In fünf Tagen sollte bei den Taxiunternehmen eigentlich die Kasse klingeln. Wie jedes Jahr. Doch heuer macht Corona nicht nur das Silvestergeschäft kaputt, sondern beutelt die Betriebe mit weiteren Einschränkungen. Allerdings kommen die Donaueschinger Betreiber derzeit ganz unterschiedlich durch die Krise. Schülertransporte und Krankenfahrten, so zeigt sich bei einer Umfrage, sind wichtige Einnahmequellen.

Reserven sind aufgebraucht

„Die Fahrkundschaft ist einfach weg“, konstatiert Erika Stefan von Taxi Donau. Sie fährt derzeit keine Reha-Patienten aus der Stadt in die Klinik und kann Discogänger ganz abschreiben. Dabei sind letztere Freitag- und Samstagnacht ihre Haupteinnahme. Zum Glück sind ihr noch ein paar Krankenfahrten übrig geblieben. Ihre finanziellen Reserven hat Erika Stefan, seit 30 Jahren Taxiunternehmerin, zuletzt in den laufenden Betrieb gesteckt. Jetzt, kurz vor der Rente, ist da „alles weg“.

„Das Schicksal nicht herausfordern“

Und wenn es doch Anrufe gibt an Silvester, der Nacht, in der normalerweise mehr Einnahmen winken, als ein Minijobber pro Monat verdienen kann? „Vielleicht nehme ich keine Aufträge an“, meint die 67-Jährige. Sie müsse das Schicksal nicht herausfordern. Denn mit angetrunkenen Fahrgästen sei der coronadiktierte Mindestabstand schwer einzuhalten.

70 Prozent weniger Umsatz

„Der Markt nachts ist ganz kaputt“, sagt Faruk Akpolat, der seit 20 Jahren die Firma City Taxi führt. Tagsüber spielen derzeit noch Patientenfahrten zu Fachärzten oder Behandlungsterminen eine Rolle. Wo im Krankenhaus der stationäre Betrieb eingeschränkt ist, seien derzeit aber auch keine Taxi-Heimfahrten notwendig. Um 70 Prozent sei der Umsatz zurückgegangen, schätzt der 55-Jährige, der zwei feste Mitarbeiter und acht Aushilfen beschäftigt. Kurzarbeit hat er angemeldet. „Aber wie lange können wir uns da noch über Wasser halten“, so die bange Klage. 2021, da ist er sich sicher, „müssen wir noch länger durchhalten“.

Warten auf Laborfahrten

Von den vier Autos stehen derzeit zwei meist ständig. Das Abendgeschäft könne Akpolat während der Ausgangssperre abhaken. „Eigentlich könnte ich um 18 Uhr abschließen“, meint er. Das geht aber nicht, weil eventuell noch Laborfahrten anstehen. Zum Glück. Und Silvester? „Da hatten wir immer drei bis vier Fahrzeuge voll laufen“, sagt der Taxiunternehmer. Das reichte, um Stammkunden schnell zu bedienen. Dieses Jahr werde er bestenfalls alleine fahren.

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„Wir sind noch zufrieden“, sagt Gerald Vogt, der die Taxi-Zentrale Vogt mit Standorten in Donaueschingen und Löffingen betreibt. Bei rund 50 Beschäftigten und 21 Autos ist das Unternehmen bei den Schülertransporten gut aufgestellt. Und wenn die Schule tatsächlich wieder am 11. Januar losgeht, „dürfen wir nicht klagen“, so der Firmenchef. Bei diesen Aussichten schmerzt auch der Umstand nicht zu sehr, dass die Silvester-Vorbestellungen gegen Null gehen. Gleichwohl seien die Fahrer nicht unglücklich, wenn sie in dieser Nacht nicht fahren müssen. Seit dem ersten Lockdown, als Kurzarbeit angesagt war, konnte das Unternehmen inzwischen wieder in Vollbesetzung arbeiten, seit die vorgezogenen Schulferien begonnen haben, sind nur noch acht Autos in Betrieb.

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„Dieses Mal können wir Sprit sparen“, sagt Robert Scherer und begegnet dem Silvesterausfall mit Galgenhumor. Der 65-Jährige führt seit 1994 das 1964 gegründete gleichnamige Taxiunternehmen. Auf 40 Prozent schätzt er sein Minus im Corona-Jahr. Von ehemals fünf Aushilfskräften ist nur noch eine an Bord. Zusammen mit der Aushilfskraft und einem Festangestellten werden zwei Fahrzeuge bewegt.

Scherer strebt mehr Krankenfahrten an

Im ersten Lockdown war das Unternehmen zeitweise in Kurzarbeit und bekam Corona-Hilfe. Jetzt ist Kurzarbeit kein Thema. „Mehr Krankenfahrten„, sieht der 65-Jährige als zusätzliche Einnahmequelle. Das funktioniere aber nur als Mundpropaganda: Wenn es sich herumspricht, „dass man es vernünftig macht“. Das Jahr 2021 könne es nur besser werden. Konkret meint Scherer: „Wenn die Impfung kommt.“ Nach Scherers Prognose könne das schon im Mai oder Juni sein.