Herr Böttcher, der Deutsche Wetterdienst hat den Sommer 2020 als „warmen und regional auch sehr trockenen Schaukelsommer“ bezeichnet – können Sie das bestätigen?

Auf jeden Fall. Meine Messdaten sagen nichts anderes als die des Deutschen Wetterdienstes. 2020 war einer der wärmsten und wechselhaftesten Sommer der letzten Jahre – wenn auch nicht so heiß wie 2018 und 2019.

Wissen Sie, um wie viel Grad die Temperaturen auf der Baar vom Durchschnittswert der letzten Jahre abwichen?

Nein, das kann ich leider nicht sagen. Dafür müsste ich meine Daten vollständig auswerten, was sehr aufwendig ist. Meine Geräte zeichnen alle zwei Sekunden auf – da kommt in einem Jahr eine riesige Datenmenge zusammen. Ende Oktober mache ich mir einmal die Mühe und erstelle auch Diagramme, aber nur zum Spaß. Diese Dinge veröffentliche ich nicht auf meiner Website.

War am Sommer 2020 denn etwas besonders?

Eigentlich nicht – es war ein sehr warmer, aber dennoch normaler Sommer. Eines fällt jedoch auf: Wir hatten keine einzige Tropennacht. Das sind Nächte, in denen die Temperaturen durchgängig über 20 Grad liegen. Früher gab es das öfter, obwohl es insgesamt kühler war. Für uns ist das zwar schön, weil wir besser schlafen können. Dass diese starken Temperaturunterschiede innerhalb eines Tages gut für die Natur sind, bezweifle ich aber sehr.

Auch diesen Sommer wurde wieder über die Trockenheit geklagt. Waren die Niederschlagswerte tatsächlich ungewöhnlich niedrig?

Nein, eigentlich nicht. Sowohl meine Daten als auch der Deutsche Wetterdienst sagen, dass die Niederschlagsmenge nicht sehr weit unter dem Soll-Wert liegt. Dass es trotzdem so viele Probleme mit der Trockenheit gibt, hat bestimmt viele Gründe – das kann man nicht so einfach beantworten. Wetter ist so kompliziert und ich habe das natürlich auch nicht studiert, sondern es ist mein Hobby.

Auf Böttchers Dach messen Sensoren die Windgeschwindigkeit.
Auf Böttchers Dach messen Sensoren die Windgeschwindigkeit. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Sehen Sie eine Veränderung über die Jahre?

Ja, ich beobachte seit Jahren, dass es insgesamt immer wärmer wird – aber anders wärmer als früher. Beispielsweise haben wir uns früher abends immer auf die Terrasse gesetzt. Das geht heute nicht mehr – es ist am Abend zu kalt. Genauso am Morgen zum Frühstück. Insgesamt hat sich die Durchschnittstemperatur hier in den letzten 30 Jahren aber um etwa 1,5 Grad erhöht. Da muss man Angst bekommen.

Und die Niederschlagsmenge hat in diesem Zeitraum abgenommen?

Nein, da hat sich der Durchschnittswert über die Jahre hinweg eigentlich nicht sehr verändert. Dennoch gibt es natürlich immer wieder sehr trockene Jahre. Gerade in den letzten fünf Jahren beobachte ich außerdem, dass es sehr lange Phasen gibt: Mal ist es sehr lange warm und trocken, mal sehr lange nass. Und richtige Winter kennen wir ja auch nicht mehr.

Die amerikanische Davis-Wetterstation leistet Böttcher seit vielen Jahren gute Dienste.
Die amerikanische Davis-Wetterstation leistet Böttcher seit vielen Jahren gute Dienste. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Am vergangenen Dienstag wurden an vielen Wetterstationen in Deutschland die höchsten September-Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnung gemessen. Auch bei Ihnen?

Ja, das waren auf jeden Fall Rekordtemperaturen. Seit ich das Wetter beobachte, gab es, glaube ich, nur zwei oder drei Jahre, in denen die Temperaturen im September ähnlich hoch waren. Trotzdem ist das nichts Besonderes, sondern eher eine natürliche Schwankung. Insgesamt passt es aber in den Trend zur Temperaturerwärmung.

Und wie sind die Aussichten?

Es wird auf jeden Fall kühler. Ich denke, es geht vielleicht noch eine Woche und dann haben wir wieder normale Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad.

Fragen: Ann-Kathrin Moritz

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