bei der Aussprache mussten beide Bewerber auch Kritik einstecken. „Eigentlich wollte ich mich gar nicht zu Wort melden. Aber jetzt bin ich ziemlich sauer wegen der Antworten. Das waren doch nur Worthülsen“, echauffierte sich Martina Wiemer, SPD-Stadträtin aus Donaueschingen, über die aus ihrer Sicht allzu wolkigen Antworten, die Becker und Teuerblut auf die Frage gaben, wie die SPD die so genannten systemrelevanten Berufsgruppen verstärkt für sich gewinnen wolle. Wiemer erntete dafür Szenenapplaus.

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Der Umstand, dass die SPD Umfragen zufolge mit Stimmanteilen im Bereich von zehn Prozent vor sich hin dümple, sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass mit den Arbeitnehmern ohne akademischen Bildungsabschluss eine Wählergruppe sträflich vernachlässige, die in früheren Zeiten den Kern der SPD-Wählerschaft ausgemacht habe, stellte Gottfried Vetter, ebenfalls bekannt als Donaueschinger SPD-Stadtrat, fest. Es gelte, den Dialog mit den Gewerkschaften zu intensivieren, meinten Becker und Teuerblut auf Vetters Frage hin, wie diese vernachlässigte Wählergruppe wieder stärker zur SPD hingezogen werden könne.

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Einstimmig sprachen sich die Delegierten zudem für Kerstin Skodell aus Hüfingen aus, die sich als Zweitkandidatin beworben hatte. „Damit haben wir ein Frauenpower-Team, das für uns in den Wahlkampf im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen ziehen wird“, freute sich Derya Türk-Nachbaur über das Duo aus Erst- und Zweitkandidatin. Türk-Nachbaur, Vorsitzende des SPD-Kreisberbands Schwarzwald-Baar, moderierte die Nominierungsversammlung.

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