Die SÜDKURIER-Redakteure recherchieren täglich interessante Themen in Donaueschingen sowie auf der gesamten Baar. Sie sind regelmäßig unterwegs, haben Begegnungen mit Menschen aus der Region. Doch immer wieder gibt es auch ganz besondere Geschichten, die ihnen lange über das Recherchieren, Schreiben und Veröffentlichen in Erinnerung bleiben.

In allen Fällen sind es aber Geschichten wie diese, die unsere Leser besonders schätzen und die uns Journalisten immer wieder aufs Neue in unserem Einsatz für unsere Leser bestätigen. Hier stellen sechs Autoren aus Donaueschingen die Geschichten vor, die ihnen aus dem abgelaufenen Jahr besonders in Erinnerung bleiben werden.

Kommunalpolitik ist langweilig? Wie der Hüfinger Greensill-Fall ans Licht gekommen ist

Es war ein Anruf. Einer dieser Anrufe, bei dem man nie verrät, wer es war. „Wissen Sie eigentlich schon, dass die Stadt Hüfingen drei Millionen Euro bei der Greensill-Bank angelegt hat?“ Was nun: Bevor man den Bürgermeister mit dem Wissen konfrontiert, ist eine zweite Quelle nie schlecht. Die war schnell gefunden und bestätigte das Ganze.

Es folgte der Anruf im Hüfinger Rathaus. Ja, man habe auch schon eine Pressemittelung vorbereitet. Nein, darüber hinaus werde man keine Fragen beantworten. Reicht das in so einem Fall? Die Antwort war klar und die Recherche begann. Es hieß, die richtigen Fragen bei den richtigen Leuten zu stellen, Hintergrundgespräche zu führen, das Thema für den Leser transparent zu machen. Eben genau das tun, was unser Job ist. Welche Fragen sind noch offen? Wieder viele Telefonate – Puzzlestück für Puzzlestück ergab sich ein Bild.

Es war über Wochen das beherrschende Thema in Hüfingen. Im Rathaus hätte man den Ball lieber ganz flach gehalten. Aber die Bürger waren wütend und wollten alle Informationen – verständlicherweise, schließlich ist da auch ihr Geld verloren gegangen. Dabei galt es auch, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen. Nämlich als klar war, wer die Überweisungen getätigt hat. Der Name war mir durchaus bekannt. Aber muss wirklich ein „kleiner Beamte“ den Kopf für so etwas hinhalten? Die Antwort: nein – und deshalb werde ich den Namen nie schreiben.

Vieles wäre ohne diese Berichterstattung gar nicht oder erst viel später bekannt geworden – als Bürgermeister Michael Kollmeier das Thema sechs Wochen nach Bekanntwerden auf die Tagesordnung des Gemeinderates gesetzt hat. Und es war eine der spannendsten Sitzungen:

Das Schauspiel im Gemeinderat in drei Akten:
Teil 1 – die Stadt leckt ihre Greensill-Wunden
Teil 2 – Bürger fragen, doch bekommen sie auch eine Antwort?
Teil 3 – Wenn die Trennlinie zwischen den Fraktionen plötzlich ganz anders verläuft

Stephanie Jakober

Authentisch und herzlich: Von einem Arzt, der noch mit 85 an seine Patienten denkt

Eine Arztpraxis im ländlichen Raum übernehmen? Für viele junge Ärzte kommt das nicht mehr infrage. Zu hoch der Aufwand abseits des eigentlichen Berufsbildes. Ein Bürokratie-Wust, den keiner in Kauf nehmen möchte, könnte man doch auch einfach im Angestellten-Verhältnis ohne diese Zusatzbelastung arbeiten. Ein Problem für Ärzte, die auf der Suche nach Nachfolgern sind.

Entsprechend habe ich auch den Kinderarzt Selahattin Yavrucuk gefragt, ob es denn einen Nachfolger gibt. Da war mir aber noch nicht klar, dass es sich hierbei nicht um die übliche Ruhestands-Geschichte eines Arztes handelt, der sich in die Rente verabschiedet. Denn: Yavrucuk war eigentlich schon längst in Rente.

Schnell wurde aber bemerkt: Er braucht seinen Beruf. Andere gehen zum Skat, er in die Praxis, um seinen Patienten zu helfen. Und das will er immer noch machen. Von Zuhause aus, soweit es geht. Dabei ist der Kinderarzt bereits 85 Jahre alt. Am Tag unseres Gespräches kommen spontan ehemalige Patienten vorbei, um ihm ein Geschenk als Dankeschön zu überreichen. Patienten, die er teilweise vor 20 Jahren das letzte Mal gesehen hat.

Diese Leidenschaft mitzubekommen, und sich mit jemandem unterhalten zu dürfen, der so authentisch und herzlich strahlt, das sind die Geschichten, weshalb man überhaupt begonnen hat, sich für das Schreiben zu interessieren. Als Reporter nimmt man im Anschluss nicht nur die Geschichte für den Leser mit, sondern auch etwas für sich selbst.

Guy Simon

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Eine Computer-Ehe auf Zeit

Mit diesem Paar möchte wohl niemand tauschen: Oder wer möchte seinen Schatz heiraten, um dann wenige Monate später nur noch per Videoschalte zu kommunizieren. Ohne Aussicht auf schnelle Änderung und in einer räumlichen Entfernung von über elf Flugstunden.

Passiert ist das den Donaueschingern Niparat und Gerold Schaumann. Mir taten die beiden leid. Anfang 2020 hatten sie in Thailand geheiratet und kamen danach nach Deutschland. Weil ihr Aufenthaltsstatus ablief, musste Niparat zurück in ihr Heimatland, um die für einen unbefristeten Status erforderlichen Sprachnachweise zu erwerben.

In Deutschland ging das nicht, weil die Sprachschulen coronabedingt geschlossen hatten. Ich habe damals die Schaumanns wenige Tage vor der Zwangsabreise daheim besucht, habe mir die vergeblich Hoffnung stiftenden Behörden-Schriftsätze zeigen lassen und die wachsende Verzweiflung gespürt.

Natürlich holte ich auch die Position der Behörden ein. Die berief sich auf geltendes Recht. Mein persönliches Fazit aus der Geschichte: Ein menschlicher Umgang mit den Klienten, etwa in Form einer Fristverlängerung, wäre zwar wünschenswert liegt aber weit von dieser Norm.

Jens Wursthorn

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Der Liebe wegen nach Japan: Die Geschichte von Ingo Kurbjuhn aus Allmendshofen, der 1996 ausgewandert ist

Liebe geht durch den Magen. Diese Redewendung kennt wohl schon jedes Kind. Bei Ingo Kurbjuhn geht die Liebe in den 1990er Jahren aber sogar so weit, dass er sein Leben in Donaueschingen aufgibt, um nach Japan zu gehen. Koffer packen und losgeht das Abenteuer. Erst zum Reinschnuppern, dann für immer.

Im März 2021 habe ich die Möglichkeit, per Videotelefonie mit Ingo Kurbjuhn zu sprechen – er sitzt in seinem Arbeitszimmer zuhause in Japan, ich im Homeoffice im Schwarzwald. Herausgekommen ist ein XXL-Bericht, der dem einen oder anderen Leser vielleicht zu lange erscheinen mag.

Doch die spannenden Erzählungen Kurbjuhns fesseln mich derart, dass ich es viel zu schade finde, vieles davon zu streichen. Und so erzählt er über seine Auswanderung, die Beweggründe, das Kennenlernen seiner heutigen Ehefrau, seine beruflichen Stationen und damit verbundene Schwierigkeiten oder das Vermissen seiner alten Heimat.

Julian Singler

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Positive Entwicklung in schwierigen Zeiten

Normalerweise bin ich in der Redaktion in Villingen im Einsatz und kann daher nur auf wenige Donaueschinger Themen im Jahr 2021 zurückblicken. Doch die Entscheidung ist eindeutig und würde vermutlich auch bei einer größeren Auswahl so ausfallen.

Denn gleich meine erste Berichterstattung hier ist mir im Gedächtnis geblieben. Vielleicht auch deshalb, weil mich das Thema bereits seit 2017 beschäftigt und ich seither unzählige Male daran vorbeigefahren bin. Die Rede ist von den vielen Storchennestern entlang und über der Bundesstraße B27/33.

2017 hatte die Redaktion bereits über das erste Nest über dieser vielbefahrenen Verkehrsader berichtet. Vier Jahre später waren es 14 Nester. Es ist faszinierend, wie sich die Natur erholen und anpassen kann – eine positive Entwicklung inmitten so viele negativer Nachrichten in diesem Jahr.

Jens Fröhlich

Vier Donaueschinger Azubis auf dem Weg in den Pflegeberuf

Selten standen Pflegekräfte so im Mittelpunkt wie in den vergangenen Jahren: Fachkräftemangel, Pandemie, Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen und zuletzt auch noch die Debatte um eine Impfpflicht. Doch trotz hitzigen Debatten und oft hohen Arbeitsbelastungen sind in den vergangenen Jahren viele Menschen in diesen wichtigen Beruf gegangen. Ohne diese Menschen, die sich um Kranke und Hilfsbedürftige kümmern, würde unsere Gesellschaft und unser Gesundheitssystem nicht auskommen.

Ich habe im Dezember 2021 Auszubildende der Fachschule für Altenpflege in Donaueschingen im Rahmen eines Interviews getroffen. Dabei habe ich vier Menschen kennengelernt, die mit Vorfreude auf eine berufliche Zukunft in der Pflege blicken. Einige von ihnen sind Quereinsteiger oder haben bereits in anderen Branchen gearbeitet und sitzen mit Anfang 40 nun wieder auf der Schulbank.

Andere stammen aus Ländern wie Togo und sind eigens für die Ausbildung zur Pflegefachfrau nach Deutschland gekommen. Alle verbindet die Hingabe und Leidenschaft des Dienstes am Nächsten. Das hat mich in den Gesprächen besonders beeindruckt und war mein Highlight 2021.

Cian Hartung

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