Die Pflanzenerträge auf der Baar sind allenfalls durchschnittlich ausgefallen, so eine vorläufige Erntebilanz. Diese Durchschnittsmenge gelte für alle Arten hinweg, sagt der Regionalleiter der ZG Raiffeisen Donaueschingen, Edgar Isele.

3000 Tonnen in drei Tagen

Im Grunde sei man positiv überrascht, wie sich das Ergebnis nach den trockenen Monaten April und Mai noch in eine positive Richtung entwickelte. „Da regelt die Natur vieles einfach selbst“, schmunzelt Isele. Die Zeit der Ernte fiel extrem kurz aus und endete im Wesentlichen vor wenigen Tagen mit rekordverdächtigen Mengenbewegungen. „Von Samstag bis Montag haben wir rund 3000 Tonnen Getreide erfasst. Das ist etwa die Hälfte der Gesamtmenge“, so der Regionalleiter.

Der dritte Schnitt fehlt

Von relativ durchschnittlichen Ergebnissen in den Bereichen Ackerbau und Getreide spricht auch Uwe Münzer. Der Landwirt betreibt den Tafelackerhof in Neudingen und ist Vorstandsmitglied beim BLHV-Kreisverband Donaueschingen. Seine Sorgen gelten indes dem Grünland, wo die Viehhalter das Winterfutter für ihre Tiere erwirtschaften. Zwei Schnitte seien in Ordnung gewesen, doch beim dritten Schnitt, der in der Regel siliert wird, „wächst einfach nichts mehr“. Es fehle die Menge, weiß er von Berufskollegen.

Natürlich sei die Trockenheit ein großes Thema für die Landwirte. Im Moment leide auch der Mais, im Wesentlichen ebenfalls Viehfutter, unter den viel zu spärlichen Niederschlägen. „Das Wachstum ist reduziert, über die Qualität weiß man noch nichts“, so Münzer weiter.

Edgar Isele, Regionalleiter der ZG Raiffeisen Donaueschingen zeigt Weizen, den Maschinenring-Fahrer Arno Merz aus Kirchen-Hausen gebracht hat.
Edgar Isele, Regionalleiter der ZG Raiffeisen Donaueschingen zeigt Weizen, den Maschinenring-Fahrer Arno Merz aus Kirchen-Hausen gebracht hat. | Bild: Wursthorn, Jens

Dass im Schwarzwald und auf der Baar im dritten trockenen Jahr in Folge Weide- und Futterflächen knapp geworden sind, weiß auch der Maschinenring Schwarzwald-Baar. „Viele Landwirte müssen bereits jetzt wieder einstallen und das Winterfutter anbrechen, um ihre Tiere ausreichend zu versorgen“, heißt es auf der Facebook-Seite der Vereinigung. Aus der Not entstanden ist eine Solidaritätsaktion für betroffene Berufskollegen, wie Gregor Lange vom Maschinenring erläutert. Sie funktioniert in Form einer Börse.

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Für Mitglieder, die durch die Trockenheit besonders betroffen sind, werden Weide-, Grünland- und Maisflächen gesucht, die geerntet werden können. Wer diese Flächen nicht benötigt, kann sich bei der Maschinenring-Geschäftsstelle unter der Nummer 07 71/92 99 90 melden. Die Vermittlung übernimmt der Maschinenring auch dann, wenn Landwirte über einen größeren Vorrat an Grassilo- und Maisballen sowie Heu und Öhmd verfügen, den sie nicht für den eigenen Bedarf benötigten.

Standort ist wichtig

Erträge hängen nicht nur von den Regenmengen, sondern auch von den Standorten ab, sagt Manuel Krawutschke, Sachgebietsleiter Pflanzenbau am Landwirtschaftsamt Donaueschingen. Stark tonige Böden seien bezüglich der Wasserspeicherung im Nachteil, sandige Lehmböden dagegen ideal.

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Wegen der zunehmenden Trockenheit und den daraus resultierenden Problemen bei der Grünlandbewirtschaftung machten sich Landwirtschaft und Behörde ihre Gedanken. „Natürlich gibt es Arten, die trockenheitsverträglicher sind. Allerdings müssen die sich auch durchsetzen können“, so Krawutschke. Wiesenrispe, Knaulgras oder Rohrschwingel sind drei besonders robuste Pflanzenarten in einem breit gefächerten Segment. Alle in Deutschland vorkommenden Grünlandtypen zusammengenommen beherbergen über 1000 Pflanzenarten, informiert beispielsweise die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen auf ihrer Homepage.

Luzerne wird empfohlen

Die ideale Grünlandpflanze indes gebe es nicht, gibt Krawutschke zu Bedenken. Ertrag und Qualität können je nach Standort ganz unterschiedlich ausfallen. Als hitzeresistentes Ackerfutter hält der Sachgebietsleiter die Luzerne und den Raps als Tiefwurzler als geeignet. Beim Getreide sieht er den auf der Baar wenig angebauten Roggen und die Triticale, eine Kreuzung als Weizen und Roggen als trockenheitsresistentere Feldfrüchte.

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In die Überlegungen einbinden müsse man dabei auch den Zeitpunkt, wann die Trockenheit eintritt. Waren 2018 und 2019 insbesondere die Sommermonate heiß und trocken, fehlten in diesem Jahr die Niederschläge im Frühjahr. Mit der Folge etwa, dass die Winterkulturen wie Wintergerste oder Triticale eher unterdurchschnittliche Erträge erbrachten, die Sommerkulturen wie Weizen, Dinkel, Sommergerste und Hafer ein besseres Ergebnis erzielen dürften. Ob sich der Mais noch bis zur Ernte Mitte/Ende September erholt, sei von den dringend notwendigen Niederschlägen abhängig.

Letztlich aber seien die Landwirtschaft von der Natur abhängig und Erträge nicht vorab berechenbar. Landwirte seien deshalb gut beraten, wenn sie sich breit aufstellten und ihre Äcker und Felder nicht nur mit ein oder zwei Kulturen bestellten, so Krawutschke abschließend.

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