Seit Ende 2020 hat die Stadt Donaueschingen eine neue Integrationsbeauftragte. Sarah Schröder übernahm mitten in der Corona-Pandemie. Die damit verbundenen zusätzlichen Herausforderungen machen ihre Arbeit, bei der es nicht zuletzt auf Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein ankommt, seither nicht einfacher.

Gesprächscafé bietet Zuwanderern Kontaktmöglichkeiten

„Was mir beim Antritt meiner neuen Tätigkeit als Integrationsbeauftragte sofort auffiel, war das rege ehrenamtliche Engagement in Donaueschingen, vor allem im Flüchtlingsbereich“, zieht Schröder eine erste Bilanz. So gebe es beispielsweise das Gesprächscafé, das mittwochabends im Mehrgenerationenhaus stattfindet. „Dort haben Zugewanderte dank einem festen Kern an Ehrenamtlichen die Möglichkeit, niederschwellig Kontakte zu knüpfen und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.“

Corona-Problematik verständlich machen

Was laut der 30-Jährigen allerdings in ihrer Anfangszeit vorherrschend war: die schwierige Corona-Lage, die sich immer weiter verschärfte. Das dominierende Thema in der Integrationsarbeit sei zu dieser Zeit gewesen, „wie man mit der Corona-Situation umgeht, welche neuen Corona-Regelungen es gibt und wie es gelingen kann, diese Informationen an die Geflüchteten und anderen Zugewanderten weiterzugeben“.

Das könnte Sie auch interessieren

Im Hier und Jetzt hat sich die Corona-Lage Schröder zufolge soweit verbessert, „dass wieder Veranstaltungen unter der 3G-Regelung stattfinden können“. So habe es beispielsweise im Rahmen der Interkulturellen Wochen Anfang Oktober einen Zumba-Kurs in Kooperation mit der evangelischen Erwachsenenbildung, dem Clever fit-Studio Donaueschingen und ihr als Integrationsbeauftragte gegeben. „Am Zumba-Kurs haben auch einige syrische Frauen teilgenommen, die große Freude an der Bewegung hatten. Es ist toll zu sehen, wie gemeinsame Aktionen die Menschen miteinander verbinden können“, erklärt die Sozialpädagogin. „Dabei spielen die Herkunft, das Aussehen oder noch vereinzelte Sprachbarrieren keine Rolle, denn es geht darum, gemeinsam etwas Tolles zu erleben.“

Arbeitsgruppe als Ziel

Wo läuft die Integration von Zugewanderten in den Alltag gut? Und wo herrscht nach Meinung von Sarah Schröder dringender Handlungsbedarf? Dabei blickt sie auf bisher Erreichtes und jene Ideen, welche sie vor Augen hat: „Schon länger habe ich auf dem Herzen, eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, die sich mit der Integrationslage in Donaueschingen beschäftigt.“ Es gebe viele Bereiche – beispielsweise in der Flüchtlingshilfe –, „in denen wir sehr gut aufgestellt sind“. Es gebe verschiedene haupt- und ehrenamtliche Angebote, die regelmäßig in Anspruch genommen würden.

Aber auf der anderen Seite spricht die Integrationsbeauftragte auch von wichtigen Bereichen, die bis dato noch nicht angegangen worden seien. Oder an die man noch gar nicht gedacht habe. „Daher möchte ich die Integrationsarbeit für Geflüchtete und andere Zugewanderte gerne weiterentwickeln“, sagt sie. Momentan sei Schröder dabei, eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, die gemeinsam Ideen dazu entwickeln soll. Die Ergebnisse und Erkenntnisse würden dann als Donaueschinger Integrationsplan für die nächsten Monate zusammengefasst. Der Integrationsplan soll Handlungsleitlinien und konkrete Umsetzungsschritte enthalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Maßgeblich mit der Integrationsarbeit verknüpft ist die vorhandene Infrastruktur, also Wohnmöglichkeiten sowie Hilfsangebote und Stellen, an die sich Betroffene wenden können. „Es gibt in Donaueschingen zwei vom Landratsamt betriebene Gemeinschaftsunterkünfte, in denen geflüchtete Menschen untergebracht sind. Eine Sozialarbeiterin unterstützt die Bewohner dort bei wichtigen Anliegen“, schildert Schröder.

Auch im Bereich Deutschförderung gebe es einige wichtige Anlaufstellen. Für die Anmeldung zum Integrationskurs, in welchem die Teilnehmenden Deutsch bis zum Sprachniveau B1 erlernen, sei die Migrationsberatung der Caritas zuständig. „Unsere drei Sprachschulen, Volkshochschule Baar, Treffpunkt Lernen und Vatter Bildungszentrum, bieten regelmäßig neue Kurse auf unterschiedlichen Niveaustufen an“, führt die 30-Jährige aus.

„Jeder sollte gleichermaßen Zugang zu Bildung, Wohnraum, Arbeit und Freizeitaktivitäten haben.“
Sarah Schröder, Integrationsbeauftragte

Für jugendliche Zugewanderte, die noch schulpflichtig sind, stünden die sogenannten Vabo-Klassen zur Verfügung, in denen junge Menschen mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen verstärkt Sprachförderung erhalten. „Es gibt noch eine Reihe anderer wichtiger Unterstützungsangebote, zu denen ich je nach Anfrage den Kontakt herstelle und Hilfesuchende weitervermittle.“

Worauf kommt es an?

Um Geflüchtete überhaupt zu erreichen, braucht es gewisse Eigenschaften, die eine Integrationsbeauftragte haben muss. Bei ihrer Arbeit sei Sarah Schröder ein respektvolles Miteinander und das Erreichen von Chancengleichheit wichtig, erzählt sie. „Jeder sollte gleichermaßen Zugang zu Bildung, Wohnraum, Arbeit und Freizeitaktivitäten haben. Für die Umsetzung von neuen Projekten und Ideen benötige ich Kreativität und Organisationsgeschick.“ Bei ihrer Tätigkeit als Integrationsbeauftragte benötige es zudem eine Offenheit gegenüber fremder Kulturen.

Nun hat Schröder ihre Arbeit bei der Stadt Donaueschingen in schwierigen Corona-Zeiten aufgenommen – keine leichte Situation: „Nicht lange, nachdem ich meine Stelle angetreten hatte, kam es zum deutschlandweiten Lockdown. Davor hatte ich noch die Möglichkeit, mich bei einigen wichtigen Kooperationspartnern als neue Integrationsbeauftragte vorzustellen.“

Schwieriger Start – überwiegend online

Die Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte seien allerdings durch die Pandemie erschwert worden. „Gerade für den Einstieg in das neue Tätigkeitsfeld war das teilweise eine Herausforderung. Veranstaltungen und Netzwerktreffen wurden online abgehalten.“ An dieser Stelle sei ihr jedoch aufgefallen, „dass die Corona-Situation genauso auch ein Potenzial in sich geborgen hat“. Beispielsweise sei das Thema Digitalisierung und Umgang mit Technik schneller in den Vordergrund gerückt. „Das Wissen, wie man an einem Online-Meeting teilnimmt oder ein eigenes Online-Meeting startet, ist jetzt vielen Menschen geläufiger als vor Corona, darunter auch Geflüchteten.“