Ein anderer Blick aufs Leben, ein geändertes Freizeitbewusstsein oder ein neues Arbeitszeitmodell: Die vergangenen Monaten öffneten auch Türen. Mitunter in Richtung eines lange gehegten Wunsches. Warum nicht endlich einen Hund anschaffen? Für diesen Trend gibt es auf der Baar durchaus Anzeichen.

Julia Birk leitet die Hundeschule Hundepark Birk. „Corona-Phänomen“ nennt sie die Entwicklung, die sie schon seit geraumer Zeit auch in den sozialen Netzwerken beobachtet. „Da spricht es sich nicht nur rum, es bekommt auch gleich einen warnenden Charakter“, ergänzt sie. Denn Skeptiker sähen die Gefahr, dass Menschen mit einem plötzlich höheren Zeitbudget eher aus dem Bauch heraus „auf den Hund kommen“, ohne die langfristige Verpflichtung zu sehen. Diesem Vorwurf möchte sich natürlich auch niemand aussetzen, wenn er in ihre Hundeschule kommt. „Da sagt keiner, dass er jetzt wegen Corona und Homeoffice einen Hund kauft“, so Birk. Es war immer ein Wunsch. Jetzt passt es. Das sind die Aussagen, die sie hört.

Nicht mehr unbedingt auf den höchsten Berg

Dazu komme: Wer sich mit seinem Hund in die Hundeschule begibt, hat sich mit dem Thema schon ernsthaft befasst. „Das ist schon ein längerer Prozess.“ Aber die vergangenen Monate haben einen großen Anteil daran, dass der Wunsch nun tatsächlich umgesetzt wird. Plötzlich müsse man nicht mehr auf den höchsten Berg steigen. Seine Freizeit in der Nähe zu verbringen und es etwas ruhiger angehen zu lassen, werde zunehmend geschätzt. Erfreulich sei dabei, dass sich offenbar Familien und junge Paare verstärkt mit dem Thema Hund befassen.

Julia Birk, Tochter Liska Baronin von Luttitz und die Hunde Junior und Eida.
Julia Birk, Tochter Liska Baronin von Luttitz und die Hunde Junior und Eida. | Bild: Hundepark Birk

Ein größeres Interesse, sich einen Hund anzuschaffen, hat auch Jörg Liebermann festgestellt. Die Vereinsarbeit habe Corona-bedingt geruht und wurde ab Mitte Juni schrittweise wieder hochgefahren, sagt der Vorsitzende des Vereins der Hunderfreunde Donauschingen. Jetzt gebe es in der Welpenschule einige Neuzugänge, so Liebermann. Er sieht das durchaus als Bestätigung des Trends. Liebermann ist selbst Hundezüchter. Er hat sich der Rasse Riesenschnauzer angenommen. Die Nachfrage nach Welpen sei immer ausgeprägt. Deutlich zugenommen hätten aber Voranfragen.

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Für Nadine Vögel, Leiterin des Donaueschinger Kreistierheims, kam das Interesse durchaus überraschend. „Eigentlich hätte ich gedacht, dass wir während Corona weniger Hunde vermitteln“, sagt sie. Über ein Statistikprogramm lasse sich der Jahresvergleich ziehen. Mai und Juni wurden 2019 wie 2020 rund 40 Tiere vermittelt, davon zehn Hunde. Häufig sei die Vermittlung schwierig. „Den Hundetypus kniehoch, kinderlieb, sozialverträglich und zwei bis drei Jahre alt könnte ich jeden Tag vermitteln“, sagt sie. Ja, telefonische Anfragen gebe es oft, durchaus vernünftiger Art.

Nadine Vögel und Luis Obergfell stellen vor dem Kreistierheim Januk und Malik vor. Beide Hunde suchen ein neues Zuhause.
Nadine Vögel und Luis Obergfell stellen vor dem Kreistierheim Januk und Malik vor. Beide Hunde suchen ein neues Zuhause. | Bild: Wursthorn, Jens

Statt des Idealtypus nehme das Tierheim aber häufiger Hunde auf, die durch ein schwieriges Vorleben geprägt sind. „Die brauchen erfahrene neue Besitzer, die bei Bedarf konsequent erziehen.“ Im Tierheim wird diese Vermittlung Schritt für Schritt vorbereitet. Acht Hunde warten derzeit auf ein neues Zuhause.

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Ein guter Anfang sei es, wenn der Hundebesitzer in spe und sein Wunschvierbeiner zunächst regelmäßig spazieren gehen: auch eine gute Übung in Richtung regelmäßiger Verantwortung. Homeoffice sei durchaus ein Thema. „Ich habe eine Kundin im Homeoffice. Doch die möchte mit ‚ihrem‘ Hund erst unter Normal-Bedingungen spazieren gehen.“

Anmeldezahlen sind gleich geblieben

Beim Donaueschinger Tierarzt Roland Dillmann werden derzeit nicht viel mehr Junghunde als zuvor in die Praxis gebracht. Er sieht möglicherweise schon die Folgen des Freizeit-bedingten Hundebooms. Jetzt, wo der Zeitmangel wieder zunehme, würden in Kleinanzeigen wieder mehr Tiere abgegeben, sagt er. Und wie wirkt sich der Trend fiskalisch aus – Stichwort Hundesteuer? Bisher noch nicht, sagt Rathaussprecherin Beatrix Grüninger. Die Hunde-Anmeldungen sind gegenüber den Vergleichsmonaten im Vorjahr konstant geblieben. 44 verzeichnete die Stadt zwischen März und Juni dieses Jahres, 43 waren es im Vorjahr.