„Wir haben zwei große Fragezeichen für die Zukunft“, sagt Probst. Seit mehr als 15 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich und sorgt dafür, dass die Donaueschinger mit dem Guckloch ein Kinovergnügen in der Stadt haben. Er war es, der auf ehrenamtlicher Basis die Durststrecke von der Schließung des Kinos im heutigen Art-Plus bis zur Cinebaar-Eröffnung im Herbst 2017 überbrückte. Doch wie soll es mit dem Kino in Donaueschingen weitergehen? Diese Frage stellt sich nicht nur Henry Probst, sondern auch Leopold Winterhalder, der am Wochenende in Donaueschingen aktuelle Kinofilme bietet.

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Grund der Sorge ist die Tatsache, dass nicht mehr die Bundesagentur für Immobilienaufgaben (Bima) der Besitzer des Cinema-Gebäudes ist, sondern die städtische Konversions- und Entwicklungsgesellschaft (KEG). Jetzt ist es bei Weitem nicht so, dass im Rathaus kinofeindliche Menschen sitzen und sich freuen, Probst und Winterhalder das Leben schwer zu machen. Das Cinema-Gebäude ist Teil der Konversionsfläche und als die Stadt dem Bund den letzten Teil des Geländes abgekauft hat, war darunter auch das Cinema. Oder vielmehr das Gelände. Denn das Gebäude wurde mit einem Wert von null Euro bewertet.

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„Geht es weiter oder ist das das Ende für uns?“, fragt sich Henry Probst. Aus Sicht des Guckloch-Vereins gebe es keine alternativen Gebäude, die für ein Kino in Frage kommen. „Wir haben schon vieles abgeklappert“, sagt Probst, der die Hoffnung hat, gemeinsam mit der Stadt einen Weg zu finden, das Cinema-Gebäude zu erhalten. Eine andere Alternative wäre, etwas im Zusammenhang mit dem Neubau der Realschule zu realisieren.

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Und genau das ist das Problem: Reißt die Stadt das Gebäude nicht innerhalb der kommenden vier Jahre ab, wertet die Bima es nicht mehr als wertlos, sondern möchte nachträglich Geld dafür haben. Die Rede ist von 100 000 Euro. So soll es der Vertrag vorsehen. „Die Stadt hat ein großes Interesse am Kinobetrieb. Deshalb würde ich jetzt die Sorge vor dem Ende in vier Jahren nicht zu hoch hängen“, sagt OB Erik Pauly. Die KEG suche aktuell nach Alternativen, beispielsweise einem Investor oder einem anderen Gebäude. „Keiner hier sagt: In vier Jahren rückt der Bagger an und es ist uns egal, was aus dem Cinebaar wird“, sagt das Donaueschinger Stadtoberhaupt und fügt hinzu: „Wir werden Lösungen suchen, dafür haben wir vier Jahre Zeit.“

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Doch Henry Probst hat noch ein anderes Problem, das die Stadt aber ebenfalls lösen könnte. „Die Stadt hat uns zugesagt, uns das Cinema bei gleichen Pachtkosten zu überlassen“, erklärt Probst. Die Pachtkosten in Höhe von 6500 Euro sind auch nicht das Problem, sondern die Nebenkosten. „Die müssen wir laut Vertrag nicht bezahlen und die 3000 bis 4000 Euro würden den Verein überfordern.“ Das Problem ist allerdings, dass der Vertrag mit der KEG geschlossen wurde. Die ist zwar laut OB nicht auf einen Profit aus, einfach den Verein bezuschussen, indem sie die Nebenkosten übernimmt, gehe aber auch nicht.

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Probst beschreibt aber nicht nur das Problem, sondern auch gleich eine Lösung: „Unser Antrag lautet: Die Stadt unterstützt uns mit 2000 Euro zusätzlich zu den bestehenden 4500 Euro. Weitere 1000 Euro könnten über die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) finanziert werden“, so Probst. Im Kulturausschuss scheinen die Stadträte nicht abgeneigt, klar sprechen sie sich für das Kino aus. Doch entscheiden können sie in diesem Gremium nichts. Nun soll sich der Gemeinderat mit dem Thema bei den Haushaltsberatungen, die für kommunalpolitische Cineasten wohl zum ganz großen Kino werden, beschäftigen.

Von den Museumslichtspielen bis hin zum Cinebaar: die Geschichte des Kinos

Die Geschichte des Kinos in Donaueschingen reicht lange zurück und war von Umbrüchen geprägt.

 

  • Der Beginn: Mit der Eröffnung der „Museumslichtspiele“ im heutigen Museum Art-Plus beginnt 1937 in Donaueschingen eine Kino-Ära, die erst fünf Jahrzehnte später endet. In die Zeit des Wirtschaftswunders fällt die Erweiterung des Kinobetriebs, der eng mit dem Namen der Unternehmerfamilie Glyckherr“ verbunden ist, um die „Park-Lichtspiele“. Im Volksmund beinahe liebevoll „das Museum“ genannt, bezog das Kino mit seinen beiden Sälen seinen Reiz auch aus seinem nostalgischen Charme.
  • Die Hochzeit: Das Kino am Schlosspark war noch bis weit in die 90er-Jahre hinein eine feste Größe im Kultur- und Unterhaltungsangebot der Stadt, das auch zahlreiche Besucher aus der näheren Umgebung anzog. Standen Kassenschlager auf dem Programm, bildeten sich an der Kasse lange Warteschlangen, die teilweise bis zur Josefstraße reichten, etwa als in den 1980er-Jahren des vorigen Jahrhunderts „E.T.“ unbedingt nach Hause telefonieren wollte.
  • Das Ende: Der letzte Vorhang im traditionsreichen Lichtspielhaus am Schlossparkeingang fiel Ende März 2007. Lange Zeit hatte das Betreiber-Team gegen das Ende angekämpft, schließlich siegte die betriebswirtschaftliche Vernunft. Die Zuschauer waren schon längst nur noch spärlich gekommen, Kinovorstellungen gab es nur noch an den Wochenenden. In Gebäude und Technik hätten enorme Summen investiert werden müssen, um das Kino so zu modernisieren, dass es wieder konkurrenzfähig geworden wäre im Wettbewerb mit den großen Kinohäusern in der Region.
  • Der Versuch der Rettung: Zur Chefsache erklärte der damalige OB Thorsten Frei die Suche nach einem Investor für ein neues, modernes Kino in Donaueschingen, als Ende 2006 klar war, dass im traditionsreichen Museums- und Parkkino die Lichter für immer ausgehen werden. In einem Mittelzentrum wie Donaueschingen sollte ein kleines kommerzielles Kino mit zwei bis vier Sälen durchaus konkurrenzfähig sein, lautete die Grundüberlegung, die man bei der Stadtverwaltung anstellte. Kontakte zu potenziellen Investoren gab es damals laut Stadtverwaltung auch durchaus.
  • Die Alterative: Seit 2004 gibt es das Kommunale Kino Guckloch in Donaueschingen und seit elf Jahren ist das Cinema an der Friedhofstraße, in den Räumlichkeiten des ehemaligen französischen Kinos, zu finden. Es sorgt mit seinem nach künstlerischen Aspekten ausgewählten Programm dafür, dass Cineasten aus Donaueschingen ohne lange Anfahrtswege auf ihre Kosten kommen. Im Herbst 2017 wurde das Kinoangebot in der Stadt erweitert. Der Kinobetreiber Leopold Winterhalder aus Titisee-Neustadt zeigt im Cinebaar – ebenfalls im Cinema-Gebäude – seither auch am Wochenende aktuelle Kinofilme. (tom/jak)

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