Wenn ein Ort erst seinen 1200. Geburtstag feiert und dann seinen 1150. ging irgendetwas schief. Oder man ist eben in Neudingen. Dort lässt man sich auch nicht von einem zufällig entdeckten Lapsus der Historie von einem ordentlichen Jubiläumfest abhalten.

Denn eigentlich hatte 1972 schon die 1200-Jahr-Feier stattgefunden, und so wollten die Neudinger eigentlichen den 1250. Geburtstag ihres Dorfes feiern. Doch bei den Vorbereitungen verschwanden einfach so 100 Jahre.

Kann ja mal passieren, dachten sich wohl die Neudinger und feierten drei Tage lang getreu dem Motto „Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen“ mit tausenden von Besuchern ihr Jubiläum.

Im Mittelpunkt stand der Festakt im Park der einzigartigen Kulisse, welches die Fürstenberg-Fürstliche Gruftkirche zu bieten hat. Den musikalischen Auftakt übernahm die einheimische Musikkapelle.

„Wir feiern vor unserem inoffiziellen Wahrzeichen „Gruftkirche“ ein Jubiläum, das wir in gemeinsamer Anstrengung zwischen dem Ortschaftsrat, den Vereinen und diversen Bürgerinnen und Bürgern auf die Beine gestellt haben“, sagte Münzer. Der Neudinger Ortsvorsteher dankte insbesondere Mathias Huber und Bernd Matt, die innerhalb des Festkomitees reichlich Verantwortung übernommen hatten.

Ortsvorsteher Klaus Münzer eröffnet den Festakt zum 1150. Geburtstag von Neudingen.
Ortsvorsteher Klaus Münzer eröffnet den Festakt zum 1150. Geburtstag von Neudingen. | Bild: Rainer Bombardi

Oberbürgermeister Erik Pauly sprach von einer bewegten Geschichte eines Ortes, der sich nach holprigem Start im Jahr 1972 immer besser mit Donaueschingen arrangierte.

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Nach aktuellem Stand profitierte der Ort seit der Eingemeindung von einer Investitionssumme in Höhe von 13,5 Millionen Euro, welche die Stadt zur Optimierung der Infrastruktur einsetzte. Und er geizte nicht mit Charme: „Einer der schönsten Ortsteile von Donaueschingen feiert seinen 1150. Geburtstag.“

Heimatgefühle wecken bei der gebürtigen Neudingerin Andrea Singer die Fotografien der IG Baukultur. Ehemann Frank lässt sich die Motive ...
Heimatgefühle wecken bei der gebürtigen Neudingerin Andrea Singer die Fotografien der IG Baukultur. Ehemann Frank lässt sich die Motive erklären. | Bild: Rainer Bombardi

Dezernatsleiterin Silke Lanninger vom Landratsamt hob die Gemeinschaft als ein Markenzeichen für einen ländlich strukturierten Ort hervor. Der Festvortrag von Klemens Joss erforderte während 60 Minuten die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums.

Im Park der Gruftkirche gibt es während dem Festakt nur noch wenige freie Sitzplätze.
Im Park der Gruftkirche gibt es während dem Festakt nur noch wenige freie Sitzplätze. | Bild: Rainer Bombardi

Die Besucher erfuhren detaillierte Informationen über die bewegte Historie des Ortes. So datiert die Gründung von Neudingen wohl auf das Jahr 775 und nicht 772. Gemäss OB Pauly gibt es Fundstücke, die auf eine Gründung im Jahr 550 hinweisen.

Sicher erscheint nur, dass Neudingen über Jahrhunderte ein überregional bedeutender Ort von wirtschaftlicher Bedeutung gewesen sein muss. Denn auch wie es sich mit der Dauer des Aufenthalts von Kaiser Karl III. verhalten hat, scheint nicht bis ins Letzte geklärt zu sein.

Im Festzelt sind während den Jubiläumstagen immer wieder die Sitzplätze rar.
Im Festzelt sind während den Jubiläumstagen immer wieder die Sitzplätze rar. | Bild: Rainer Bombardi

Höhepunkt zum Abschluss war der unter der Regie von Jens Hagen entstandene Imagefilm, der Gesichter und Geschichten, Brauchtum und Moderne des Jubilars in einem Licht präsentierte, das zu einem längeren Verweilen einlud.

Die einheimische Musikkapelle ist während den Festtagen mehrmals gefordert.
Die einheimische Musikkapelle ist während den Festtagen mehrmals gefordert. | Bild: Rainer Bombardi

Doch Neudingen präsentierte sich nicht nur beim Festakt in Topform. Auch das Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen. Am Samstagabend brachten Baar-Blech und die Baaremer Luusbuäbä die Stimmung zum Kochen.

Der Festakt motiviert den Gemischten Chor des Radsportvereins zu einem gelungenen Comeback.
Der Festakt motiviert den Gemischten Chor des Radsportvereins zu einem gelungenen Comeback. | Bild: Rainer Bombardi

Am Sonntag folgte der Festgottesdienst mit der Musikkapelle und dem gemischten Chor des Radsportvereins ein Frühschoppen, an dem die Musikkapelle Großschönaich zu Gast war.

Die Besucher kamen in großer Anzahl auf den Festplatz, der sich bis in die Festhalle erstreckte, in welche die Landfrauen ihre Kaffeestube integriert hatten. Mit der Seniorenkapelle des Verbands endete das Jubiläum.