Sportliche Ausrichtung kontra Verbreiterung in Richtung Freizeitsport: Bei den Eisstockschützen prallen gegenwärtig Auffassungen aufeinander. Mit personellen Konsequenzen. Wilfried Dreher spielt nicht mehr für seinen Verein. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern, die vor nunmehr 26 Jahren die Donaueschinger Eisstockschützen-Gesellschaft (DEG) „Eiswiese“ mit aus der Taufe gehoben haben. Zwischen 1998 und 2014 leitete er den Verein als Vorsitzender, dessen Vorstand er aktuell immer noch als Beisitzer angehört. Doch das könnte sich ändern, denn es knirscht im sportlichen Zusammenleben. Dreher hat seine Zugehörigkeit zur Herren-Mannschaft aufgegeben und ist zur Eisstockschützengemeinschaft (ESG) Mönchweiler gewechselt.

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Dort trainiert er bereits und dort wird er ab Oktober in der zweiten Bundesliga spielen: in derselben Liga wie die DEG. Die DEG habe ihn bereits freigeben, sagt er. Das sei im Spielerpass mit Unterschrift und Stempel bestätigt. Als Grund nennt der 73-Jährige sportliche Gründe. Es gebe kaum noch einen Spielbetrieb, das Damenteam sei überhaupt aufgelöst. Die Spielerinnen hätten teils aufgehört oder seien ebenfalls nach Mönchweiler gewechselt. „Ich will einfach meinen Sport weiter betreiben“, fügt Dreher an.

Freuen sich über die sehenswerte und gelungene Ausstellung (von links): Franz Oschwald (Eisstockschützen), Stefanie Feger (Stadt Donaueschingen), Vanessa Leute (Sparkasse Schwarzwald-Baar) Wilfried Reinbolz (Eisstockschützen).
Freuen sich über die sehenswerte und gelungene Ausstellung (von links): Franz Oschwald (Eisstockschützen), Stefanie Feger (Stadt Donaueschingen), Vanessa Leute (Sparkasse Schwarzwald-Baar) Wilfried Reinbolz (Eisstockschützen). | Bild: Franz Oschwald

Relevanter für die Öffentlichkeit dürfte die Betreuung der Eiswiese im Winter sein. Hier hat sich Dreher in den vergangenen Jahren persönlich jeweils über die Winter-Monate als Eismacher engagiert. In dieser Aufgabe stand er über den Verein auch in der Verantwortung gegenüber der Stadt Donaueschingen. Denn die Eisstockschützen erhalten seit Jahren eine Vergütung dafür, dass sie die Eiswiese im Winter zum Schlittschuh-Paradies für jedermann herrichten.

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Parallel zum sportlichen Abschied wird sich Dreher auch nicht mehr um die Eiswiese kümmern. Er nennt vereinsinterne Differenzen als Grund, Gegenwärtig herrscht wegen Corona Funkstille, die Mitgliederversammlung sei ausgefallen. Der Schnitt ist für Dreher vollzogen, Schlüssel und Vereinskleidung habe er schon abgegeben.

„Der Spielerwechsel ist erfolgt“, bestätigt Franz Oschwald aus dem Vorstand der Eisstockschützen. Wilfried Dreher habe um die Freigabe gebeten, weil er sich andere sportliche Möglichkeiten erhofft. Das sei ein ganz normaler Vorgang. In einer Hinsicht widerspricht Oschwald dem scheidenden Mitgründer. „Wir haben durchaus noch genügend Herren, die spielen können“, sagt er. In der Tat gebe es aber keine Damenmannschaft mehr.

Der Hauptverantwortliche der Eisstockschützen für die Eiswiese, Wilfried Dreher, hofft, dass seine Bohrmaschine zum Messen der Eisdicke auch in diesem Winter noch zum Einsatz kommt.
Der Hauptverantwortliche der Eisstockschützen für die Eiswiese, Wilfried Dreher, hofft, dass seine Bohrmaschine zum Messen der Eisdicke auch in diesem Winter noch zum Einsatz kommt. | Bild: Müller, Jürgen

Coronabedingte Einschränkungen muss Oschwald gleichwohl einräumen. Andere Vereine könnten jetzt im Sommer wenigstens einen eingeschränkten Trainingsbetrieb anbieten, „bei uns geht da leider gar nichts“, bedauert er. Der Grund liegt in den sehr behelfsmäßigen sanitären Anlagen im Schlosspark. Die Eisstockschützen müssen sich dort mit einer Behelfstoilette plagen und und fließend Wasser fehlt, um die Corona-Hygienebestimmungen korrekt umzusetzen.

Freuen sich über die sehenswerte und gelungene Ausstellung (von links): Franz Oschwald (Eisstockschützen), Stefanie Feger (Stadt Donaueschingen), Vanessa Leute (Sparkasse Schwarzwald-Baar) Wilfried Reinbolz (Eisstockschützen).
Freuen sich über die sehenswerte und gelungene Ausstellung (von links): Franz Oschwald (Eisstockschützen), Stefanie Feger (Stadt Donaueschingen), Vanessa Leute (Sparkasse Schwarzwald-Baar) Wilfried Reinbolz (Eisstockschützen). | Bild: Eric Dörr

Dieser Zustand soll sich im nächsten Jahr grundlegend ändern. „Wir sind da im Gespräch mit dem Haus Fürstenberg.“ Stimmt mit einer neuen Anlage das sanitäre Umfeld auf dem Trainingsgelände, kann der Verein weiter an einem Umbau seiner Ausrichtung arbeiten. „Wir wollen ein bisschen weg vom speziellen Sport- und Turnierverein“, verrät Oschwald und sieht damit Chancen, neue Interessenten fürs Eisstockschießen zu gewinnen. Als Angebot für Freizeitsportler, Familien mit Kindern, Feriengäste oder auch als buchbares Firmen-Event.

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Die Eiswiese werde von den Eisstockschützen auch weiterhin im Winter betrieben und gepflegt, kündigt Oschwald weiter an. „Das wird funktionieren“, fügt er an, ohne Namen zu nennen. Reibungslos fortgesetzt werde eine sehr umfängliche Verpflichtung, die sich nicht nur auf die kalte Jahreszeit beschränke. Das fange schon damit an, dass der Traktor, der die Eisfläche vom Schnee befreit, das ganze Jahr über in Schuss gehalten werden muss.

In den vergangenen Jahren stand hinter dem großen Aufwand, im Schlosspark eine glatte und vor allem sichere Eisfläche zu erstellen, ein geringes Ergebnis. Kaum eine Handvoll Schlittschuhtage stehen in den Wintern 2018/19 und 2019/20 in der Bilanz.