Es ist ein Rückschlag für das Donaueschinger Kino. Wieder einmal sind die Türen verschlossen, im Kinosaal herrscht gähnende Leere, und das geplante Programm kann nicht gezeigt werden. „Wir stöhnen mit allen anderen im Kulturbereich mit“, sagt Henry Probst, der zusammen mit anderen engagierten Bürgern das Guckloch-Kino in Donaueschingen etabliert hat.

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Dabei hat der erste Lockdown den Verein Guckloch, der seit 2004 in Donaueschingen lange Zeit das einzige Kino betrieb und seit elf Jahren im Cinema an der Friedhofstraße zu finden ist, schon hart getroffen. „Wir hatten einen Stillstandsschaden am Projektor“, erklärt Probst. Für den Verein wurde dieser Stillstandsschaden richtig teuer. Die Hauptplatine war kaputt und musste ersetzt werden. Gleichzeitig nutzte der Verein die Gelegenheit, um etwas aufzurüsten und den Speicherplatz zu erweitern. Am Ende stand eine Rechnung von 10.000 Euro. „Wir mussten dafür einen Kredit aufnehmen“, erklärt Probst. Die Ironie: Nur ein paar Meter weiter steht der alte Projektor aus den 1950er Jahren. Er wird seit Jahren nicht mehr genutzt, wäre aber noch voll funktionsfähig, während die moderne Technik schon nach ein paar Wochen einen Stillstandsschaden hat.

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Jammern wollen die Mitglieder des Vereins Guckloch aber nicht. Die vergangenen Wochen liefen gut. „Wir hatten den Eindruck, dass die Leute froh waren, dass wieder etwas angeboten wird“, blickt Probst zurück. Die laufenden Kosten, die der Verein habe, wären überschaubar: Miete, Heizung und das Ausleihen der Filme. Da die Mitarbeiter alle auf ehrenamtlicher Basis arbeiten, fallen die Lohnkosten weg. „Für uns war es weniger hart als für das Cinebaar“, erklärt Probst. Denn seit 2017 werden in Cinema nicht nur die Guckloch-Filme gezeigt, sondern der Kino-Betreiber Leopold Winterhalder aus Titisee-Neustadt zeigt auch am Wochenende aktuelle Kinofilme.

Henry Probst erklärt SPD-Chef Jens Reinbolz (links) den neuen Projektor, mit dem der Verein Guckloch seine Filme auf die Kinoleinwand projiziert.
Henry Probst erklärt SPD-Chef Jens Reinbolz (links) den neuen Projektor, mit dem der Verein Guckloch seine Filme auf die Kinoleinwand projiziert. | Bild: Jakober, Stephanie

Prinzipiell sieht Probst aber für Kinos eine schlechtere Ausgangslage als für andere Kultureinrichtungen. „Als Kino hat man ein schlechteres Standing als beispielsweise ein Museum oder ein Konzerthaus.“ In Deutschland werde die Filmkultur nicht so wahrgenommen, wie in anderen Ländern. „In Frankreich gibt es beispielsweise Kurse in der Schule und das Thema steht im Lehrplan“, erklärt Gerd Kiefer. Annie Bronner, selbst Französin, versucht sich in einer Erklärung: „Vor 400 Jahren mussten die Bilder in den Kirchen weichen und das Vertonte bekam einen höheren Stellwert.“

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Für die Guckloch-Mitglieder ist die Kinokultur aber um so bedeutender. Viel Zeit investieren sie in die Auswahl der Filme. Mitglieder besuchen Film-Festivals oder schauen die Filme im Ausland, wenn sie dort früher laufen. Die Programmkommission kommt zusammen, jeder stellt seine Filme vor und dann wird diskutiert. Am Schluss steht ein Programm, normalerweise für ein viertel Jahr, aktuell jedoch nur für zwei Monate. „Wir versuchen, alle Genres abzudecken: Dokumentationen, Fiktion, Spielfilme, Kunstfilme...“, zählt Bronner auf. Wichtig ist den Verantwortlichen: Das Werk wird in der Originalsprache mit Untertitel gezeigt. Und so kann man im Cinema durchaus auch einmal georgisch hören. „Das führt immer wieder zu Diskussionen mit unseren Besuchern. Aber bei einer Verfilmung kommen in der Originalsprache die Emotionen und der Ausdruck viel eher rüber“, erklärt Probst.

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist noch offen

Doch über dem Kino hängt ein Damoklesschwert, das nichts mit Corona zu tun hat. „Wir wissen nach wie vor nicht, was in vier Jahren passiert“, erklärt Probst. Das Gebäude soll nämlich abgerissen werden. Zumindest steht es so im Kaufvertrag zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und der Stadt.

Unterstützung fürs Guckloch-Kino

Jens Reinbolz hat im August eine Demonstration unter dem Titel „Donaueschingen ist offen und bunt“ organisiert.

  • Der Anlass: Ausschlaggebend für die Demonstration war eine AfD-Veranstaltung, bei der unter anderem Andreas Kalbitz hätte sprechen sollen. „Es war der Wunsch, dass eine breite Bürgerschaft ein Zeichen gegen braune Gesellen wie Kalbitz setzt.“ Kalbitz kam zwar nicht, dafür aber 400 Demonstranten.
  • Die Spende: Schon im Vorfeld hatte Reinbolz, der in Donaueschingen auch SPD-Chef ist, verlauten lassen, dass es keine parteipolitische Demonstration ist, die von seinem Ortsverein ausgerichtet wird. Die SPD würde aber für jeden Demonstranten einen Euro für das Guckloch-Kino spenden. „Wir wollten eine Einrichtung vor Ort unterstützen und mit seinen Filmen tut das Guckloch viel für die politische Bildung“, erklärt Reinbolz. Die Grünen zogen mit und versprachen, dass sie den Betrag aufrunden würden. Für das Kino kam es aber noch besser. „Während der Demonstration kamen auch viele auf mich zu, weil sie selbst mit einer Spende das Kino unterstützen wollten“, erklärt Reinbolz. So erhält der Verein Guckloch von der SPD eine Spende in Höhe von 500 Euro, von den Kreis-Grünen dann noch einmal 100 Euro.
  • Die Anschaffung: Das Geld ist bereits ausgegeben. „Wir hatten die Chance, eine Leinwand anzuschaffen“, erklärt Henry Probst. Diese Leinwand soll zukünftig für das in Donaueschingen beliebte Open-Air-Kino genutzt werden.