Claudia Weishaar richtet den Blick auf die Familien, die seit neun Wochen im Ausnahmezustand leben. „Die Nerven liegen blank. Wir müssen uns dringend um die Familien kümmern“, sagt die GUB-Fraktionssprecherin. Die Eltern wären seit Wochen Hilfslehrer und viele könnten einfach nicht mehr.

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„Deshalb denken wir, dass wir alle Kräft mobilisieren müssen“, sagt die ehemalige Schulleiter. Und in ihren Anregungen soll auch in keinster Weise mitschwingen, dass die Erzieherinnen aktuell Langeweile hätten oder nicht ausgelastet wären. Aber ihre Überlegungen sind einfach: „Warum kommt nur die Hälfte der Kinder in die Schule?“, fragt sie und beantwortet dann auch gleich: „Weil nur die Hälfte in die Schule kommen kann, um Abstand wahren.“ Wenn es also mehr Räume gäbe und wenn da mehr Personal wäre?

Unterrichtsangebot reicht nicht aus

Selbst die neue Verordnung entlastet nur wenige Familien in ihrer prekären familiären, beruflichen und oft auch finanziellen Lage. „Schließlich reicht das Unterrichtsangebot von lediglich zwei bis drei Stunden täglicher Unterrichtszeit – und das im wöchentlichen Wechsel – und die Ausweitung der Notbetreuung bei Weitem nicht aus, damit zumindest halbtags beide Eltern einer beruflichen Tätigkeit außer Haus nachgehen können“, so Weishaar.

Die Spielplätze sind wieder offen und werden gerne genutzt. Die Stadt hat im Irmapark ein Schild mit leicht verständlichen Corona-Verhaltensregeln anbringen lassen.
Die Spielplätze sind wieder offen und werden gerne genutzt. Die Stadt hat im Irmapark ein Schild mit leicht verständlichen Corona-Verhaltensregeln anbringen lassen. | Bild: Wursthorn, Jens

In Zusammenarbeit mit den Leitungen der Kindergärten und Schulen bittet die GUB die Verwaltung, darauf hinzuwirken, die Betreuungszeiten in den Kindergärten und Grundschulen auf 80 Prozent des regulären Angebots auszuweiten. Dabei sollen über die Schulen und Kindergärten hinaus alle personellen und räumlichen Ressourcen der Stadt in Betracht gezogen und ausgeschöpft werden.

Städtische Mitarbeiter mit einbinden

Da Unterricht nur sehr eingeschränkt möglich sei und viele Fächer gar nicht unterrichtet werden können, könnte geprüft werden, ob die von Streichungen betroffenen Lehrkräfte im Rahmen ihres Deputats mit der Betreuung der Kinder beauftragt werden können. Das Gleiche gelte für städtischen Mitarbeiter in der Verlässlichen Grundschule, der Musik- und Kunstschule und der Stadtjugendpflege, sofern deren Angebote wegen der Corona-Verordnungen zurückgefahren wurde und somit zeitliche Kapazitäten frei sind.

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Und bei den Räumen gäbe es viele Möglichkeiten: leerstehende Räume wie die Turnhallen, die Donauhallen, Vereinsräume, Seminarräume der Volkshochschule und Gebäude, wie der frei werdende Kindergarten im Konversionsareal. „Das ist ein Denkanstoß, um mit Schulleitungen und Kindergärten ins Gespräch zu kommen und nach Lösungen zu suchen, um die Eltern zu entlasten.“

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