Klein und unscheinbar sieht die Streuobstwiese der Ortsgruppe Schwarzwald-Baar des Naturschutzbundes (Nabu) aus. Aber bei genauerem Hinschauen verbirgt sich dort eine Naturlandschaft mit über 30 verschiedenen Obstbäumen auf einer Fläche von etwa 300 Metern Länge.

Von Kirschbäumen über die Williams-Christ-Birne bis hin zu den Boskoop-Äpfeln – teilweise beinahe vergessene, aber doch robuste Bäume, erklärt Lioba Weller. Sie hat die Wiese 1988 mit ihrem Mann erworben – mit dem Ziel, einen natürlichen und achtsamen Platz für Tier, Mensch und Pflanzen entstehen zu lassen. Aus diesem Grund heiße die Wiese auch „Wellerische Wiese“.

Ortsgruppe ist seit 1985 aktiv

Der Nabu hält die Streuobstwiese in Stand. Doch wie hat sich die Nabu-Gruppe eigentlich zusammengefunden? Lioba Weller erklärt: „In Donaueschingen gab es nichts. Dann kamen wir 1985 auf die Idee, eine Gruppe zu gründen.“ Finanzieren würde der Nabu sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge seiner 900 Mitglieder der Region.

Zu den Arbeiten der Gruppe gehöre etwa der Vogelschutz – dazu zählen Eulen und Störche, aber auch der Schutz von Insekten oder Amphibien. Und nicht zuletzt die Instandhaltung der Wellerischen Wiese mit Arbeiten rund um die Pflege der Bäume und der Hecke, Laub rechen, das Sägen von Ästen, oder auch das Mähen der Wiese – tierfreundlich mit einem Balkenmäher. Besonders sei auch, dass keine Pestizide zum Einsatz kämen.

Gegen an Konsumdenken

Doch die Arbeit würde sich lohnen, erklärt Lioba Weller, denn die Natur beschenke sie reich: „Säfte, Apfelchips, Früchtebrote, Apfelkuchen, Marmeladen, bis hin zu Most. Und das alles von unserer Streuobstwiese.“ Das Obst habe manchmal braune Stellen und Schorf, aber das sei ganz natürlich, sagt Weller. „Anders als im Supermarkt, wo jeder Apfel perfekt ist und die anderen weggeschmissen werden.“ Weller übt zudem Kritik an dem Konsumdenken und dem niedrigen Stellenwert des Naturschutzes in der Gesellschaft: „Wenn wir die Umwelt nicht schützen, sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen“.

Gabi Ebenhöh und Vorsitzender Thomas Schalk ernten Äpfel der Sorte Kaiser Wilhelm.
Gabi Ebenhöh und Vorsitzender Thomas Schalk ernten Äpfel der Sorte Kaiser Wilhelm. | Bild: Hannah Schedler

Thomas Schalk teilt ihre Ansicht: „Wenn man nur Nötiges produziert, muss man sich über Recycling oder Entsorgung keine Gedanken machen.“ Zudem wünsche er sich einen behutsameren Umgang mit der Fläche – etwa eine nachhaltigere Bebauung, weniger Flächenversiegelung und den Anbau von Grünflächen.

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Doch ergänzt er, dass die Politik zwar eine große Rolle spiele, aber letztlich müsse jeder Einzelne etwas für die Umwelt tun: nachhaltiger mit den Ressourcen umgehen, achtsamer leben, weniger Energie verbrauchen oder die heimische Natur im eigenen Garten schützen.

Mehr Bewusstsein durch Fridays for Future

Auf die Frage, ob die Fridays-For-Future-Bewegung die Einstellung der Jugend ändert, antwortet Lioba Weller, sie wünsche sich mehr aktive Teilnahme der Jugend im Umweltschutz und weniger Nutzung der sozialen Medien. Thomas Schalk erwidert: „Fridays For Future hat mehr Bewusstsein geschaffen. Aber man darf es nicht dabei belassen und muss weiter Leute mobilisieren.“ Der Lehrer freut sich auch über viel jugendliches Engagement für seine Umwelt-AG am Hoptbühl-Gymnasium in Villingen.

Die finale Frage lautet letzten Endes: Welcher Apfel ist nun der beste? „Die Unterschätzung der Äpfel ist eine Wissenschaft für sich, aber alle schmecken gut. Insbesondere der Boskoop-Apfel zum Backen oder der Kaiser Wilhelm“, schmunzelt die Gruppe. Na dann: Guten Appetit.

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