Teils sei das selbst verschuldet, sagt Daniela Held von der in-Fahrschule an der Wasserstraße. Denn bevor es nach absolviertem Theorie-Unterricht zu den Fahrstunden gehe, sei vielen Fahrschülern nicht bewusst, dass der Prüfungsantrag erst dann beim Landratsamt bearbeitet wird, wenn er vollständig abgegeben wurde. Erst dann auch werde er an den TÜV Süd weitergereicht, dem das Prüfungswesen in Baden-Württemberg und Bayern unterliegt. Der TÜV schließlich erteilt den Prüfauftrag: rechtlich der Schritt zum praktischen Fahrunterricht.

Daniela Held von der in-Fahrschule aus Donaueschingen mit Fahrschüler Jakob Uhrhan, der im Fahrsimuator trainiert.
Daniela Held von der in-Fahrschule aus Donaueschingen mit Fahrschüler Jakob Uhrhan, der im Fahrsimuator trainiert. | Bild: Wursthorn, Jens

Doch nicht nur der Schlendrian bildet den Flaschenhals, um in Richtung Fahrprüfung zu gelangen, sondern auch die Corona-Situation. Nach drei Monaten Lockdown sitzen in den Fahrschul-Abenden deutlich weniger Leute, die sich ihre 14 Pflicht-Einheiten erarbeiten.

„Vereinzelt ging das Schülern nicht schnell genug“, so die 42-Jährige. Was begonnen habe, sei ein regelrechter Wechselzirkus: auch wenn es bei anderen Fahrschulen auch nicht schneller voran gehe. Früher sei das einmal im Jahr gewesen, heute müsse sie sich mindestens einmal in der Woche mit dem Thema am Telefon auseinandersetzen.

Reges Wechseln zwischen den Fahrschulen

Die hohe Wechselbereitschaft kennt auch Andreas Weißenberger von der gleichnamigen Fahrschule: „Ich sage den Leuten deutlich, dass es dann auch nicht schneller geht.“ Nach dem Lockdown erlebte der 43-Jährige im Firmensitz an der Wasserstraße einen doppelten Stau an Prüflingen: zunächst die damals prüfungsbereiten Schüler, die nochmals fit gemacht werden mussten, und dazu die „nachwachsenden“ Führerscheinaspiranten. Zeitweise wurden bei halbierter Platzkapazität im Theoriebereich Doppel-Kurse gefahren, um dem Schulungsbedarf Herr zu werden. Weil es Fahrlehrer sind, die die Schulungsabende bestreiten, fehlen diese aber wieder für die Fahrstunden.

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14 Pflichtfahrstunden müssen angehende Autofahrer absolvieren, dazu kommt ein variabler Grundstock, um in Stadtfahrten die Sicherheit über Verkehr und Fahrzeug zu erwerben. Und mehr als die beiden Fahrlehrer in Donaueschingen könne er nun mal nicht aufbieten. Denn die Fahrschulen generell benötigten dringend zusätzliches Personal. Zwar seien freie Urlaubsplanung und Zeiteinteilung tagsüber ein Vorteil, doch die vielen Abendtermine mit Schulungen und Nachtfahrten ein Manko.

Fahrlehrer Hartwig Schreiber von der Fahrschule Top Drive startet mit Peter Reich). Der 17-jährige Schüler hat seine vierte Fahrstunde.
Fahrlehrer Hartwig Schreiber von der Fahrschule Top Drive startet mit Peter Reich). Der 17-jährige Schüler hat seine vierte Fahrstunde. | Bild: Wursthorn, Jens

„Zudem ist nicht jedem Fahrlehrer gegeben, zu unterrichten“, sagt Werner Dunzweiler, der in Donaueschingen die Fahrschule Top Drive betreibt. Das Personalproblem kennt der 60-Jährige ebenso wie das neu entfachte Wechselspiel. Auch an der Villinger Straße sind die Theorie-Plätze reduziert. Dunzweiler schleust seine Fahrschüler in Wochenblocks durch den Theorie-Part. Der nächste freie Intensivkurs startet, mit nur noch wenigen freien Plätzen, im Dezember.

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Schnell bearbeitet würden die Anträge im Schwarzwald-Baar-Kreis, lobt er das Personal im Landratsamt: „Das kann in wenigen Tagen klappen“, zieht er einen Vergleich mit dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit mehrmonatigen Bearbeitungszeiten.

Das sagt der Tüv

Prüfungen hält der Tüv ab. Und auch der hatte coronabedingte Staus. Die zwei Monate Bugwelle an Prüfwünschen ließe sich nicht so schnell einholen, so der Pressesprecher von Tüv Süd, Vincenzo Luca. Zwar werden mehr Termine für die Theorieprüfung angeboten, doch auch das reiche nur, um bei geringeren Platzkapazitäten auf die Prüfungszahlen vor Corona zu kommen. Zusätzliches Personal, um die Spitzen zu überbrücken, könne man wegen der sehr speziellen Ausbildung nicht einstellen. Ortsabhängig habe sich Wartezeit auf die Prüfung auf bis zu sechs Wochen erhöht. Beim Tüv Singen, für die Donaueschinger Fahrschulen zuständig, betrage die Wartezeit aktuell zwei bis drei Wochen. „Das ist fast das Niveau vor der Krise„, so Luca.

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