Es war ein Nominierungskrimi, den die Liberalen im Konzerthaus von Trossingen geboten haben. Der Spaichinger Marcel Aulila oder der Donaueschinger Niko Reith? Diese Frage mobilisierte viele FDP-Mitglieder, denn mit 168 Stimmberechtigten haben die Liberalen auch die bislang bestbesuchteste Nominierungsversammlung im Wahlkreis 55 auf die Beine gestellt. Selbst zur Nominierung von Guido Wolf waren nur 100 CDU-Mitglieder nach Donaueschingen gekommen. Dieses Mal allerdings konnte nicht in den Donauhallen nominiert werden, das wäre schon einmal einer Positionierung gleich gekommen. Deshalb kam auch Spaichingen nicht in Frage. Und aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen war es dann gar nicht so leicht, einen Veranstaltungsort zu finden. Letztendlich wurde es das Konzerthaus in Trossingen und so begab sich eine ganze Schar Baaremer auf den Weg dorthin, um den Donaueschinger Stadtverbands-Chef zu unterstützen.

Großer Jubel bei den Donaueschingen: In großer Zahl sind sie nach Trossingen in Konzerthaus gekommen, um ihren Stadtverbands-Chef zu unterstützen.
Großer Jubel bei den Donaueschingen: In großer Zahl sind sie nach Trossingen in Konzerthaus gekommen, um ihren Stadtverbands-Chef zu unterstützen. | Bild: Jakober, Stephanie

Für den sah es allerdings nach dem ersten Wahlgang nicht ganz so gut aus: Reith 82 Stimmen, Aulila 84 Stimmen – allerdings hatte damit der Spachinger die absolute Mehrheit verfehlt. Im zweiten Wahlgang wendete sich das Blatt – wohl auch, weil zwei Trossinger dachten, die Sache sei schon entschieden und sich vor dem zweiten Wahlgang auf den Heimweg begeben hatten: Reith 83 Stimmen, Aulila 81 Stimmen. Reiths erste Worte galten dem 29-jährigen Aulila, dem er seinen Dank aussprach: „Eigentlich wollte ich nach dem ersten Wahlgang schon aufstehen und ihm gratulieren“, so der 51-jährige Donaueschinger. Es sei ein bemerkenswertes Kräftemessen gewesen. Im Wahlkampf will er nun nicht nur die 83 FDP-Mitglieder mitnehmen, die ihn gewählt haben, sondern auch die 81, die ihre Stimme Marcel Aulila gegeben haben. „Ich werde alles tun, dass wir in Stuttgart wieder eine starke Stimme haben werden.“

Die Arbeit im Landtag kennt Reith bereits

Als der Abgeordnete Leo Grimm im August 2014 sein Mandat niedergelegt hatte, rückte Reith damals als Zweitkandidat nach. Bei der Landtagswahl 2016 fehlten ihm allerdings wenige Stimmen, um den Einzug ins Landesparlament wieder zu schaffen. „2014 habe ich das Amt überraschend und unerfahren übernommen, aber mittlerweile bin ich politisch gereift“, erklärt Reith, der seine Stärke im „Wirken am Bürger“ sieht. Der direkte Kontakt zum Bürger werde bei ihm im Vordergrund stehen und deshalb sei eine Kandidatur für den Europa- oder den Bundestag für ihn auch nie in Frage gekommen. „Da hat man eine größere Distanz zum Wähler. Landtagsabgeordnete sehe ich eher als Kommunalpolitiker an, weil ihre überwiegende Arbeit im Wahlkreis stattfindet“, so der unabhängige Versicherungsmakler. Landtagsabgeordnete würden mit einer Vielzahl von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen des täglichen Lebens konfrontiert. Mit Wirtschaft und Bildung will Reith auch auf klassisch liberale Themen setzen. Sein Arbeitsmotto: Fleiß, Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Hartnäckigkeit.

Tierische Unterstüzung: Carmen Vogel hat auch gleich Hund Neli mitgebracht.
Tierische Unterstüzung: Carmen Vogel hat auch gleich Hund Neli mitgebracht. | Bild: Jakober, Stephanie

Die FDP-Kür könnte im Ranking der Nominierungsversammlungen im Wahlkreis 55 nicht nur die mit den meisten Mitgliedern, sondern auch die mit der längsten Dauer werden. Offiziell ist die Sitzung nämlich aktuell nur unterbrochen und das liegt daran, dass noch kein Zweitkandidat nominiert ist. Reith und Aulila hatten im Vorfeld beide für sich persönlich eine Zweitkandidatur im Falle einer Niederlage ausgeschlossen und sich eigene Kandidaten gesucht. Allerdings ist der von Reith kurz vor der Nominierungsversammlung schwer erkrankt und konnte deshalb noch nicht sagen, ob er ihn auch im Wahlkampf unterstützen will. Zwar versuchte Ralf-Roland Schmidt-Cotta noch, Marcel Aulila aufzustellen, doch dieser lehnte ab: „Niko Reith hat meine volle Unterstützung, aber er hat einen Zweitkandidaten und wir sollten nach dem Sommer seinen eigentlichen Wunschkandidaten nominieren“, erklärte Aulila. Und so blieb dem ehemaligen Wirtschaftsminister Ernst Pfister, der die Versammlung leitete, nichts anderes übrig, als sie einfach bis zum Herbst zu unterbrechen.