Es gibt vielerorts zu wenige Lehrer, die Zahl der Schüler steigt dagegen an. Die Probleme im schulischen Bereich nehmen zu. Für das Land Baden-Württemberg ist das seit Jahren ein Thema, immer wieder gibt es Strategien, die entgegenwirken sollen. Doch wie ist die Situation vor Ort? Was sagen die Schulleiter auf der Baar?

Wolfram Möllen, Rektor der Eichendorffschule in Donaueschingen, sieht das Problem des Lehrermangels. Zwar sei die Situation an seiner Schule derzeit gut. Perspektivisch sei diese Versorgung aber nicht sicher. Kein gutes Gefühl. „Es wäre schön, wenn es mehr Lehrer geben würde“, sagt Möllen.

Wolfram Möllen, Rektor der Eichendorffschule in Donaueschingen, sieht die Lehrerversorgung in der Zukunft gefährdet.
Wolfram Möllen, Rektor der Eichendorffschule in Donaueschingen, sieht die Lehrerversorgung in der Zukunft gefährdet. | Bild: Ganter, Patrick

Kein Ersatz mehr für Ausfälle

Wann das in seinem Alltag durchschlägt? Wenn eine Kollegin oder ein Kollege längerfristig ausfällt, dann war es früher üblich, dass das Schulamt einen Ersatz schickt.

Diese Kräfte, nur um ein Beispiel zu nennen, gibt es heute nicht mehr. Möllen fehlt an seiner Schule aktuell eine Lehrkraft.

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Kurzfristige Ausfälle, etwa durch Krankheit, werden durch Kollegen vertreten. Eine der Optionen sei dann, dass eine Lehrkraft zwei Klassen gleichzeitig betreut. Nicht optimal, aber besser als ein Unterrichtsausfall.

Gerade solche Situationen nehmen zu, sagt Möllen zur Knappheit von qualifiziertem Personal. In allen Fällen, sagt Möllen, sei das für das Kollegium aber eine zusätzliche Belastung.

Ruth Zacher, Rektorin der Lucian-Reich-Schule in Hüfingen, sieht in dem Mangel an Fachkräften kein speziell schulisches Problem, sondern glaubt, dass das alle Bereiche des Berufsleben nahezu gleichermaßen trifft.

Ruth Zacher, Rektorin der Lucian-Reich-Schule in Hüfingen.
Ruth Zacher, Rektorin der Lucian-Reich-Schule in Hüfingen. | Bild: Simon Wöhrle (Archiv)

So eben auch in Sachen Lehrern an der Schule in Hüfingen. „Auch wir haben zu wenig Lehrkräfte an der Schule“, sagt sie. Bei einem Ausfall müsse man immer wieder schauen, wie man umschichten könne oder was eben auch ausfallen kann. Und das, obwohl schon fünf sogenannte Nichterfüller an der Schule tätig sind.

Nichterfüller bezeichnen Lehrkräfte, die zwar die offiziellen Kriterien für ausgebildete Lehrer nicht erfüllen, die aber dennoch unterrichten dürfen. Dies sind beispielsweise Erzieher oder Lehramtsstudenten. Tendenziell nehme die Zahl der Nichterfüller zu, so der Eindruck von Ruth Zacher.

Katja Fox, Rektorin der Realschule Donaueschingen, sieht ebenfalls eine Mangelsituation. Nicht an ihrer Schule, aber für den Landkreis. Es sei ein Problem, dass zu wenige junge Lehrkräfte in den Schwarzwald-Baar-Kreis kommen wollen.

Landkreis für Nachwuchs unattraktiv

Die Rektorin hat auch in diese Situation Einblick, weil sie Teil des örtlichen Personalrats ist. Der Personalrat ist Interessenvertreter der Lehrer und hat beispielsweise Einblick in die Versetzungsanträge. „Unser Landkreis ist da nicht besonders attraktiv“, sagt Katja Fox. Viele Referendare würden es ablehnen, hier in der Region zu unterrichten.

Katja Fox, Rektorin der Realschule Donaueschingen, hat als Personalrätin Einblick in wichtige Personalfragen über die eigene Schule hinaus.
Katja Fox, Rektorin der Realschule Donaueschingen, hat als Personalrätin Einblick in wichtige Personalfragen über die eigene Schule hinaus. | Bild: Ganter, Patrick

Für Katja Fox und ihre 32 Klassen mit rund 860 Schülern stehen derzeit 73 Lehrer zur Verfügung. Eine akzeptable Versorgung. Probleme gibt es trotzdem.

Es gebe durch Ausfälle viel mehr Wechsel als früher und das schlage sich auch in der Gestaltung des Stundenplans nieder. „Wir sind für dieses Schuljahr bei Plan 11“, sagt Katja Fox. Das fordere von allen viel Flexibilität, auch von den Eltern.

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Katja Fox habe deshalb auch Kontakt zu den Eltern gesucht. Diese würden aber Verständnis zeigen. Große Hoffnung auf Besserung hat die Leiterin der Realschule für die Zukunft nicht. „Ich denke manchmal, dass es eigentlich nicht schlimmer werden kann“, sagt sie und ergänzt mit Blick auf die Nachwuchssituation im Allgemeinen: „Aber die Zahlen zeigen, dass es schlimmer wird.“