Sechs Monate das gewohnte, sichere Leben hinter sich zu lassen und die Zeit zu nutzen, um fremden Menschen zu helfen: Diese Erfahrung hat nun die gebürtige Neudingerin Iris Scherer gemacht. Für die Mittdreißigerin, welche 2016 ihre Heimat für das schöne Portugal verließ, war dies eine ganz besondere Erfahrung: „Ich habe mich schon immer sozial engagiert. Jedoch immer „nur“ in meiner Freizeit. Im letzten Jahr habe ich mich dann dazu entschlossen, dass ich Vollzeit etwas machen möchte, was bedeutungsvoll ist. Etwas, was Menschen, welche nicht so privilegiert sind wie wir selbst, zugute kommt“, so Iris Scherer.

Iris Scherer mit den Kindern vor der Schule.
Iris Scherer mit den Kindern vor der Schule.

Bei der Internetrecherche gab es einiges zu beachten: Viele Projekte wurden speziell für Personen ohne Berufserfahrung angeboten, andere für Menschen bis zu einer gewissen Altersgruppe, bei anderen Organisationen waren Kosten und Logis nicht gestellt.

Einsatz im IT- und Kommunikationswesen

So kam Iris Scherer auf die Initiative European Aid Volunteers der Europäischen Kommission. Bei ihrem Projekt ging es darum, Lücken im IT- und Kommunikationswissen zu erkennen und zu schließen. Eingesetzt wurde sie zu diesem Projekt in Uganda. „Auf dieses Projekt hatte ich mich ursprünglich nicht beworben.

Überaus dankbar ist die Gemeinde Kikooba über die Spendenaktion von Iris Scherer, ihrer Familie sowie dem Kindergarten Sankt Josef in Immendingen
Überaus dankbar ist die Gemeinde Kikooba über die Spendenaktion von Iris Scherer, ihrer Familie sowie dem Kindergarten Sankt Josef in Immendingen

Es wurde mir jedoch vorgeschlagen, da ich beruflich in der IT-Branche tätig war und das Projekt genau auf meine Kompetenzen passte“, erklärt Iris Scherer. Nachdem sie sich darüber informiert hatte, nahm sie das Angebot an: „Ich bin bereits viel gereist, vor Afrika hatte ich jedoch immer Respekt. Heute kann ich speziell eine Reise nach Uganda jedem weiterempfehlen. Die Erfahrungen, die ich dort mit den Einheimischen gemacht habe, waren sehr positiv.“

Anleitung für soziale Netzwerke

In Uganda beschäftigte sich Iris Scherer mit diversen lokalen Organisationen und beriet und schulte die Einheimischen im Bereich Kommunikation und IT. Sie zeigte ihnen unter anderem, wie sie soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram nutzen können und erarbeitete gemeinsam mit den Organisationen Kommunikationsstrategien, Budgets und dedizierte Aufgabenliste.

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Des Weiteren gab sie IT-Trainings und half bei der Etablierung eines Programms zur Förderung der Digitalen Kompetenzen in einer Flüchtlingssiedlung im Westen Ugandas.

Die Kinder stehen vor ihrer Schule.
Die Kinder stehen vor ihrer Schule.

Während dieser Zeit baute sie zu den Menschen eine ganz besondere Bindung auf. Über ihre Erfahrungen in dem Entwicklungsland hielt sie via Smartphone auch ihre Familie auf dem laufenden. Speziell ihre Cousine aus Immendingen war erschüttert über die Zustände, die in Uganda herrschten und fragte, wie geholfen werden kann.

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Da kam Iris Scherer die Idee: Ihre Mitbewohnerin in Uganda unterstützte ein Projekt in einer Gemeinde-Schule, rund 70 Kilometer von ihrem Wohnort Nansana entfernt. Im Rahmen ihres Projektes besuchte sie selbst die Schule und dokumentierte dort das sehr einfache Lernumfeld.

Cousine in Immendingen half

Ihre Cousine stellte so kurzerhand im Kindergarten Sankt Josef in Immendingen eine Spendenbox auf und informierte die Kinder und Eltern über die Zustände in Uganda. Speziell mit den Kindern wurde altersgerecht thematisiert, dass es nicht allen Kindern gleich gut geht, wie ihnen.

Auch Iris Scherer nimmt nun gerne Platz auf den Schulbänken in dem frisch renovierten Klassenzimmer.
Auch Iris Scherer nimmt nun gerne Platz auf den Schulbänken in dem frisch renovierten Klassenzimmer.

So erhielt Iris Scherer pünktlich zu Weihnachten die frohe Botschaft, dass die Kinder beziehungsweise Eltern des Kindergartens sowie ihre eigene Familie rund 1000 Euro gesammelt hatten.

Die Schulkinder der Dorfschule von Kikooba sind überglücklich über ihr neues Klassenzimmer.
Die Schulkinder der Dorfschule von Kikooba sind überglücklich über ihr neues Klassenzimmer.

Gemeinsam mit ihrer Mitbewohnerin organisierte die gebürtige Neudingerin dann den Einsatz der Spenden: Mit dem Geld konnten zwei Klassenzimmer mit Betonboden ausgestattet werden, zehn Schulbänke sowie fünf Lehrerbänke gekauft und sogar der dorfeigene Brunnen repariert werden, was den kompletten Dorfbewohnern einen einstündigen Marsch zum nächstgelegenen Brunnen erspart.

Dank Iris Scherer, ihrer Familie sowie den Kindern und Eltern des Kindergartens Sankt Josef in Immendingen konnte der Dorfbrunnen des Dorfes Kikooba in Uganda repariert werden.
Dank Iris Scherer, ihrer Familie sowie den Kindern und Eltern des Kindergartens Sankt Josef in Immendingen konnte der Dorfbrunnen des Dorfes Kikooba in Uganda repariert werden.

„Ich war völlig überwältigt von der Spendenbereitschaft der Kindergarteneltern und meiner Familie. Es war richtig toll zu sehen, wie viel wir mit dem Geld erreichen konnten.“ Dadurch dass Scherer und ihre Kollegin vor Ort waren, konnten regionale Handwerker beauftragt werden.

Glückliche Dorfbewohner: der reparierte Dorfbrunnen in Betrieb.
Glückliche Dorfbewohner: der reparierte Dorfbrunnen in Betrieb.

Die Neudingerin ist sich dabei bewusst, dass sich in einem halben Jahr die Welt nicht verändern lässt. Aber kleine Dinge lassen sich auch dort bewegen und im Leben einzelner Personen oder kleinen Organisationen ein paar Spuren hinterlassen. Und das Ganze ist auch eine persönliche Lernerfahrung,findet Scherer.

In Uganda wird viel improvisiert

„Während meiner Zeit in Uganda habe ich gelernt, kleine Dinge, die für uns Europäer oftmals selbstverständlich sind, zu schätzen“, sagt sie. Dinge wie eine warme Dusche zum Beispiel oder eine Waschmaschine oder generell fließendes Wasser aus dem Wasserhahn. In Uganda gibt es so etwas zum großen Teil nämlich nicht. Hier wird viel improvisiert und manche Dinge brauchen deutlich mehr Zeit., erinnert sich die Neudingerin zurück.

Zwei Kulturschocks

Des Weiteren erinnert sie sich an ihre zwei Kulturschocks. „Der erste war, als ich in Uganda ankam. Der zweite Kulturschock kam, als ich nach sechs Monaten wieder zurück nach Deutschland kam und ich mich bereits an das bescheidene Leben in Uganda gewöhnt hatte. „Trotz allem kann ich jedem Interessierten empfehlen, die Erfahrung zu machen“, sagt Iris Schere

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