Hannah Schedler

Testung, Impfung und Maske scheinen langsam kein Gesprächsthema mehr zu sein. Schließlich hat sich die Corona-Situation verbessert und auch die Einschränkungen wurden nach und nach aufgehoben. Allerdings gelten in den Pflegeheimen andere Regelungen.

Fürstlich Fürstenbergischen Altenheim in Hüfingen

„Wir haben bei uns im Haus nur vom Gesundheitsamt offiziell genehmigte ungeimpfte Mitarbeitende, also gibt es auch keine Konsequenzen“, sagt Markus Komp.

Markus Komp, Heimleiter, Fürstlich Fürstenbergisches Altenpflegeheim in Hüfingen
Markus Komp, Heimleiter, Fürstlich Fürstenbergisches Altenpflegeheim in Hüfingen | Bild: Roland Sigwart

Zudem sei die Anzahl äußerst gering, da der weit überwiegende Anteil geimpft sei, erklärt der Heimleiter des Fürstlich Fürstenbergischen Altenheims in Hüfingen. „Die Lage ist sehr entspannt und ruhig, es gibt aktuell keine aktuellen Coronafälle, auch bei den Mitarbeitenden“.

Trotzdem ist Corona noch nicht ganz vom Tisch: Deshalb sei die Pflegeeinrichtung äußerst wachsam und konzentriert, gerade in Hinblick auf die Einhaltung und Umsetzung der geltenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Auch seien die aktuellen Reglungen durchschaubar und transparent.

So vorbildlich verhalten sich die Besucher

Doch wissen auch die Besucher von diesen Reglungen und den Besuchseinschränkungen Bescheid? „Hier muss ich ein großes Lob an unser Besucher aussprechen, nahezu alle halten sich an die geltenden Besuchsregeln und auch die einzuhaltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen, wenige Ausnahmen natürlich eingeschlossen“, sagt Komp.

So viele ungeimpfte Mitarbeiter gibt es

Die Besucher des Hüfinger Pflegeheims werden regelmäßig und umfassend über die aktuellen Corona-Regeln, die geltenden Besuchszeiten sowie die Schutzbestimmungen informiert.

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Ein Großteil der Besucher habe auch Verständnis für die Beschränkungen. „Alle haben sich an diese besondere Situation in den Pflegeheimen gewöhnt, auch die Mitarbeitenden. Es finden nur noch sehr selten längere Gespräche dazu statt“, sagt er.

Pflegeheim St. Michael in Donaueschingen

Markus Bonserio, Heimleiter des Pflegeheims St. Michael hat eine klare Meinung: „Meine Meinung zur Impfpflicht ist und bleibt: In einer Demokratie jemanden zu zwingen finde ich fragwürdig, da jeder einen anderen Grund hat sich nicht impfen zu lassen.“

Markus Bonserio, Heimleiter St. Michael in Donaueschingen.
Markus Bonserio, Heimleiter St. Michael in Donaueschingen. | Bild: Lutz Rademacher

Seines Wissens falle die Impflicht zum Januar nächsten Jahres sowie weg. Dass es Konsequenzen für Ungeimpfte geben sollte, sei ihm neu. Aktuell seien die Corona-Regelungen für die Heime verständlich: „Ich muss vieles nicht verstehen, aber ich blicke wie gesagt noch durch“, sagt Bonserio.

Zwar sei er selber mittlerweile fünffach geimpft, trotzdem würde er seine Mitarbeiter nicht zum Impfen zu zwingen, sagt der Heimleiter. Für ihn steht fest: „Klar befürworte ich das Impfen, aber unter Zwang: Nein!“

Nach drei Jahren kommt die Ermüdung

Doch im Donaueschinger Pflegheim St. Michael gibt es positive Nachrichten: Seit zwei Wochen sei das Heim endlich mal frei von Corona. Dennoch ist Corona noch nicht ganz vom Tisch: „Den ganzen Tag mit FFP2-Maske und den ganzen Regeln für die Pflegeheime, ist es nach drei Jahren mittlerweile sehr ermüdend“, sagt er.

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Der Hauptgrund, warum in Pflegeheimen immer wieder Ausbrüche entdeckt werden, sei ja auch, weil hier regelmäßig getestet werde. „Würden wir nicht testen, würden wir viele Positive nicht entdecken, da deren Verlauf absolut symptomfrei ist“, erklärt er. Würde man heute die ganzen Bewohner in Deutschland testen, dann hätte man eine Rekordinzidenzzahl.

Wenig Stress mit Besuchern

Doch zeigen die Besucher Verständnis für die Regeln: „Unsere Besucher akzeptieren es und darüber bin ich sehr froh“. Dafür möchte er auch danken. „Nur vereinzelt gibt es mal Theater am Eingang, aber auch das bekommen wir dann geregelt.“

Schließlich gehe es ja auch um Angehörige, welche man nicht gefährden wolle. Ein Stirnrunzeln gibt es aber: „Unlogisch ist halt etwas, dass Besucher im Heim 1,5 Meter Abstand mit FFP2-Maske halten müssen und draußen mit den Angehörigen ohne Maske ins Café dürfen.“

So handhaben es die Landratsämter

„Das Gesundheitsamt hat bis jetzt keine Betretungs- oder Betätigungsverbote ausgesprochen“, sagt Heike Frank für das Landratsamt Schwarzwald-Baar. „Bei ungeimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde ein entsprechendes Verwaltungsverfahren eröffnet und die Stellungnahme auf den Erlass eines Betretungs- oder Betätigungsverbotes geprüft“, erklärt die Pressesprecherin.

Heike Frank, Sprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar.
Heike Frank, Sprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar. | Bild: Heike Frank Landratsamt

Wurden vollständige Impfnachweise oder Genesungszertifikate vorgelegt, wurde der Fall eingestellt. Im Fall, dass die betroffene Person am Verfahren nicht mitwirkte, wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet und gegebenenfalls eine Verwarnung ausgesprochen oder ein Bußgeld erlassen, so Frank.

So viel kostet das Bußgeld

„Die Erteilung eines solchen Verbotes liegt im Ermessen des Gesundheitsamtes. Davon hat das Gesundheitsamt Gebrauch gemacht“, bestätigt Muriel Eikmeyer vom Landratsamt Tuttlingen. Anstelle eines Tätigkeits- und Betretungsverbotes wurde ein Bußgeldverfahren gegen die Betroffenen eingeleitet, sagt die Pressesprecherin.

Muriel Eikmeyer, Pressereferentin Landratsamt Tuttlingen.
Muriel Eikmeyer, Pressereferentin Landratsamt Tuttlingen. | Bild: Martin Ciupka

Das verhängte Bußgeld betrug 300 Euro. Bislang wurden 99 Bußgeldbescheide an Personen in medizinischen Einrichtungen im Landkreis Tuttlingen erlassen. „Das Erfordernis zur Vorlage eines Immunitätsnachweises wurde nicht gekippt, sondern lediglich nicht verlängert. Eine Befristung dieser Verpflichtung ist aus Gründen der Rechtmäßigkeit, insbesondere aus Gründen der Verhältnismäßigkeit, erforderlich gewesen“, so Eikmeyer.